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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hödel - Hoeks.

Hödel, Max, geb. 27. Mai 1857 zu Leipzig, Klempnergeselle, versuchte 11. Mai 1878 ein Attentat auf Kaiser Wilhelm, indem er Unter den Linden zwei Revolverschüsse, von denen keiner traf, auf den Kaiser abfeuerte. Sofort ergriffen und 10. Juli 1878 zum Tod verurteilt, wurde er 16. Aug. d. J. in Moabit hingerichtet.

Hodenbruch (Hernia scrotalis), ein Eingeweidebruch (Bruch), bei welchem der Bruchinhalt bis hinab in den Hodensack getreten ist.

Hodensack, s. Hode.

Höder (Hödhr), ein Gott der nordischen Mythologie, Sohn des Odin und der Frigg, ein Ase von außerordentlicher Stärke, aber blind. Getäuscht durch den bösen Loke, erschoß er seinen Bruder Balder mit der Staude Mistiltein; repräsentiert nach einigen die Finsternis (und den Winter) im Gegensatz zum Licht (und dem Sommer), deren Kampf alljährlich sich erneuert. Vgl. Balder.

Hodgson (spr. hoddsch-s'n), John Evan, engl. Maler, geb. 1. März 1831 zu London, verlebte seine Jugendzeit in Rußland, kehrte erst 1853 nach England zurück, wurde Schüler der Akademie in London und stellte schon 1854 sein erstes Bild aus. Mehrere Jahre lang entlehnte er seine Stoffe dem Volksleben oder dem historischen Genre, bis er 1868 eine Reise durch fast ganz Nordafrika machte, die ihn bewog, sich von nun an der Schilderung der dortigen Völker und ihrer Sitten zu widmen, die er in geistreicher, oft humoristischer Weise und kräftigem, harmonischem Kolorit darzustellen weiß. Dahin gehören: ein arabischer Märchenerzähler, die schwarze Wache des Paschas, ein arabischer Patriarch, die Reorganisation der Armee in Marokko, ein Vogelhändler in Tunis, eine Barbierstube in Tunis, die Erwiderung des Salutschusses, die wohlgenährten Bedienten, der Waffenschmied, der arme Scherenschleifer und ein moderner Aktäon.

Hodie mihi, cras tibi, neulat. Sprichwort: Heute mir, morgen dir.

Hodiernus, (lat.), heutig; ab oder de hodierno (die), vom heutigen Tag an.

Hoditz, Albert Joseph, Graf von, durch seinen barocken Kunstsinn bekannt geworden, geb. 16. Mai 1706 zu Roßwalde in Österreichisch-Schlesien, ward in Wien erzogen und nach längern Reisen in Italien Kammerherr Kaiser Karls VI. Seine mit der schon 50jährigen Witwe des Markgrafen Georg Wilhelm von Baireuth, Sophie von Sachsen-Weißenfels, 1734 eingegangene Ehe löste sich bald wieder. 1742 erhielt er von Friedrich d. Gr. das Kommando eines Husarenregiments; doch nahm er schon im folgenden Jahr seine Entlassung und begab sich auf sein Gut Roßwalde in Schlesien, das er zu einem Feensitz umzuschaffen unternahm. Der große Park des Schlosses ward mit Gebäuden, Tempeln, Bosketten, Statuen, Wasserkünsten etc. geschmückt, größtenteils Werken der von ihm aus seinen Untergebenen herangebildeten dilettantischen Künstler; selbst seine Schauspieler, Tänzerinnen, Sänger etc. waren fast sämtlich aus Roßwalde hervorgegangen. Seine phantastischen Schöpfungen erregten großes Aufsehen, und selbst Friedrich d. Gr. besuchte ihn 1765 und 1770 in Roßwalde und bezeigte H. sein Wohlgefallen durch eine poetische Epistel und ein bedeutendes Geschenk. Nachdem H. sein Vermögen von 5 Millionen verschwendet hatte, lebte er seit 1776 in Potsdam von einer königlichen Pension, bis er 18. März 1778 als der letzte seines Geschlechts starb. Die Anlagen in Roßwalde sind seitdem verschwunden. Auf Friedrichs d. Gr. Befehl wurde ein Teil der Jägerstraße in Potsdam, wo H. gewohnt hatte, Hoditzstraße genannt; sein schönes Palais war Nr. 9. Seine Korrespondenz mit Friedrich II. ist zum größten Teil in dessen "OEuvres ^[Œuvres]" abgedruckt.

