Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hofmark; Hofmarschall; Hofmeister; Hofmetzgerei; Hofmusikgraf; Hofnarren

622

Hofmark - Hofnarren.

Fremonville die Niederlande, England, Frankreich und Italien und erhielt nach seiner Rückkehr, noch ohne das erforderliche Alter erreicht zu haben, eine Ratsherrnstelle in seiner Vaterstadt. Mehrere Reisen nach Wien in städtischen Angelegenheiten veranlaßten seine Ernennung zum kaiserlichen Rat. Er starb als Präsident des Ratskollegiums 18. April 1679 in Breslau. H., der sich persönlich großer Geschäftsgewandtheit und eines unbescholtenen Lebenswandels rühmte, übte als Dichter den verhängnisvollsten Einfluß, indem er den Schwulst, den Antithesen- und Bilderwust des italienischen Marinismus in die deutsche Poesie einführte. Seine übersüße Zierlichkeit, seine an das Lächerliche und Possenhafte streifende falsche Erhabenheit wurden von den Zeitgenossen kritiklos bewundert; er war der erste in Deutschland, der einen sinnlisch^[richtig: sinnlich]-lüsternen Ton absichtlich und mit vollster Kälte anstimmte und bis zum Ekel fortsang. Dies erweisen besonders seine "Galanten Gelegenheitsgedichte" und seine zum Teil Marini nachgebildeten "Heroiden", welche unter dem Titel: "Kuriose Heldenbriefe und andre herrliche Gedichte" (Bresl. 1673 u. öfter) erschienen. Er schrieb auch einen "Sterbenden Sokrates" in Prosa mit untermischten Versen und übersetzte Guarinis "Getreuen Schäfer". Eine vollständige Gesamtausgabe seiner Werke, worin aber auch Gedichte von Lohenstein, Besser u. a. enthalten sind, besorgte B. Neukirch (Leipz. 1695-1727, 7 Bde.; neue Aufl. 1734). Eine Auswahl erschien in der "Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrhunderts", Bd. 14 (Leipz. 1838), und, von Bobertag besorgt, in Kürschners "Deutscher Nationallitteratur" (Bd. 36: "Zweite schlesische Dichterschule", Stuttg. 1885).

Hofmark, s. Mark (Grenzland).

Hofmarschall, derjenige Hofbeamte, welchem die Verwaltung der fürstlichen Ökonomie obliegt, und welchem regelmäßig ein Hofmarschallamt oder Hofamt unterstellt ist. Bei größern Hofhaltungen steht ein Oberhofmarschall an der Spitze des Hauswesens, und verschiedene Hofmarschälle teilen sich in die Verwaltung; auch kommt wohl noch ein besonderer Hausmarschall hinzu. Bei kleinern Hofhaltungen hat der H. auch das Zeremonialwesen mit zu besorgen (s. Hof, S. 606).

Hofmeister (lat. Magister, Praefectus curiae), im Mittelalter einer der ersten Hofbeamten der deutschen Kaiser und Könige. Seine Amtsfunktion bestand zunächst in der Leitung der königlichen Hauswirtschaft und im Dienen um die private Person des Monarchen. Derartige Beamte kamen auch an andern Fürstenhöfen und auch bei kleinern Dynasten vor. Das Hofmeisteramt gewann im 15. Jahrh. nach und nach die Bedeutung eines Staatsamtes, und der H. entfaltete schließlich an den deutschen Fürstenhöfen nahezu die Wirksamkeit eines Haus- und Kabinettsministers. Die ältesten H. in Deutschland waren klösterliche Wirtschaftsbeamte, welche als Adlaten der Äbte die weltliche Geschäftsführung besorgten. Noch jetzt wird in manchen Gegenden der Verwalter eines größern Gutes H. genannt; außerdem ist die Bezeichnung für Hauslehrer (s. d.) üblich. Vgl. Seeliger, Das deutsche Hofmeisteramt (Innsbr. 1885).

