Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hofacker; Hofagent; Hofburg; Hofchargen; Hofdiener; Hofdienste; Höfe; Hofeinspanier; Höfel; Hofer

607

Hofacker - Hofer.

durchgeführt. 1792 kam es an Preußen, 1806 an Frankreich, und 1810 ward es Bayern einverleibt. Ein großer Brand legte die Stadt 4. Sept. 1823 größtenteils in Asche. Tuchmanufaktur und Schönfärberei blühten bereits im 15. Jahrh.; dazu trat im 16. Jahrh. die Fabrikation von Schleiern und im 18. die der bunten Kattune und Zitze. In neuester Zeit ist H. ein wichtiger Fabrikort geworden. Vgl. Ernst, Geschichte und Beschreibung des Bezirks und der Stadt H. (Hof 1866); Tillmann, Heimatskunde (das. 1877); Derselbe, Die Stadt H. und ihre Umgebungen (das. 1886). - 2) Stadt in der mähr. Bezirkshauptmannschaft Sternberg, in einem Gebirgsthal der Sudeten, hat ein Bezirksgericht, Leinweberei, Schieferbrüche und (1880) 2925 Einw. Der Ort wurde schon 980 durch deutsche Handelsleute gegründet.

Hofacker, Ludwig, schwäb. Theolog, geb. 15. April 1798 zu Wildbad, gest. 18. Nov. 1828 als Pfarrer in Rielingshausen, hat in ungemein viel gelesenen Predigten (1827) auf Verbreitung einer ernst pietistischen, den Sühnetod Jesu zum Mittelpunkt machenden Gläubigkeit hingewirkt. In derselben Richtung war sein Bruder Wilhelm H. (geb. 16. Febr. 1805 zu Gärtringen, gest. 10. Aug. 1848 als Diakonus in Stuttgart) thätig. Vgl. A. Knapp, Ludwig H. (5. Aufl., Heidelb. 1883); L. Hofacker, Wilhelm H. (Stuttg. 1872). - Von Ludwig H. zu unterscheiden ist der gleichnamige Prokurator, welcher seit 1832 in Gemeinschaft mit dem Bibliothekar Immanuel Tafel in Tübingen für die "neue Kirche" Swedenborgs wirkte.

Hofagent (Hoffaktor), ein Hofbeamter, der die Einkäufe von Waren und andern Utensilien für die Hofhaltung zu besorgen hat; oft ein bloßer Titel.

Hofburg (auch bloß Burg), Name des kaiserlichen Residenzschlosses zu Wien; daher Hofburgtheater (Burgtheater), das altberühmte Hofschauspielhaus daselbst.

Hofchargen, s. v. w. Hofämter, s. Hof, S. 605.

Hofdiener, s. Hof, S. 605; früher auch s. v. w. Fronbauer des Hofs.

Hofdienste, s. v. w. Fronen.

Höfe, ein Bezirk des schweizer. Kantons Schwyz, am Zürichsee gelegen, umfaßt die Gemeinden Feusisberg, Freienbach und Wollerau, die aus einstigen Höfen zu ansehnlichen Ortschaften angewachsen sind. Die 764 kath. Einwohner treiben Obst- und Weinbau. Die aussichtsreiche Höhe von Feusisberg (684 m) ist Touristenziel und klimatischer Kurort geworden, und seit 1875 ist die linksuferige Zürichseebahn (Zürich-Wädensweil-Lachen-Glarus) in Betrieb, während sich im W. des Bezirks die Bahn Wädensweil-Einsiedeln hinzieht. Hauptort ist Wollerau mit 1458 Einw.

Hofeinspanier, Vorreiter bei feierlichen Aufzügen des Wiener Hofs. Der Ausdruck kommt von "Einspänner", d. h. nach Gustav Freytag ("Bilder aus deutscher Vergangenheit") "ein berittener Söldner, welcher keinen reisigen Knaben hatte". Die Einspänner verrichteten im Frieden Dienste der Gendarmen.

