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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hiller von Gärtringen; Hillern; Hilleröd; Hillesheim; Hilmend

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Hiller von Gärtringen - Hilmend.

Frieden kommandierender General in Siebenbürgen, dann in Galizien und starb 5. Juni 1819 in Lemberg als Generalfeldzeugmeister.

4) Ferdinand, Klavierspieler und Komponist, geb. 24. Okt. 1811 zu Frankfurt a. M. als Sohn wohlhabender Eltern, empfing seinen ersten Musikunterricht von Aloys Schmitt (Klavier) und Vollweiler (Komposition), bildete sich von 1825 an unter Hummels Leitung in Weimar weiter aus und debütierte zwei Jahre später als Komponist in Wien, wohin er Hummel auf einer Konzertreise begleitet hatte, mit einem als Op. 1 veröffentlichten Klavierquartett. Nach seiner Vaterstadt zurückgekehrt, wirkte er hier als Klavierspieler und Dirigent mit reichem Erfolg bis 1829, wo er sich für längere Zeit nach Paris begab. Anfangs an dem Choronschen Institut als Kompositionslehrer angestellt, wußte er bald die Aufmerksamkeit der Pariser Kunstwelt zu erregen und wurde infolgedessen von den geistigen Größen seiner Zeit, einem Cherubini, Meyerbeer, Rossini, Berlioz, Chopin, Liszt, als ebenbürtig in ihren Kreisen aufgenommen. Nachdem er in reichem Maß, namentlich auch durch seine 1835 mit Baillot veranstalteten Kammermusikkonzerte, zur Hebung des Kunstgeschmacks in der französischen Hauptstadt mitgewirkt hatte, begab er sich 1836 für einige Zeit nach Frankfurt, dann aber nach Italien, wo er 1838 in Mailand seine Oper "Romilda" zur Aufführung brachte, ohne jedoch einen Erfolg damit zu erzielen. Um so größern Beifall fand dagegen sein unmittelbar darauf in Leipzig aufgeführtes Oratorium "Die Zerstörung Jerusalems", dessen Erfolg sich in allen großen Städten Deutschlands wiederholte. Während der folgenden Jahre hielt sich H. bald in Italien, bald in Deutschland auf, bis er 1847 einem Ruf als städtischer Kapellmeister nach Düsseldorf folgte, welchen Posten er drei Jahre später mit dem gleichen in Köln vertauschte. Hier hat er als Dirigent der Gürzenichkonzerte und als Direktor der Musikschule eine ungemein fruchtbare Thätigkeit entfaltet, welche er gelegentlich (z. B. im Winter 1851/52, wo er in Paris die Italienische Oper dirigierte und unter anderm Beethovens "Fidelio" zum erstenmal zur Aufführung brachte) auch über Deutschlands Grenzen hinaus erstreckte. Er starb 10. Mai 1885. Von den Kompositionen verschiedener Gattungen, deren er inzwischen gegen 200 veröffentlichte (darunter 4 deutsche Opern, 2 Oratorien, mehrere Kantaten und Kirchenwerke, 3 Symphonien, 7 Ouvertüren, endlich kleinere Vokal- und Instrumentalsachen aller Art), hat nur ein Teil die Erwartungen erfüllt, zu welchen man bei Hillers erstem Auftreten berechtigt war; denn wenn es denselben auch an Ideenreichtum und formaler Abrundung nicht mangelt, so zeigen sie doch in der Mehrzahl neben dem Gelungenen zu viel des Schwachen und Verfehlten, um als vollendete Kunstwerke gelten zu können. Sehr verbreitet sind seine "Übungen zum Studium der Harmonie und des Kontrapunktes" (12. Aufl., Köln 1886). Unbedingte Anerkennung dagegen verdient H. als Musikschriftsteller; seine während einer Reihe von Jahren für die "Kölnische Zeitung" geschriebenen Kritiken sind als Muster ihrer Gattung zu betrachten, und dieselbe stilistische Meisterschaft, derselbe fesselnde Reiz der Darstellung kennzeichnen seine selbständig erschienenen Werke: "Aus dem Tonleben unsrer Zeit" (Leipz. 1868, 2 Bde.; neue Folge 1871); "Ludwig van Beethoven" (das. 1871); "Felix Mendelssohn-Bartholdy. Briefe und Erinnerungen" (Köln 1874, 2. Aufl. 1878); "Musikalisches und Persönliches" (Leipz. 1876); "Briefe an eine Ungenannte" (Köln 1877); "Künstlerleben" (Leipz. 1880); "Goethes musikalisches Leben" (Köln 1883); "Erinnerungsblätter" (das. 1884).