Hofmeister, Wilhelm, Botaniker, geb. 18. Mai 1824 zu Leipzig, ward Musikalienhändler, beschäftigte sich aber in seinen Nebenstunden eifrig mit Naturwissenschaften, besonders mit physiologischer Botanik, und wurde 1863 als Professor der Botanik nach Heidelberg, 1872 nach Tübingen berufen. Er starb 12. Jan. 1877 in Lindenau bei Leipzig. In seiner ersten Arbeit: "Über den Vorgang der geschlechtlichen Befruchtung der Phanerogamen" (1847), legte er, entgegen den unrichtigen Behauptungen Schleidens und Schachts, dar, daß schon vor der Befruchtung die erste Zelle des neuen Organismus in dem Eichen in Gestalt des Keimbläschens vorhanden sei, und daß diese Zelle durch den in das Eichen eindringenden Pollenschlauch nur zur Weiterentwickelung angeregt werde. Den nämlichen Gegenstand behandelte er eingehender in "Die Entstehung des Embryos der Phanerogamen" (Leipz. 1849). Seine "Vergleichenden Untersuchungen höherer Kryptogamen und der Koniferen" (Leipz. 1851) haben wesentlich die Grundlage unsrer jetzigen Kenntnisse von der Entwickelungsgeschichte dieser Klassen des Pflanzenreichs gegeben. Namentlich lieferte er ein klares Bild des verwandtschaftlichen genetischen Zusammenhanges der Kryptogamen und Phanerogamen. Was Häckel erst nach Darwins Auftreten die phylogenetische Methode nannte, hatte H. lange vorher in seinen vergleichenden Untersuchungen thatsächlich und mit großartigem Erfolg durchgeführt. Ferner sind hervorzuheben seine Untersuchungen über das Saftsteigen in den Pflanzen, über Bewegungserscheinungen und Richtungsänderungen von Pflanzenteilen, über die Gewebespannung, über die Wachstumsgesetze der Stämme und Blätter der höhern Kryptogamen mittels gesetzmäßig sich teilender Scheitelzellen, über die Blattstellung und über die Entwickelungsgeschichte der Blüten. Seit 1865 gab H. mit de Bary, Irmisch und Sachs ein "Handbuch der physiologischen Botanik" heraus, zu welchem er selbst als ersten Band die "Lehre von der Pflanzenzelle" und die "Allgemeine Morphologie der Gewächse" (Leipz. 1867-68) schrieb.

Hofmetzgerei (Güterschlächterei), Bezeichnung für die aus Eigennutz gewerbsmäßig betriebene Dismembration (Zerschlagung) von Bauerngütern. Vgl. Dismembration.

Hofmusikgraf heißt in Österreich derjenige (gewöhnlich ein Kammerherr), dem die Oberleitung der Hofkapelle übertragen ist.

Hofnarren, an den Höfen der Fürsten bis zu der Zeit, wo die modern-französische Etikette zur Herrschaft gelangte, gewisse Personen, welche zur Unterhaltung und Ergötzung der Herrschaften bestimmt waren, sie mochten nun vermöge ihres angebornen Talents den Hof zum Stichblatt ihrer Witze machen oder diesem ihrer Dummheit oder Pedanterie wegen als Zielscheibe des Spottes dienen. Schon bei den Festen und Schmausereien der Alten waren Lustigmacher unentbehrlich, wie wir aus Xenophons "Gastmahl" sehen, und an den Gattungen der Parasiten (Schmarotzer), witzigen Spottvögel (scurrae) und zwerghaften, buckligen oder sonst mißgestalteten Dummköpfe (moriones) scheint weder bei den Griechen noch bei den Römern Mangel gewesen zu sein. Die eigentlichen H. jedoch, wie sie an den Fürstenhöfen seit dem 15. Jahrh. zur Vollständigkeit des Hofstaats gehörten, kommen zuerst nach den Kreuzzügen vor. Während aber z. B. die H. an dem französischen Hof, unter denen sich namentlich Bruisquet und Angeli Berühmtheit erworben haben, feine Hofleute waren und sich als geistreiche Erzähler wie überhaupt durch bedeutendes Unterhaltungstalent auszeichneten, treten uns in den H. an den deutschen Höfen ganz andre Naturen entgegen. Die großen Herren in Deutschland hatten in ihrer Nähe am liebsten lustige Leute, um sich nach ernsten Geschäften an den Späßen derselben zu ergötzen; doch sehen wir hier und da mit dem Scherz auch den Ernst gepaart, und der "lustige Rat" wurde zu einem förmlichen, oft sehr