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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Himalaja

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Himalaja (Pflanzen- und Tierwelt, Bewohner, Pässe).

alle übrigen Hauptströme des indischen Tieflandes (Ganges, Dschamna etc., im ganzen 13) haben ihren Ursprung zwischen dieser und der südlichen Hauptkette; aus den regenreichern Vorbergen kommen zahlreiche Flüsse zweiten Ranges. - Der H. ist arm an edlen Metallen; die Goldwäschen von Kaschmir sind wenig ergiebig, die im N. von Assam vermuteten Goldseifen sind noch ohne alle Bedeutung. Eisen wird aus den Bergwerken von Kamaon von den Engländern gewonnen, jedoch mit so geringem Erfolg wie bei den kleinen Kohlenlagern in Sikkim und Bhutan; die Eingebornen gewinnen gutes, aber wenig Kupfer in Kamaon, Garwhal, Nepal und Sikkim, Bleiglanz in Kulu, Garwhal und Sirmur; Antimon findet sich in Mengen in Kulu und Bahul. Die zahlreichen heißen Quellen sind meist Gegenstand abergläubischer Verehrung.

Für die Flora lassen sich drei Vegetationszonen unterscheiden: 1) Die tropische und subtropische Zone bis 1200 m. Ihre dichten, dunkelgrünen Waldungen bestehen im O. aus mächtigen Palmen, Feigen-, Gummi-, Baumwoll- und Rhododendronbäumen, dem wertvollen Sal (Shorea robusta) u. a.; sie sind stark mit Unterholz vermischt, worunter viele Bambus. Der Ebene zunächst sind diese Bestände vollständig ausgenutzt, und die Waldungen erfordern zur Wiederbestockung aufmerksame Behandlung durch die Forstverwaltung. Im W. werden tropische Pflanzen selten, dagegen wird Pinus longifolia häufig, und zu ihr gesellen sich Eichen und Walnüsse. In Lichtungen wird Reis gebaut, dazu Baumwolle und Zucker; neuerdings (1872) hat man auch Versuche mit Ipecacuanha (Brechwurzel) gemacht. Je westlicher, desto vorherrschender wird der Anbau von Mais, Gerste und Hirse. 2) In der Wald- und Kulturregion von 1200-3000 m gedeihen alle Bäume, Sträucher und Straucharten der gemäßigten Zone Europas und Amerikas; es finden sich aber auch viele chinesische, japanische und malaiische Pflanzen, insbesondere sucht der Südrand dieses Gürtels an Mannigfaltigkeit und Üppigkeit der Vegetation seinesgleichen. Laubwald hat nur der Osten, die für Deutschlands Mittelgebirge und die Voralpen charakteristische Buche fehlt; die ausgedehnten Wälder bestehen aus Koniferen von 13 Arten, eine große Zierde der Landschaft sind Zedernwälder. Zu Eisenbahnzwecken wurden die Wälder stark gelichtet, seit 1864 ist daher die Regierung mit gutem Erfolg aufs Aufforsten bedacht. Eine große Bedeutung haben die im O. in Höhen von 1200-1500 m gemachten Versuche, die Cinchonapflanze zu akklimatisieren; ebenso wird Ipekakuanha in Sikkim mit Erfolg kultiviert. Die Kultur der Obstbäume lohnt noch in 2800 m Höhe. Fruchtsorten mit weichem, saftreichem Fleisch, wie Pfirsiche, sowie Weinreben eignen sich jedoch nur für den Westen; im O. rösten sie, statt zu reifen. Zum Getreidebau sind Höhen von 1200-1800 m am geeignetsten, unmöglich wird derselbe erst bei 3000 m; in den untern Lagen ist Reis (meist Herbst-, selten Frühjahrsreis), in den obern Hirse, Mais, Sorghum, Buchweizen die beliebteste Frucht. Den ersten Rang unter den eingeführten Kulturen nimmt aber gegenwärtig die Theepflanze ein; die erste Pflanze datiert von 1840, jetzt bestehen solche in den Thälern von Sikkim, Dehra-Dun und Kangra. 3) Die Gras- und Weideregion, in den tiefern Lagen noch reichlich durchsetzt von Strauchgewächsen, ist auffallend arm an Gramineen. Völlig erstirbt das vegetabilische Leben erst in sehr großen Höhen; noch in 6000 m Höhen wurden Phanerogamen gesammelt. Alphütten findet man im H. nicht, auch Heu wird nicht gemacht; die höhern Weiden werden von Wanderstämmen betrieben.

