Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hippokentauren; Hippokoon; Hippokras; Hippokrateaceen; Hippokrates; Hippokratisches Gesicht; Hippokrene

559

Hippokentauren - Hippokrene.

Äskulinen unter den Polypetalen darstellend, Holzpflanzen mit gegenständigen, meist handförmig zusammengesetzten Blättern und großen, zygomorphen Blüten, die 5-9 Staubgefäße und einen dreifächerigen Fruchtknoten mit zwei Samenknospen in jedem Fach besitzen. Die grüne, lederartige, glatte oder bestachelte, runde Kapsel ist dreifächerig oder durch Fehlschlagen ein- oder zweifächerig und öffnet sich fachspaltig. Die großen, meist einzeln in den Fruchtfächern liegenden Samen haben eine glatte, glänzende Schale und einen breiten, matten Nabel; sie enthalten kein Endosperm; der gekrümmte Embryo hat sehr große, fleischige, zusammengewachsene, bei der Keimung unterirdisch bleibende Samenlappen, welche reich an Stärkemehl und Gerbstoff sind. Es gehören hierher etwa 20 in Nordamerika einheimische Arten, welche in der Gattung Aesculus L. vereinigt sind; nur die gemeine Roßkastanie stammt nach einer verbreiteten Annahme aus Asien, wächst aber nach Heldreich auch in Thessalien und Epirus wild. Mehrere Arten werden bei uns als Ziergehölze kultiviert. Fossil sind einige Arten von Aesculus L. aus der Tertiärflora bekannt.

Hippokentauren, s. Kentauren.

Hippokoon, im griech. Mythus Sohn des Öbalos von Sparta und der Nymphe Bateia, vertrieb seine Brüder Tyndareos und Ikarios aus der Heimat, wurde aber selbst samt seinen 20 Söhnen wegen der Ermordung des Knaben Öanos, eines Verwandten des Herakles, von diesem erschlagen, worauf Tyndareos von der väterlichen Herrschaft Besitz ergriff.

Hippokras, im Mittelalter sehr beliebter Würzwein, wird dargestellt, indem man Apfelscheiben mit durch Honig versüßten Weißwein übergießt und diesem Getränk dann Zimt, Muskatblüte, Gewürznelken, auch Zitronenschale und geschälte, gestoßene süße Mandeln zusetzt. Das Ganze muß 24 Stunden ziehen.

Hippokrateaceen, dikotyle, etwa 130 Arten umfassende, den Tropen angehörige Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Frangulinen, zunächst mit den Celastraceen verwandte Holzgewächse.

Hippokrates (griech., "Rossebändiger"), 1) H. aus Chios, Mathematiker, lebte im 5. Jahrh. v. Chr. und lehrte in Athen die Geometrie, ward aber, weil er sich bezahlen ließ, von den Pythagoreern ausgestoßen. Nach ihm wird noch eine von ihm gefundene geometrische Figur zur Quadratur des Kreises genannt (lunula Hippocratis), mittels deren er zuerst die Gleichheit einer von krummen Linien eingeschlossenen Fläche mit einer von geraden begrenzten entdeckte. Er schrieb zuerst ein System der Geometrie hinter dem Titel: "Stoicheia", das aber verloren ist, und löste zuerst das "Delische Problem" (s. d.). Genaueres über H., besonders auch die wörtliche Übersetzung eines Teils seines Werkes, findet man bei Bretschneider, Die Geometrie und die Geometer vor Euklides (Leipz. 1872).

