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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heydebrand und der Lasa; Heydekrug; Heydemann; Heyden

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Heydebrand und der Lasa - Heyden.

starb. H. hat sich als theologischer Schriftsteller, namentlich aber durch seine "Fabeln für Kinder" (zwei Sammlungen, Hamb. 1833-37 u. öfter), welche mit den trefflichen Zeichnungen von Otto Speckter allgemeine Verbreitung fanden, bekannt gemacht. Seine dichterischen "Erzählungen aus dem Leben Jesu" (Gotha 1848) haben geringen Wert. Vgl. Bonnet, Der Fabeldichter W. H. (Gotha 1885); Hansen, W. H. nach seinen eignen Briefen etc. (das. 1886).

Heydebrand und der Lasa, Tassilo von, berühmter Theoretiker des Schachspiels, geb. 17. Okt. 1818 zu Potsdam, ehemaliger deutscher Gesandter in Kopenhagen. Er vollendete das mit seinem Freund Bilguer (s. d.) begonnene große "Handbuch des Schachspiels" (Berl. 1843) und besorgte noch vier Auflagen desselben (5. Aufl. 1873). Daneben gab er auch einen "Leitfaden für Schachspieler" (Berl. 1843; 5. Aufl. von Schwede, Leipz. 1880) und die "Berliner Schacherinnerungen" (das. 1859) sowie im Verein mit R. Franz "Die Schachpartien und Endspiele des Damiano" (Berl. 1857) heraus. L. ist auch einer der ersten Kenner der Litteratur und Geschichte des Schachs; er hat unter anderm den Lucena und den Cessoles übersetzt und erläutert.

Heydekrug, Flecken und Kreisort im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen, an der Linie Insterburg-Memel der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht und (1885) 450 evang. Einwohner.

Heydemann, Ludwig Eduard, Rechtslehrer, geb. 18. Mai 1805 zu Berlin, studierte daselbst und in Heidelberg Rechtswissenschaft und Geschichte, habilitierte sich nach längerer Thätigkeit im Justizdienst, zuletzt als Assessor beim Kammergericht, 1840 als Privatdozent an der Berliner Universität, veröffentlichte hierauf die rechtshistorische Monographie "Die Elemente der Joachimischen Konstitution vom Jahr 1527" (Berl. 1841) und ward 1841 zum außerordentlichen, 1845 zum ordentlichen Professor für das preußische Landrecht befördert. Unter v. Savignys Leitung war er 1842-48 als Hilfsarbeiter im Justizministerium für Gesetzrevision thätig. Seit 1846 Vorsitzender des Litterarischen Sachverständigenvereins, gab er dessen Gutachten in einer Sammlung (Berl. 1848) heraus und war seit 1858 auch Vorsitzender des Musikalischen Sachverständigenvereins. In beiden Vereinen hatte er vielfach bei der Vorbereitung legislativer Aufgaben und internationaler Verträge zum Schutz des Autorrechts mitzuwirken. Eine Frucht dieser Thätigkeit war die von ihm mit O. Dambach herausgegebene Schrift "Die preußische Nachdrucksgesetzgebung, erläutert durch die Praxis des Litterarischen Sachverständigenvereins" (Berl. 1863). Sein Hauptwerk ist das "System des preußischen Zivilrechts im Grundriß" (Berl. 1851), welches in zweiter, völlig umgestalteter Auflage als "Einleitung in das System des preußischen Zivilrechts" (Leipz. 1861-68, 2 Bde.) erschien, dessen Vollendung aber durch seinen 11. Sept. 1874 erfolgten Tod unterbrochen wurde. Vgl. O. Dambach, Gedächtnisrede (Berl. 1874).

Heyden, 1) Jan van der, holländ. Maler, geb. 1637 zu Gorkum, war anfangs Schüler eines Glasmalers, wandte sich aber später ausschließlich der Architekturmalerei zu und begab sich nach Amsterdam, wo er besonders Ansichten von Kirchen, Schlössern, Palästen, öffentlichen Plätzen, Straßen, Kanälen etc. malte, die meist reich mit Staffage versehen sind. Lingelbach, A. van de Velde und Eglon van der Neer malten häufig die Figuren auf seinen klar und freundlich gefärbten Bildern. Dieselben sind in vielen öffentlichen Galerien zu finden. Ein Hauptwerk, die Ansicht des Stadthauses zu Amsterdam auf dem Damplatz (von 1668), besitzt das Louvre in Paris. H. war eine Zeitlang in England thätig, hat sich auch mit Mechanik beschäftigt und darüber 1690 eine Abhandlung mit eignen Zeichnungen veröffentlicht. Er starb 28. Sept. 1712 in Amsterdam.

