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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hirsebrand - Hirtentäschlein.

Verbreitung gefunden. Sie war den Griechen und den Römern seit Julius Cäsar bekannt, und Strabon gibt an, daß sie in Gallien vortrefflich gedeihe und die stärkste Schutzwehr gegen Hungersnot sei. Auch die slawischen Völker lieben die H. sehr. Jetzt wird H. besonders in Schlesien, Mähren, Polen, Böhmen, Ungarn, Innerösterreich, Frankreich gebaut, und in Kärnten bildet sie die tägliche Speise des gemeinen Mannes. Eine andre Art (P. frumentaceum Roxb.) wird in Ostindien häufig kultiviert. Die H. enthält 13,15 Proz. Wasser, 10,91 Proz. eiweißartige Körper, 3,67 Proz. Fett, 56,89 Proz. Stärkemehl und Dextrin, 13,06 Proz. Holzfaser, 2,32 Proz. Asche. Sie ist sehr nahrhaft, jedoch etwas schwerverdaulich und wird besonders zu Grütze und Graupen verarbeitet; auch soll sie, mit gleich viel Weizenmehl vermengt, gutes Brot geben. Sie wird aus den Produktionsländern viel nach Seeplätzen zur Verproviantierung der Schiffe exportiert. Früher gebrauchte man H. in der Medizin als schleimiges Mittel bei Durchfällen und äußerlich zu Umschlägen. Als Mastfutter für Geflügel wird H. in Wasser oder Milch gekocht und ist dann sehr wertvoll. Die Kolbenhirse gehört der Gattung Setaria, die Mohrhirse der Gattung Sorghum an.

Hirsebrand, s. Brandpilze, S. 324.

Hirsegras, Grasgattung, s. Milium.

Hirsemenzel, Pseudonym für Raupach (s. d.).

Hirsesucht, s. Perlsucht des Rindes und Finnenkrankheit der Schweine.

Hirsingen, Dorf und Bezirkshauptort im deutschen Bezirk Oberelsaß, Kreis Altkirch, hat ein Amtsgericht und (1885) 1350 Einw.

Hirson (spr. irssóng), Stadt im franz. Departement Aisne, Arrondissement Vervins, Knotenpunkt der Nordbahn, an der Oise, mit (1881) 4639 Einw., bedeutender Korbwarenindustrie, Schieferbrüchen, Feilen-, Glas- und Ziegelfabrikation. H. ward 1650 durch die Spanier, 1763 durch eine Feuersbrunst verwüstet.

Hirsowa, Stadt in der rumän. Dobrudscha, Distrikt Constanza, an der Donau, mit 4000 Einw. und Ruinen einer Festung; mehrmals Schauplatz von Gefechten zwischen Russen und Türken.

Hirt, 1) Aloys, Archäolog und Kunsthistoriker geb. 27. Juni 1759 zu Behla in der Landschaft Baar (Baden), studierte zu Nancy und seit 1779 in Wien. Seit 1782 hielt er sich in Italien auf. Im J. 1796 nach Deutschland zurückgekehrt, ward er Lehrer des Prinzen Heinrich von Preußen, Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin und der Akademie der Künste, königlicher Rat und bei Gründung der Universität ordentlicher Professor der Archäologie. In den Jahren 1816 und 1817 bereiste er nochmals Italien und hierauf Belgien und Holland. Er hatte wesentlichen Anteil an der Stiftung des Berliner Museums. Er starb 29. Juni 1836. Seine durch die spätern Forschungen wertlos gewordenen Hauptwerke sind: "Die Baukunst nach den Grundsätzen der Alten" (Berl. 1809, mit 50 Kupfertafeln); "Geschichte der Baukunst bei den Alten" (das. 1820-27, 3 Bde. mit 32 Kupfertafeln); "Geschichte der bildenden Künste bei den Alten" (das. 1833).

