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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hexenbesen - Hey.

werk); über die französischen Hexenprozesse Garinet, Histoire de la magie en France (Par. 1818); über die englischen Walter Scott, Letters on demonology and witchcraft (neue Ausg., Lond. 1872; deutsch, Zwick. 1833); über die holländischen Scheltema, Geschiedenis der heksenprocessen (Haarl. 1828); ferner: Schindler, Aberglaube des Mittelalters (Bresl. 1858); Unger, Botanische Streifzüge, Heft 3 (Wien 1859, über die Hexensalbe); Baldi, Die Hexenprozesse in Deutschland (Würzb. 1874); Nippold, Die gegenwärtige Wiederbelebung des Hexenglaubens (Berl. 1875); Mejer, Die Periode der Hexenprozesse (Hannov. 1882); Diefenbach, Der Hexenwahn vor und nach der Glaubensspaltung in Deutschland (Mainz 1886). Die ältere Litteratur findet man vollständig in Grässes "Bibliotheca magica", S. 24-42 Leipz. 1843).

Hexenbesen (Wetter-, Donnerbüsche, Donnerbesen), abnorme Bildungen an Bäumen, welche in einer Astwucherung bestehen, indem an irgend einem Punkt eines Astes eine ungewöhnliche Menge Knospen angelegt werden, welche sich alle zu wirklichen Zweigen ausbilden und so einen kleinen dichten Strauch in der sonst locker verzweigten Krone darstellen, oder indem, wie beim H. der Tanne, von einem Ast ein Zweig kräftig und gerade aufwärts wächst, mit allseitig gewendeten kurzen Nadeln besetzt ist und dicht stehende horizontale Zweiglein treibt, gleichsam wie ein aufgepflanztes kleines Tannenbäumchen. H. kommen an vielen Laubhölzern sowie an Nadelbäumen, besonders an Weißtannen, Fichten und Kiefern, vor. Es liegen ihnen aber nicht überall gleiche Ursachen zu Grunde. Bis jetzt ist die Erscheinung mit Sicherheit nur in einem einzigen Fall auf ihre Ursache zurückgeführt worden, nämlich beim H. der Tanne, welcher nach de Bary durch einen Schmarotzerpilz aus der Ordnung der Rostpilze, Aecidium elatinum A. et S., hervorgebracht wird, der außer dieser Mißbildung auch den Krebs der Tanne verursacht, daher die H. hier oft an den Krebsstellen hervorbrechen. Sein Mycelium lebt in den Zweigen und Nadeln des Hexenbesens und bildet an der Oberfläche der letztern oft seine Fruktifikation (s. Rostpilze). In andern Fällen mögen vielleicht auch Pilze, in manchen aber wahrscheinlich andre Ursachen, besonders äußere Verletzungen, zu Grunde liegen. Wenn die Endknospen durch Tiere abgebissen, abgebrochen oder sonst zerstört sind, entsteht unterhalb der Stelle nicht selten reichlichere Zweigbildung; auch hat man unterhalb der Veredelungsstellen von Bäumen ähnliche Bildungen beobachtet.

Hexenei, s. Phallus.

Hexenhammer, s. Hexe, S. 503.

Hexenknoten, kleine, seltsam zusammengewickelte Blättchen, welche bisweilen beim Graben in der Erde gefunden werden, und in denen der Aberglaube ein Hexenwerk sah; es sind aus den Blättern des Rosenstrauchs etc. zusammengewundene Wohnungen geflügelter Insekten in ihrem Larvenzustand.

Hexenkraut, s. Hypericum.

Hexenmehl, s. Lycopodium.

Hexenmeister, nach dem Aberglauben Personen männlichen Geschlechts, welche vermöge eines mit dem Teufel eingegangenem Bundes Hexerei treiben und in den Hexenkünsten unterrichten. Vgl. Schwarzkünstler.

Hexenpilz, s. Boletus.

Hexenprozesse, s. Hexe, S. 503.