Höfel, Blasius, Maler, Kupferstecher und Formschneider, geb. 27. Mai 1792 zu Wien, war Zögling der Wiener Akademie, sodann Quirin Marks, bei dem er die Strichmanier mit dem Stichel und die Punktiertechnik erlernte. Er erwarb sich einen Namen durch das Bild der Kaiserin Maria Theresia. Im J. 1820 wurde er Professor des freien Handzeichnens an der Neustädter Militärakademie und später Mitglied der Akademie der Künste in Wien. H. hat sich besonders um die Kunst des Formschnitts verdient gemacht; auch die Technik des Holzschnitts bereicherte er mit zahlreichen Versuchen, sogar in Elfenbein. Zur Herstellung der Holzschnitte in Bäuerles "Theaterzeitung" gründete er eine Schule dieser Kunst, aus der mehrere geschickte Künstler hervorgegangen sind. H. starb 17. Sept. 1863 in Salzburg.

Hofer, 1) Andreas, der heldenmütige Führer der Tiroler im Volkskampf von 1809, geb. 22. Nov. 1767 im Gasthaus "Am Sand" bei St. Leonhard im Passeierthal. Hier hatten seine von Magfeld, Gemeinde Platt, herstammenden Vorfahren seit dem Anfang des 17. Jahrh. als "Sandwirte" gewohnt, und auch H. übernahm, im väterlichen Haus ohne sonderliche Erziehung zum kräftigen Mann herangewachsen, die Wirtschaft. Daneben trieb er, der "Anderle", wie er gemeinhin genannt wurde, mit Wein und Pferden Handel nach Italien, vermochte aber trotzdem nicht die unter seinem Vater tief verschuldete Wirtschaft zu heben. Er war von untersetzter Gestalt, breiter Brust und vollen roten Wangen und trug einen schwarzen, breit und dicht auf die Brust herabfallenden Bart. Er war nicht unbegabt, aber unklar, leicht vertrauend und leicht argwöhnisch, mutig, aber nicht löwenkühn, dem Kaiser treu und seiner Kirche schwärmerisch zugethan. 1790 machte er den stürmischen Landtag zu Innsbruck als Abgeordneter des Thals Passeier mit. Im Krieg von 1796 ward er als Führer einer Schützenkompanie bekannt und populär, und 1808 begab er sich mit einigen Landsleuten nach Wien, wo ihnen vom Erzherzog Johann der vom Freiherrn v. Hormayr ausgearbeitete Plan zur Insurrektion Tirols vorgelegt wurde. H. und seine Vertrauten machten den Plan in ganz Tirol durch mündliche Mitteilung bekannt. Am 8. April 1809 erließ H. in seinem Thal den Aufruf zum Aufstand und griff 11. April bei Sterzing mit dem Landsturm der Gerichte Sarentheim und Passeier die auf dem Rückzug befindlichen Bayern an, von welchen sich ein Teil am 13. kriegsgefangen ergeben mußte. Am 14. zogen die österreichischen Truppen, umgeben von den Scharen der Landesverteidiger, in der alten Landeshauptstadt wieder ein. Aber nach dem unglücklichen Feldzug der Österreicher in Bayern und bei Napoleons raschem Vordringen gegen Wien fiel Tirol sofort wieder in die Gewalt Lefebvres und Wredes. Da lieferte H. am Berg Isel 25. und 29. Mai den Bayern zwei Treffen, durch welche die letztern genötigt wurden, Tirol abermals zu räumen. Innsbruck ward am 30. Mai wiedergewonnen und H., der gerade, weil er ein Mann aus dem Volk war, von den Bauern zum Führer erhoben wurde, bei dem Einzug mit stürmischem Jubel begrüßt. Da nun Tirol wieder befreit war, kehrte H. in seine Heimat zurück. Als nach der Schlacht bei Wagram 12. Juli zu Znaim ein Waffenstillstand zwischen Napoleon und Österreich geschlossen ward, kraft dessen Tirol und Vorarlberg von Österreich preisgegeben wurden, und nun von drei Seiten zugleich gegen 40,000 Franzosen, Bayern und Sachsen in Tirol einrückten, ließ H. in allen Thälern das Aufgebot zum Schutz des Vaterlandes und der heiligen Religion verkündigen. Nur vorübergehend ward er durch die Erfolge der Feinde und seine Ächtung eingeschüchtert und begab sich nach Passeier. Am 7. Aug. zog er mit ein paar Tausend Bewaffneten aus Passeier, Meran und Algund über den Jaufen und stieß zu seinem Freund Speckbacher. Ihr wiederum am Berg Isel 13. Aug. erfochtener Sieg zwang Lefebvre zur Flucht aus dem Land. Zwei Tage nachher (15. Aug.) war Innsbruck, des Landes alte Hauptstadt, wieder vom Feind befreit, und H. zog mit sei-^[folgende Seite]