2) H. von Kos, der Vater der Heilkunde, der berühmteste Arzt des Altertums, stammte aus dem Geschlecht der Asklepiaden, Sohn des Heraklides und der Phänarete, geboren um 460 v. Chr., erhielt seine erste Ausbildung in der ärztlichen Kunst der Asklepiaden durch seinen Vater, genoß später philosophischen Unterricht in Athen, durchwanderte Griechenland, Kleinasien, Skythien, Libyen, überall seine Kunst ausübend, bis er endlich nach Kos zurückkehrte. Er starb 364 (377) zu Larissa in Thessalien. Seinen Namen tragen 52 Schriften, aber als echt gelten nur die über die alte Medizin: über Luft, Wasser und Ortsverhältnisse; Vorhersagung; über Diät in hitzigen Krankheiten; über Epidemien, Buch 1 und 3; über Kopfwunden; über Knochenbrüche; über Gelenkkrankheiten; über ärztliches Gebaren und ärztliche Technik; Aphorismen. H. ist der eigentliche Vertreter der gesamten griechischen Medizin und der Reformator der meisten vor ihm geschaffenen Disziplinen. Seine anatomischen Kenntnisse sind allerdings noch sehr mangelhaft, Leichenuntersuchungen hat er, wie es scheint, nicht vorgenommen, den Sitz der seelischen Thätigkeit verlegte er in das Herz; vom Gehirn heißt es, es sezerniere Schleim, der aus der Nase heraustrete, auch zum Herzen gelangen könne; im Gehirn soll auch der Same bereitet werden, der durch das Rückenmark in die Hoden gelange. Aus den vier Elementarqualitäten der alten Naturphilosophen entwickelte er seine vier Kardinalsäfte: Schleim, Blut, gelbe und schwarze Galle, und die Krankheiten entstehen nach ihm aus den Abnormitäten der Beschaffenheit und Mischungsverhältnissen dieser Säfte. Die Symptome dokumentieren das Bestreben der Natur, die kranken Säfte durch einen Kochprozeß (pepsis) unschädlich zu machen, sie darauf durch die Krise auszustoßen, welche vorzugsweise an gewissen ungleichen Krankheitstagen, den sogen. kritischen Tagen, eintritt. Die Hippokratische Therapie verhält sich infolge dieser Auffassung zu Anfang der Krankheit sehr vorsichtig, abwartend; es gilt, die Vorbereitungen der Natur nicht zu stören. Deshalb wendet er auch im ersten Stadium der Krankheit eine außerordentlich strenge Diät an. Nur da, wo ihn die Notwendigkeit zwingt, unterstützt er die vis medicatrix naturae, und hier sucht er den Indikationen durch seine Hauptmittel: emetica, laxantia und revulsiva, zu genügen. Namentlich sucht H. durch die Revulsion und Derivation zu wirken, d. h. Ableitung der krankmachenden Säfte; dies that er bei Affektionen oberhalb des Zwerchfelles durch den Aderlaß, unterhalb desselben durch Laxantien. Trotz aller Veränderungen der pathogenetischen Anschauungen ist die Hippokratische Therapie bis in unsre Tage hinein aufrecht erhalten worden und ist in ihren Hauptzügen noch gleich kurant und gleich beliebt. In seinem ganzen ärztlichen Verfahren stellte übrigens H. die Diagnostik als Grundlage auf und erklärte die objektiven Symptome für zuverlässiger als die subjektiven. Die Auskultation war ihm schon bekannt, wenn auch nur in den Anfängen, und wir können nicht genug die Feinheit und Überlegenheit der Beobachtungen bewundern und den edlen und schönen Geist, der alle seine Schriften durchweht. Dafür zeugt schon allein der Hippokratische Eid, in welchem der griechische Arzt gelobt, "in Keuschheit und Frömmigkeit sein Leben zu führen und seine Kunst zu bewahren". Ausgaben der Schriften des H. erschienen griechisch Venedig 1526, Basel 1538; mit lateinischer Übersetzung Venedig 1588, von Kühn (Leipz. 1826-27, 3 Bde.), von Ermerius (Utrecht 1859-64, 3 Bde.), von Reinhold (Athen 1864-67, 2 Bde.); in lateinischer Übersetzung von Haller (Laus. 1769-71); in deutscher von Grimm (Altenb. 1781-92, 4 Bde., unvollendet; neue Ausg. von Lilienhain, Glog. 1837-39, 2 Tle.), von Upmann (Berl. 1847); in französischer von Littré (Par. 1839-1861, 10 Bde.).

Hippokratisches Gesicht (Facies Hippocratica), der Gesichtsausdruck des Sterbenden, s. Tod.

Hippokrene (griech., "Roßquelle"), die zum Dichten begeisternde, dem Apollon und den Musen heilige Quelle am Nordabhang des Helikon, beim heutigen Makariotissa, nach der Sage durch den Hufschlag des von Bellerophon gerittenen Pegasos (s. d.) entstanden und noch jetzt mit antiker Einfassung versehen. Ein