Die Tierwelt, mehr ausgezeichnet durch den Reichtum an Arten als an Individuen, zeigt eine auffallende Verwandtschaft mit der des Malaiischen Archipels. Der höchsten Region gehören ausschließlich an: Bison, Moschusrind, wilde Ziegen und Schafe, Murmeltiere und kleine Bären. Yaks kommen hier gar nicht und wilde Esel, Kyangs, nur an einzelnen Punkten vor. Von fleischfressenden Tieren gibt es Unzen, Füchse, Wiesel. Die mittlere Region hat wilde Rinder, Antilopen, Hasen, Stachelschweine, eine Art Reh (Styloceros), einen wilden Hund (Cuon rutilans), eine Leopardenart (Macroceloides), den libyschen Luchs, wilde Katzen; die untere die prächtigen Rinderarten Bibo und Bubalus, Hirsche, Antilopen, Honigbären (Melursus), Elefanten, Rhinozerosse, Affen (Semnopithecus und Macacus), Tiger, Leoparden, Wölfe, Hyänen und andre reißende Tiere, ferner große Fledermäuse, kleine Geier, Falken u. a. Die einzigen Haustiere in den Hochthälern des H. sind Yaks und große Ziegen und Schafe, die auch als Lasttiere dienen; in den tiefern Thälern findet man Zebu, Büffel und die übrigen Haustiere Nordindiens.

Die Bewohner der nördlichen, zum chinesischen Reiche gehörigen Abhänge sind Tibeter, die der südlichen gehören zumeist arischen oder uralten turanischen Stammesresten an; im O. hat sich das tibetische Element behauptet, das auch in der obern Region der Gebirgskette von Ladak bis Bhutan vorherrscht. Die am Südrand wohnenden autochthonen Stämme nichtarischer Herkunft faßt man unter der Bezeichnung Himalajavölker (s. d.) zusammen. Nach ziemlich unsichern Schätzungen berechnet man die Bevölkerung des H. auf 7 Mill. Seelen; am dichtesten bevölkert sind die gegen Indien geöffneten Thäler zwischen 1400 und 2400 m Höhe. Die Hauptbeschäftigungen sind Ackerbau und Viehzucht, von Städten mit über 5000 Einw. sind nur fünf bekannt. Politisch gehört der H. im N. zu China; im äußersten Osten wohnen unabhängige Stämme; auch Bhutan und Nepal, die sogen. Himalajastaaten (s. d.), sind selbständig; im übrigen herrscht England direkt, oder es regieren Vasallenfürsten unter seiner Oberhoheit.

Dem Verkehr dienen Hunderte von Pässen. Die südliche Hauptkette wird im Durchschnitt auf Pässen von 4200 m Höhe überstiegen; anstrengender ist der Aufstieg zu den Pässen des Zentralzugs. Hier liegen sie bei 5200 m Höhe; Gletscher sind in der nächsten Nähe, und die Ortschaften liegen mehr als eine Tagereise weit auseinander. Folgende sind von O. nach W. die Hauptrichtungen für den Verkehr nach Tibet: 1) In das chinesische Tibet nach Lhassa über Assam (20 Tage), Bhutan (geringer Verkehr aus politischen Gründen), Britisch-Sikkim (mit Benutzung der Kalkutta-Siliguribahn der nächste Zugang von der See), dann Nepal (gegenwärtig der am meisten begangene Weg). 2) Im Satledschquellgebiet der "Hindostan-Tibet-Weg" genannte Saumweg mit der Richtung über den Nitipaß in Garwhal (s. Karte "Zentralasien"). 3) In das Industhal führen viele Übergänge; sie sind zugleich die Wege nach Ostturkistan und Kaschgar. Die tiefste Einsattelung ist der Draspaß von 3443 m Höhe in Kaschmir; er ist eisfrei und auch im tiefsten Winter durch Schneewehen nur auf wenige Tage geschlossen.

Der H. hat für die Ebenen Indiens sich jederzeit als Grenzwall erwiesen; kein feindliches Heer nahm über dieses Gebirge den Weg dahin, alle Eroberer von N. umgingen es. Dagegen verdankt der H. In-^[folgende Seite]