2) Friedrich August von, Dichter, geb. 3. Sept. 1789 auf dem väterlichen Landgut zu Nerfken bei Heilsberg in Ostpreußen, studierte in Königsberg, Berlin und Göttingen die Rechte, trat 1813 in ein preußisches Jägerbataillon ein, ward 1826 Regierungsrat und später Oberregierungsrat in Breslau, geriet aber in eine schiefe Stellung zum Ministerium, als er sich weigerte, das Amt eines Zensors zu übernehmen (1843). Von den Bewegungen des Jahrs 1848 hielt er sich fern. Er starb 5. Nov. 1851 in Breslau. H. hat sich auf verschiedenen Gebieten der Poesie versucht und sich überall als feinsinniger, formgewandter Dichter bewährt. Doch vermochte er mit seinen Dramen, als "Theater" (Leipz. 1842, 3 Bde.) gesammelt, die Bühne nicht zu gewinnen. Bessern Erfolg hatte er mit dem Roman "Die Intriganten" (Leipz. 1840, 2 Bde.) und den "Randzeichnungen" (das. 1841, 2 Bde.). Als seine besten Schöpfungen müssen jene kleinen Dichtungen gelten, welche das Gepräge einfach klarer Anschauung und eines liebenswürdigen Gemüts tragen, wie: "Reginald" (Berl. 1831), "Der Schuster von Ispahan" (Leipz. 1850), "Die Königsbraut" (das. 1851) und besonders "Das Wort der Frau" (das. 1843, 23. Aufl. 1881), letzteres dasjenige Werk Heydens, das seinen Namen in weitere Kreise getragen und in der deutschen Litteraturgeschichte festgestellt hat. Nach seinem Tod erschienen: "Gedichte" (mit einer Biographie des Dichters hrsg. von Th. Mundt, Leipz. 1852).

3) Otto, Maler, geb. 8. Juli 1820 zu Ducherow (Vorpommern), studierte zuerst Theologie, seit 1843 aber Malerei, zunächst an der Berliner Akademie unter Klöber und Wach, dann seit 1847 in Paris unter L. Cogniet. Die Jahre 1850-54 verlebte er in Italien, besonders in Rom und Sizilien. Hier entstand neben zahlreichen Porträten und italienischen Genrebildern sein Hiob (im Stettiner Museum). 1854 nach Berlin zurückgekehrt, malte er die Stiftung der Universität Greifswald, wofür ihm diese den Doktortitel verlieh; Bogislaw X. auf seiner Wallfahrt nach Jerusalem von Seeräubern überfallen (im Stettiner Museum); Feldmarschall Schwerin in der Schlacht bei Prag (im Berliner Schloß). Den Feldzug 1866 machte er im Gefolge des Kronprinzen mit; während dessen porträtierte er den Kronprinzen und eine bedeutende Anzahl von Offizieren seines Stabes in Aquarell. Ferner bot ihm der Krieg den Anlaß zu den vier Bildern: die Begegnung des Kronprinzen und des Prinzen Friedrich Karl, das Eingreifen der zweiten Armee in der Schlacht bei Königgrätz, der König übergibt den Orden pour le mérite an den Kronprinzen und der siegreiche König, von seinen Truppen jubelnd umringt (1868, Berliner Nationalgalerie). Aus derselben Zeit stammen seine Porträte von Bismarck, Moltke und Steinmetz. Im J. 1869-70 machte er eine Reise nach Ägypten, deren Resultate außer zahlreichen Studien der Teppichbazar in Kairo, ein Pferde- und Kamelmarkt der Beduinen in Kairo, an den Ufern des Nils bei Kairo und Straßenleben in Kairo sind. Er begleitete die preußische Armee auch 1870 nach Frankreich. Eine Frucht seiner dortigen Studien ist der Besuch des deutschen Kaisers bei den Verwundeten im Schloß zu Versailles. Von