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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hippiatrik - Hippokastaneen.

Athen, folgte diesem 527 v. Chr. mit seinem Bruder Hipparchos in der Tyrannis. Obwohl stolz und hochfahrend, regierte er doch mit Einsicht und Wohlwollen. Erst nach des Hipparchos Ermordung (514) ward er mißtrauisch und grausam. Die von Peisistratos vertriebenen Alkmäoniden benutzten die hierdurch rege gemachte Unzufriedenheit des Volkes, kehrten mit beträchtlichen Streitkräften und auf die Anweisung des delphischen Orakels von Sparta unterstützt zurück und vertrieben mit Hilfe der Spartaner den Tyrannen (510). Dieser floh erst nach Sigeion zu seinem Stiefbruder Hegesistratos, dann zum persischen König Dareios Hystaspis und bewog diesen zu einem Feldzug gegen Griechenland; die Unternehmung scheiterte an der Niederlage der Perser bei Marathon (490), und H. starb auf der Rückkehr in Lemnos.

2) H. aus Elis, Sophist, um 400 v. Chr., der Zeitgenosse des Protagoras und Sokrates, setzte das höchste Gut in die Selbstgenügsamkeit (Autarkie), machte sich lächerlich, indem er alles zu wissen sich rühmte und alle Fragen zu beantworten sich bereit erklärte, daher er von Platon in zwei nach ihm benannten Dialogen, von denen der eine jedoch für unecht gilt, als eitler und unwissender Prahler hart gegeißelt wird. Die Reste seiner Schriften sind in Müllers "Fragmenta historicorum graecorum", Bd. 2 (Par. 1848), abgedruckt.

Hippiatrik (Hippiatrie, griech.), Pferdeheilkunde, allgemeiner auch s. v. w. Tierheilkunde; Hippiater, Pferdearzt.

Hippikon, griech. Längenmaß, betrug 4 Stadien.

Hippo (phönik. Ippo, "Festung"; auch H. Regius, spätlat. Hippona), im Altertum von Phönikern gegründete Stadt in Afrika, am Mittelmeer, beim heutigen Bone in Algerien. Zur Zeit des ersten Punischen Kriegs eroberte der Massylierkönig Gala diese Kolonie, sein Sohn Masinissa machte sie zu seiner Residenz (daher ihr Beiname Regius). Zur Zeit Cäsars fiel sie, wie ganz Nordafrika, an die Römer. Der Handel von H. war ein äußerst blühender; von hier bezog Rom seine meisten afrikanischen Produkte, hier hatten jüdische Sklavenhändler ihren Hauptsitz. In der christlichen Zeit war H. Sitz des heil. Augustinus, der hier 429 starb, als gerade die Vandalen die Stadt belagerten. Nur geringe Trümmer sind von der alten Stadt erhalten. - Ein andres H. (H. Zarytus, auch Diarrhytos) lag weiter östlich in der Nähe des jetzigen Biserta (s. d.).

Hippobosca, Pferdelausfliege; Hippoboscidae (Lausfliegen), Familie aus der Ordnung der Zweiflüger, s. Lausfliegen.

Hippocampus, Seepferdchen.

Hippodameia, Gattin des Pelops (s. d.).

Hippodamos (griech., "Rossebändiger"), Beiwort tapferer Krieger, besonders des Kastor, auch ganzer Stämme, wie der Troer.

Hippodamos, griech. Architekt aus Milet, in der zweiten Hälfte des 5. Jahrh. v. Chr., galt als Erfinder des Systems regelmäßig angeordneter Städteanlagen und brachte dieses Prinzip sowohl beim Hafenbau des Piräeus in Athen als beim Umbau von Rhodos und bei der Gründung von Thurii zur Geltung.

