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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Höfler; Höflichkeit; Hofmann

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Höfler - Hofmann.

Höfler, Karl Adolf Konstantin, Ritter von, Geschichtsforscher, geb. 26. März 1811 zu Memmingen, studierte in München erst die Rechte, dann Philosophie und Geschichte und machte, durch Staatsstipendien unterstützt, in Göttingen, Florenz und Rom geschichtliche Quellenstudien. 1836 nach München zurückgekehrt, übernahm er auf den Wunsch des Königs die Redaktion der offiziellen "Münchener Zeitung", habilitierte sich 1838 als Privatdozent an der Universität, ward 1839 außerordentlicher, 1841 ordentlicher Professor und 1842 Mitglied der Münchener Akademie. Die 1846 in Bayern entstandenen politischen Zerwürfnisse veranlaßten H. zu der geschichtlichen Denkschrift "Konkordat und Konstitutionseid der Katholiken in Bayern" (Münch. 1847). Wegen seiner Beteiligung an der Agitation gegen Lola Montez 26. März 1847 pensioniert, ward er im Juni d. J. als Archivar in Bamberg reaktiviert. 1851 erhielt H. indes einen Ruf als Professor der Geschichte nach Prag, wo er seitdem an der Reform der Universität wesentlichen Anteil nahm und ein historisches Seminar begründete. Nach seiner religiösen Stellung entschiedener Katholik, vertrat H. in dem nationalen Kampf zwischen den Deutschen und dem Tschechentum mit voller Energie die deutschen Interessen. 1872 wurde er als lebenslängliches Mitglied in das österreichische Herrenhaus berufen. Seine schriftstellerische Wirksamkeit ist eine außerordentlich vielseitige gewesen, und er hat namentlich wiederholt sehr glückliche archivalische Funde gemacht. Ein großer Teil derselben ist in den "Denkschriften der k. k. Akademie der Wissenschaften", andres in den "Fontes rerum austriacarum" veröffentlicht. Wir erwähnen außerdem von ihm: "Die deutschen Päpste" (Regensb. 1839, 2 Bde.); "Kaiser Friedrich II." (Münch. 1844); "Albert von Beham und Regesten Papst Innocenz' IV." (Stuttg. 1847, Publikation des Litterarischen Vereins); "Quellensammlung für fränkische Geschichte" (Bair. 1849-52, Bd. 1-4); "Bayern, sein Recht und seine Geschichte" (Regensb. 1850); "Über die politische Reformbewegung in Deutschland im 15. Jahrhundert und den Anteil Bayerns an derselben" (Münch. 1850); "Lehrbuch der allgemeinen Geschichte" (Regensb. 1850-56, 3 Bde.); "Fränkische Studien" (Wien 1852-53); "Die Geschichtschreiber der hussitischen Bewegung" (das. 1856-65, 2 Bde.); "Böhmische Studien" (das. 1854); "Ruprecht von der Pfalz" (Freiburg 1861); "Magister Joh. Huß und der Abzug der deutschen Professoren und Studenten aus Prag" (Prag 1864); "Barbara, Markgräfin von Brandenburg, verwitwete Herzogin in Schlesien etc." (das. 1867); "Die Zeit der luxemburgischen Kaiser" (Wien 1867); "Der Aufstand der kastilianischen Städte gegen Kaiser Karl V." (Prag 1876); "Der deutsche Kaiser und der letzte deutsche Papst: Karl V. und Adrian VI." (Wien 1876); "Zur Kritik und Quellenkunde der ersten Regierungsjahre Karls V." (das. 1876-83, 3 Tle.); "Die romanische Welt und ihr Verhältnis zu den Reformideen des Mittelalters" (das. 1878); "Abhandlungen aus dem Gebiet der slawischen Geschichte" (das. 1879-83, 5 Tle.); "Papst Adrian VI." (das. 1880); "Don Antonio de Acuna, genannt der Luther Spaniens" (das. 1882); "Donna Juana, Königin von Leon, Kastilien und Granada" (das. 1885) u. a. In den Publikationen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen veröffentlichte er mehrere wertvolle Beiträge.

Höflichkeit, s. Bescheidenheit.