Hódmezö-Vásárhely (spr. hodmesö-waschar-), Stadt im ungar. Komitat Csongrád, an der Eisenbahnlinie Szegedin-Großwardein, mit (1881) 52,424 ungar. Einwohnern, großen Viehmärkten (die schönsten Rinder und Pferde im Alföld), lebhafter Industrie, Bezirksgericht und reform. Obergymnasium. H. hat den Namen vom Biber (hód), der einst hier sehr verbreitet war.

Hodometer (griech.), s. Schrittzähler und Wegmesser.

Hoecke (spr. huke), 1) Jan van den, niederländ. Maler, geb. 1611 zu Antwerpen, war anfangs Schüler seines Vaters Kaspar van den H., dann von Rubens, in dessen Werkstatt er einige Zeit arbeitete. 1635 war er an den Dekorationen zum Einzug des Erzherzogs Ferdinand in Antwerpen beschäftigt. Kurz darauf (um 1637) ging er nach Italien und war dann zehn Jahre lang in Österreich für den Kaiser thätig. 1647 kehrte er nach Antwerpen zurück, wurde Hofmaler des Erzherzogs Leopold Wilhelm, für den er zahlreiche religiöse und biblische Gemälde sowie Porträte ausführte, und starb 1651 daselbst. In seinen Bildnissen schließt er sich mehr an van Dyck als an Rubens an. Er malte auch Altarbilder für flandrische Kirchen. Aus der Sammlung des Erzherzogs Leopold Wilhelm sind außer zwei Porträten desselben eine Madonna mit dem Kind, eine Allegorie der Vergänglichkeit, die Allegorien von sechs Monaten und von Tag und Nacht in das Wiener Belvedere gekommen. Das Museum zu Antwerpen besitzt einen heil. Franziskus vor der Madonna mit dem Kind.

2) Robert van den, niederländ. Maler, Bruder des vorigen, geb. 30. Nov. 1622 zu Antwerpen, war Schüler seines Vaters und wurde 1645 in die Lukasgilde zu Antwerpen aufgenommen. Er war auch als Architekt thätig, da er vom König von Spanien zum Oberaufseher der Befestigungen in Flandern ernannt wurde. Er malte Städteansichten, Volksfeste, Schlachten, Lager- und Marschszenen, welche äußerst zahlreiche, fein ausgeführte Figuren enthalten. Eine Anzahl solcher Bilder (die Stadt Ostende, Feldlager, Schlittschuhlaufen in Brüssel, nächtliche Feuersbrunst) besitzt das Belvedere zu Wien. Auch hat er 22 Blätter nach seinen Bildern radiert. Er starb nach 1665.

Hoefnagel (Hufnagel), Jooris (Georg), niederländ. Miniaturmaler, geb. 1545 zu Antwerpen, anfangs Schüler von J. Bol, bildete sich in Italien und hielt sich sodann in Frankreich, Spanien und endlich lange am Hof der bayrischen Herzöge Albert und Wilhelm auf, für welche er mehreres arbeitete. Für den Kaiser Rudolf II. lieferte er ein Werk, welches in vier kleinen Quartbänden auf 227 Blättern mehr als 1300 Stücke aus den drei Reichen der Natur in Miniatur enthält, die sich durch Naturtreue und Farbenreiz auszeichnen. Noch prachtvoller ist das für den Erzherzog Ferdinand gemalte "Missale romanum" (in der Hofbibliothek zu Wien), womit er acht Jahre lang beschäftigt war. Ein Meisterwerk ist auch die Miniatur einer Ansicht von Sevilla mit reicher Umrahmung in der königlichen Bibliothek zu Brüssel. Auch für Brauns "Städteansichten" zeichnete er. Er starb um 1618 in Wien.

Hoeks (spr. huhks, "Angelhaken"), Name der Anhänger der Gräfin Margarete von Hennegau in