Hiller von Gärtringen, 1) Johann August Friedrich, Freiherr, preuß. General, geb. 11. Nov. 1772 zu Magdeburg aus einem alten Graubündner Geschlecht, trat in preußische Dienste, machte die Feldzüge in Holland und am Rhein mit und wurde 1806 in Hameln gefangen. 1812 nahm er als Major und Adjutant Grawerts, dann Yorks am Krieg in Rußland teil, führte 1813 als Brigadekommandeur den Vortrab des Yorkschen Armeekorps und trug wesentlich zur Entscheidung des Treffens bei Möckern bei, wo er verwundet wurde; 1814 befehligte er als Oberst die Infanterie der Avantgarde unter dem Prinzen Wilhelm von Preußen und 1815 die 16. Brigade, an deren Spitze er in der Schlacht bei Waterloo das Dorf Planchenois nahm. Er wurde hierauf Generalmajor und Kommandant von Stettin, kam 1817 als Divisionskommandeur nach Posen und 1826 nach Breslau, wurde dann Generalleutnant und verließ als General 1836 den aktiven Dienst. Er starb 18. Jan. 1856 in Berlin.

2) Wilhelm, Freiherr, preuß. General, Sohn des vorigen, geb. 28. Aug. 1809 zu Pasewalk, trat 1826 in die preußische Armee, machte 1842-44 die Kämpfe im Kaukasus mit, wurde 1846 Flügeladjutant des Königs, 1856 Kommandeur des 1. Garderegiments, 1859 Generalmajor. Im Krieg von 1866 befehligte er die 1. Gardedivision, siegte 28. Juni bei Burkersdorf und eroberte 3. Juli Chlum und Rosberitz, was den Sieg von Königgrätz entschied, fiel aber beim Vorstoß der Österreicher bei letzterm Dorfe, von einer Granate getroffen.

Hillern, Wilhelmine von, Schriftstellerin, geb. 11. März 1836 zu München als Tochter Eh. Birchs und der Dramendichterin Charlotte Birch-Pfeiffer (s. d.), widmete sich der Bühne, debütierte 1853 mit gutem Erfolg auf dem Hoftheater zu Koburg, verheiratete sich 1857 mit dem Hof- und Kreisgerichtsdirektor von Hillern in Freiburg i. Br. und trat seit 1865 als Schriftstellerin auf. Außer einigen kleinern Bühnenstücken: "Guten Abend!" (1873), "Ein Autographensammler" (1874), "Die Augen der Liebe" (1878), schrieb sie die Romane: "Doppelleben" (Berl. 1865, 2 Bde.; 2. Aufl. 1880), "Ein Arzt der Seele" (das. 1869, 4 Bde.; 4. Aufl. 1885), "Aus eigner Kraft" (Leipz. 1872, 3 Bde.), "Die Geyer-Wally" (Berl. 1873; 5. Aufl., das. 1884; dramatisiert 1880), "Höher als die Kirche" (das. 1876), "Und sie kommt doch", Erzählung aus einem Alpenkloster des 13. Jahrh. (1.-3. Aufl., das. 1879), und "Die Friedhofsblume" (das. 1883), die in ihrem Stoffreichtum und ihrer effektvollen Spannung einigermaßen an die Schauspiele der Frau Birch-Pfeiffer gemahnen. Auch ihre Tochter Hermine trat bereits als Dichterin auf.

Hilleröd, Stadt auf der dän. Insel Seeland, Amt Frederiksborg, an der Eisenbahn Kopenhagen-Helsingör, mit Kathedralschule und (1880) 3059 Einw. Bei H. liegt das Schloß Frederiksborg (s. d.).

Hillesheim, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Trier, Kreis Daun, in der Eifel, Knotenpunkt der Linien H.-Trier und Köln-H. der Preußischen Staatsbahn, hat eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, Gerberei, Steinbrüche und (1885) 1137 Einw.

Hilmend (Helmund), größter Fluß in Afghanistan, entspringt am Hindukusch, am Südabhang des diesen mit den Pagmanbergen verbindenden Höhenzugs, verfolgt bis gegen die Südgrenze von Afghanistan eine südwestliche Richtung und nimmt auf die-^[folgende Seite]