Hofmann, 1) August Konrad, Freiherr von, hess. Staatsmann, geb. 28. April 1776 zu Nidda in Oberhessen von bürgerlichen Eltern, studierte zu Erlangen und Gießen die Rechte, wurde 1803 Hofkammerrat und Kammeranwalt, 1813 Mitglied der Regierungskommission, 1816 der Generalkommission zur Besitznahme und Verwaltung Rheinhessens und Oberappellationsgerichtsrat, 1820 Geheimer Staatsrat im Departement der Finanzen und 1827 geadelt. Nach Grolmanns Tod (1829) wurde er Präsident des Finanzministeriums mit dem Charakter eines Wirklichen Geheimen Rats, Präsident des Staatsrats und im Dezember 1837 Finanzminister. 1824 brachte er den Abschluß des Zollvertrags mit Baden und 1828 die Übereinkunft mit Preußen zu stande. Sehr thätig war er bei Einrichtung des Abgabensystems und des Finanzwesens überhaupt, bei Herabsetzung des Zinsfußes der Staatsschuld und bei der Ordnung des ganzen Staatsschuldenwesens. Gerechten Widerspruch fand er auf dem Landtag von 1838 auf 1839, wo er das Recht der Stände, nicht bewilligte Ausgaben zu prüfen und unter Umständen zu streichen, lebhaft bestritt. Überhaupt ließ sich H. als Staatsmann zu sehr von höherm Einfluß leiten. Er starb 9. Aug. 1841. Seine "Beiträge zur nähern Kenntnis der Gesetzgebung und Verwaltung des Großherzogtums Hessen" (Gießen 1832) wurden in dem "Freimütigen Handschreiben an H." (Offenb. 1832) von Hundeshagen kräftig erwidert.

2) Johann Christ. Konrad von, hervorragender Theolog und Historiker, geb. 21. Dez. 1810 zu Nürnberg, wurde 1833 Lehrer am Gymnasium in Erlangen, 1838 Privatdozent und 1841 außerordentlicher Professor an der Universität daselbst. 1842 als Professor der Theologie nach Rostock berufen, kehrte er 1845 zur Übernahme einer ordentlichen Professur nach Erlangen zurück und ward 1857 geadelt. In den für Deutschlands Geschicke kritischen Jahren war er Mitglied der bayrischen Zweiten Kammer; während er sich hier der nationalen Fortschrittspartei anschloß, vertrat er auf dem theologischen und kirchlichen Gebiet ein exklusives Luthertum, jedoch nicht, ohne selbst Anlaß zum Verdacht der Heterodoxie zu bieten. Seine bedeutendsten Schriften sind: "Weissagung und Erfüllung" (Nördling. 1841-44, 2 Bde.); "Der Schriftbeweis" (das. 1852-56; 2. Aufl. 1857-1860, 2 Tle.); "Die Heilige Schrift des Neuen Testaments, zusammenhängend untersucht" (das. 1862-1886, 11 Bde.; 2. Aufl., Bd. 1, 1869; Bd. 2, 1872-1877). Seit 1846 Mitredakteur der "Zeitschrift für Protestantismus und Kirche", starb er 20. Dez. 1877 in Erlangen. H. gehört zu den wenigen Theologen unsers Jahrhunderts, die eine zahlreiche Schule hinterlassen haben. Aus seinem Nachlaß erschienen "Vermischte Aufsätze" (eine Auswahl aus der genannten Zeitschrift, Erlang. 1878), die Vorlesungen über "Theologische Ethik" (Nördling. 1878), "Encyklopädie der Theologie" (das. 1879) und "Biblische Hermeneutik" (das. 1880).

3) Friedrich, Dichter und Schriftsteller, geb. 18. April 1813 zu Koburg, studierte in Jena und siedelte 1841 nach Hildburghausen über, wo er 14 Jahre lang an der Redaktion von J. Meyers "Großem Konversationslexikon" beteiligt war. In diese Zeit fiel die H.-Meyersche Stiftung des "Weihnachtsbaums", einer von H. alljährlich veranstalteten Sammlung von Beiträgen lebender deutscher Dichter, einer Art deutschen Musenalmanachs. Komitees an vielen Orten besorgten den Verkauf und veranstalteten mit dem Erlös Christbescherungen für arme Kinder. Während der 25 Jahre seines Bestehens (bis 1866) hat der "Weihnachtsbaum" über 100,000 Kinder beschenkt