Hippodrom (griech. Hippodromos, "Roßlauf"), bei Griechen und Römern die Rennbahn für Roß- und Wagenrennen, gewöhnlich ein mit hochstämmigen Bäumen eingefaßter Platz. Bei den Griechen hatte der H. die zweifache Länge des Stadiums, also etwa 400 m, bei einer Breite von 125 m. Die Rennwagen, wenn sie mit ausgewachsenen Pferden bespannt waren, mußten den Lauf um das am Ende der Bahn stehende Ziel bis wieder zum Anfang zwölfmal zurücklegen, jüngere Pferde, wiewohl dies erst später aufkam, bloß achtmal. Außerdem gab es auch Rennen mit Zweigespannen und mit Maultiergespannen, ja mit einzelnen Reitpferden. Am berühmtesten war der H. zu Olympia, den Pausanias beschreibt; leider haben sich die deutschen Ausgrabungen nicht bis zu ihm erstrecken können. Durch einen von der Natur gegebenen langgestreckten Hügel und einen aufgeworfenen Erdwall war am Ufer des Alpheios ein länglicher Raum hergestellt in den oben angegebenen Dimensionen. Die beiden Längsseiten, auf denen sich die Sitze für die Zuschauer befanden, liefen an einem Ende im Halbkreis zusammen, während sie auf dem andern Ende durch die von Agnaptos gebaute Halle verbunden waren. Vor dieser befanden sich die Schranken, jedoch nicht in einer Linie, sondern keilförmig sich in die Rennbahn erstreckend. Beim Beginn des Rennens wurden die beiden Schranken, welche den beiden Langseiten am nächsten, also in der Rennbahn selbst am weitesten zurücklagen, zuerst geöffnet, die folgenden erst nacheinander in kurzen, aber angemessenen Zwischenräumen. Auf diese Weise suchte man die Benachteiligung aufzuheben, welche bei gerader Schrankenlinie, da die Fahrten rechts herum unternommen wurden, für die am weitesten nach links placierten Gespanne entstand. Das Ziel (meta) für das Umlenken am jenseitigen Ende der Bahn bezeichnete ein runder Altar, Taraxippos ("Entsetzen der Pferde") genannt, besonders gefährlich für diejenigen, welche durch knappe Wendung an demselben einen Vorsprung zu erreichen suchten. Auf der den Schranken näher liegenden Seite bezeichnete ein andres Ziel, eine Statue der Hippodameia, den andern Wendepunkt in der Bahn. Ob diese beiden Ziele, wie im römischen Zirkus, durch eine Erhöhung (spina) verbunden waren, ist ungewiß. Bei den Römern vertrat die Stelle des Hippodroms der in der Art der Anlage von jenem in manchen Punkten abweichende Circus (s. d.), aber auch die später in römischer Weise in Griechenland angelegten Rennbahnen führen den Namen H. Unter diesen ist der berühmteste der zu Byzanz von Septimius Severus begonnene, von Konstantin vollendete H., dessen Stelle von den Türken noch Atmeidan ("Roßplatz") genannt wird. Er war mit Säulenreihen, vielen Statuen, einem von Theodosius errichteten, noch erhaltenen Obelisken und dem angeblich delphischen Schlangendreifuß geschmückt, und auf ihm standen auch die vier ehernen Rosse, die 1204 nach Venedig zur Zierde von St. Markus gebracht wurden. Vgl. Graf Lehndorff, Hippodromos (Berl. 1876).

Hippodromen (griech., "Pferderenner"), im makedon. Heer Plänkler zu Pferde, mit Bogen oder leichten Wurfspeeren bewaffnet, wurden besonders zum Kundschafts- und Sicherheitsdienst verwendet.

Hippoglossus, s. Schollen.

Hippogryph ("Roßgreif"), der griechisch zusammengesetzte, von dem italienischen Dichter Bojardo erfundene Name eines fabelhaften, den Alten ganz unbekannten Tiers, der von neuern Dichtern (z. B. Wieland) für "Musenpferd" (vgl. Pegasos) gebraucht wurde. Der H. wird als geflügeltes Roß mit einem Greifenkopf dargestellt.

Hippokámp (griech.), fabelhaftes Seetier von Roßgestalt mit Delphinschwanz, erscheint in künstlerischen Darstellungen häufig vor den Wagen der Meergottheiten gespannt.

Hippokastaneen, dikotyle Pflanzengruppe, eine Unterfamilie der Sapindaceen aus der Ordnung der