2) Johann, Bildhauer, geb. 1836 zu Fürth, kam 1855 auf die Akademie in München und erhielt durch Widnmann seine künstlerische Ausbildung. Neben wohlgelungenen Porträtbüsten haben ihm besonders seine Statuetten und seine dekorativen Arbeiten durch hübsche Erfindung, Lebensfrische und Zierlichkeit einen Namen gemacht. Seine Hauptwerke sind: Faust und Gretchen, ein spielender Knabe, der verweigerte Kuß, der Flötenspieler, das Kind mit dem Hunde, das Mädchen mit dem jungen Ziegenbock, Amor Pfeile schmiedend, die Musik, die Spinnerin, Hermann und Dorothea, Aschenbrödel, Lady Macbeth, die Schnitterin, Andromeda, junger David.

Hirtenbriefe (Literae pastorales), Rundschreiben der katholischen Bischöfe an die Geistlichkeit ihres Sprengels über kirchliche oder weltliche Gegenstände. Sie pflegen sich vornehmlich zu verbreiten über die Gottesdienstordnung, über die vorgeschriebenen Andachten, Gebete, Gesänge, Lehr- und Erbauungsbücher, auch wohl über die Stellung der Kirche zum Staat, über kirchenpolitische Tagesfragen u. dgl. Auch protestantische Generalsuperintendenten pflegen bei Antritt ihres Amtes H. zu erlassen, die Bischöfe der anglikanischen Kirche alle drei Jahre.

Hirtenkönige, s. Hyksos.

Hirtenmusik, s. v. w. Pastorale.

Hirtenpfennige, die kleinen, einseitigen, aus ganz geringhaltigem Silber geprägten Hohlmünzen, die im Perlrand einen Baum und ein Horn zeigen. Nach Angabe des Kanzlers v. Ludewig in Halle sollten sie aus einem kupfernen Kessel von einem Hirten gefertigt worden sein, der, als Falschmünzer vor Gericht gezogen, sich damit herausredete, daß er keines münzberechtigten Herrn Wappen gemißbraucht habe. Moser wies jedoch nach, daß die H. Heller der Stadt Buchhorn in Schwaben seien.

Hirtenstab, der lange, am obern Ende gekrümmte und mit Haken und schaufelförmigem Eisen versehene Stab, dessen sich der Hirt zum Zusammenhalten der Herde bedient; dann Symbol der Seelsorger, Bischofsstab, Krummstab; im Mittelalter auch Bezeichnung für die niedere Gerichtsbarkeit der Kirchen und Klöster über Bauerngüter und Leibeigne.

Hirtenstar (Pastor Temm.), Gattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel und der Familie der Stare (Sturnidae), Vögel mit länglich kegelförmigem, seitlich zusammengedrücktem, auf der Firste sanft gewölbtem, vor der schwach herabgebogenen Spitze mit kleinem Ausschnitt versehenem Schnabel, kräftigen Füßen, mittellangen, spitzigen Flügeln, unter deren Schwingen die zweite und dritte die längsten sind, und mittellangem Schwanz. Der Rosenstar (Viehstar, Ackerdrossel, P. roseus Temm.), 21-23 cm lang, 39-42 cm breit, auf dem Kopf mit langem Nackenschopf und am Hals tief schwarz mit purpurnem Schiller, auf Flügeln, Schwanz schwarz, stahlgrün scheinend, übrigens blaß rosenrot, mit rosenrotem Schnabel und rötlichbraunem Fuß, verbreitet sich von den innerasiatischen Steppen bis Südrußland und in die Donautiefländer, Kleinasien, Syrien, die Mongolei und China, geht aber bisweilen im Sommer weit über diese Gebiete hinaus und gelangt dann auch nach Deutschland, Frankreich, Holland, England. Er ähnelt in seiner Lebensweise unserm Star, ist aber viel unruhiger und im Singen viel weniger eifrig. Sein Gesang besteht aus zwitschernden, kreischenden, krächzenden Tönen. Er nährt sich von Insekten und Früchten, namentlich verfolgt er mit größtem Eifer Heuschrecken und erscheint ganz allgemein mit deren Schwärmen; weidendem Vieh liest er gern das Ungeziefer vom Rücken. Dagegen richtet er in Weinbergen, Obstgärten und auf Reisfeldern Verwüstungen an, doch überwiegt sein Nutzen bei weitem. Er brütet gesellig in Baum- und Felslöchern, in Gebäuden, Steinhaufen etc. und legt 5-6 weißgrünliche Eier, welche das Weibchen allein ausbrütet.

Hirtentäschlein, Pflanze, s. Capsella.