Hexenringe (Elfentanzplätze, Feenringe, engl. Fairy-rings, franz. Cercles de fées), kreisförmige Stellen auf Wiesen und Angern, auf denen der Graswuchs entweder ganz fehlt, oder üppiger auftritt als ringsumher, in der englischen und deutschen Volksanschauung durch die Mondscheintänze der Elfen, Feen oder Hexen an den betreffenden Stellen erzeugt. Über die Entstehung derselben war man lange im Zweifel und glaubte, sie entstünden durch Blitzschläge in den Boden; sie rühren aber von verschiedenen Arten des Blätterpilzes (Agaricus) her, welche die Eigentümlichkeit zeigen, sich in mehr oder weniger regelmäßigen Kreisen oder Ringen auszubreiten, je nachdem der von ihnen eingeschlossene Nährboden sich erschöpft, und dann erst pflanzenlos, später, von den absterbenden Pilzmassen gedüngt, üppig grünend erscheint. Die Erscheinung erklärt sich also einerseits aus dem Vermögen der Pilze, den Stickstoffgehalt eines gut gedüngten Bodens unter Verdrängung der andern Pflanzen schnell zu assimilieren, andernteils aus dem beständigen zentrifugalen Fortwachsen des Myceliums im Boden, wobei Kreise bis über 10 m im Durchmesser entstehen, deren innerer Teil sich neu begrünt. Sie werden vorzugsweise von Agaricus campestris L., A. oreades Bolt. und andern Arten hervorgebracht und bilden namentlich in den feuchten englischen Parken und Wäldern eine sehr auffallende Erscheinung.

Hexensabbat, s. Hexe, S. 503.

Hexenschuß, Lenden- und Kreuzschmerz, welcher plötzlich eintritt und das Beugen des Rückens hindert, ist in der Regel einfacher Rheumatismus der Lendenmuskeln, kann aber auch auf Zerreißung einzelner Muskelfaserbündel der Rückenstrecker infolge allzu schneller und kräftiger Bewegung und der darauf folgenden Entzündung beruhen. Beim H. liegt der Patient am besten zu Bett, denn Wärme und Ruhe reichen zur Heilung des Übels hin, welche meist schon nach wenigen Tagen erfolgt. Zuweilen bessern sich die dabei vorhandenen Lendenschmerzen auffallend schnell, wenn man einige blutige Schröpfköpfe auf die schmerzhafte Gegend ansetzt. Der Name stammt daher, daß man annahm, die Hexen könnten ohne äußere Verwundung einem Menschen oder Tier vermittelst eines sogen. Albschosses (Albgeschoß) allerlei schädliche und schmerzende Dinge in den Körper hexen, namentlich Tiere (gute Dinger oder Holden), Haarballen, Nägel, Nadeln und dergleichen seltsame Dinge mehr. In den Hexenprozessen kamen häufig solche Prozeduren zur Anklage, gewöhnlich sollte der den Menschen treffende Schuß nach seinem Bild (vgl. Bildzauber) gerichtet gewesen sein. Die aus dem Körper der Tiere und Menschen herausgeschnittenen Ballen nannte man Albkugeln, Finnenballe, Prollknäuel etc.

Hexentanzplatz, s. Thale.

Hexenwage, s. Hexe, S. 504.

Hexenzwirn, s. Lycium.

Hexham (spr. hexäm), alte Stadt in der engl. Grafschaft Northumberland, am Tyne, 30 km oberhalb Newcastle, hat einen malerischen Marktplatz, wo die Abteikirche und die Ruinen der 1296 von den Schotten zerstörten Abtei liegen, lebhaften Verkehr und (1881) 5919 Einw. - H. war bereits 674 Bischofsitz. 1464 schlugen hier die Truppen Eduards IV. unter Montague die von dem Herzog von Somerset geführten Verbündeten.

Hexylsäure, s. Kapronsäure.

Hey, Wilhelm, Fabeldichter, geb. 26. März 1789 zu Leina im Gothaischen, ward Pfarrer in Töttelstädt, später Hofprediger in Gotha und endlich Superintendent zu Ichtershausen, wo er 19. Mai 1854