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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hofspeise; Hofsystem; Hoftrauer; Hofwyl; Höganäs; Hogarland; Hogarth

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Hofspeise - Hogarth.

fach schriftlich aufgezeichnet und aufbewahrt, so daß sie die wichtigste Erkenntnisquelle des ehemaligen Hofrechts bilden. Nicht zu verwechseln mit H. ist das Höferecht (s. d.), d. h. das bäuerliche Grund- und Anerbenrecht. Vgl. Jakob Grimm, Weistümer (Götting. 1840-63, Bd. 1-4; Bd. 5-7 von Schröder, 1866-78); Zöpfl, Altertümer des deutschen Reichs und Rechts (Leipz. 1859-61, 3 Bde.).

Hofspeise, s. v. w. Mußteil.

Hofsystem nennt man die Ansiedelung in isolierten Hofgütern, bei welchen alle Grundstücke desselben Eigentümers ein um das Gehöft liegendes, räumlich geschlossenes Ganze bilden (Hofschluß). Den Gegensatz zu demselben bildet das Dorfsystem, bei welchem die Eigentümer aller Güter einer Gemarkung in zusammenhängenden Ortschaften wohnen, von wo aus sie ihr in der Gemarkung mehr oder weniger zerstreut liegendes Gelände bewirtschaften. Das H. bietet große Vorteile für die Bewirtschaftung. Es gestattet dem Eigentümer vollfreie Verfügung über die Ausnutzung des Bodens, erleichtert Wege- und Wasserregulierung, während bei dem Dorfsystem, zumal wenn der Grundbesitz sehr zersplittert ist, der Flurzwang (s. d. und Flurregelung) nicht zu vermeiden ist, viele Verluste durch Wegeanlagen, Begrenzung der Grundstücke etc., dann auch Zeitverluste durch Hin- und Herlauferei u. dgl. entstehen. Dies hat auch früher Veranlassung gegeben, den Übergang vom Dorfsystem zum H. (Vereinödung) zu fördern. Bei dem Abbau gehen die bereits vorhandenen Gebäude verloren, dann hat das H. auch schwerwiegende Schattenseiten, das Dorfsystem wichtige Vorzüge vor jenem. Bei dem H. ist es kleinen Leuten (Tagelöhnern) schwer oder unmöglich, Grundeigentum zu erwerben. Dann werden viele Anstalten für Sicherheit, Verkehr, Bildung, religiöse Erbauung, Gesundheitspflege etc., welche eine Gemeinsamkeit vieler erfordern, bei dem H. zu teuer oder undurchführbar. Endlich kann vielen Nachteilen des Dorfsystems durch zweckmäßige Arrondierung und Zusammenlegung kleiner Parzellen je eines Eigentümers in den verschiedenen Gewannen einer Gemarkung abgeholfen werden. Bei intensiver Wirtschaft, welche kleine Besitzungen ermöglicht, ist naturgemäß das Dorfsystem mit seinem die Kultur fördernden Zusammenwohnen (Bauern, auch Gewerbtreibende, Lehrer, Arzt etc.) am Platz. Extensivere Wirtschaft bedingt kleinere Dörfer, mit ihr treten mehr die Vorteile des Hofsystems in den Vordergrund. Das H. findet sich in Deutschland besonders in Westfalen vor, im übrigen kommen in vielen Gegenden geschlossene Höfe neben Dörfern vor (Schwarzwald, Alpen, Rhön etc.).

Hoftrauer, s. Trauer.

Hofwyl (früher Wylhof), Landgut nebst Schloß im schweizer. Kanton Bern, 8 km von der Stadt Bern (Gemeinde Münchenbuchsee), berühmt durch Fellenbergs (s. d.) Lehranstalten, die, zu Anfang des 19. Jahrh. gegründet und späterhin immer mehr erweitert, in den 20er und 30er Jahren eines europäischen Rufs genossen, aber 1848, wenige Jahre nach dem Tode des Gründers, zum größern Teil eingingen.

Höganäs, Gemeinde im schwed. Län Malmöhus, am Sund und durch Zweigbahn mit der Linie Engelholm-Landskrona verbunden, mit kleinem Hafen, bedeutenden Steinkohlengruben und (1880) 2585 Einw.

Hogarland, s. Ahaggar.

Hogarth (spr. hoh-), William, engl. Zeichner, Maler und Kupferstecher, geb. 10. Nov. 1697 zu London, kam zu einem Goldschmied, Elias Gamble, in die Lehre, bei dem er sich vorzugsweise damit beschäftigte, Wappen, Namenszüge, Halbfiguren und Arabesken auf goldene und silberne Gefäße zu gravieren. Zugleich besuchte er eine Zeichenakademie, forschte aber bald auf den Straßen und in den Kneipen nach Originalen für seinen satirischen Stift. Um seinen Unterhalt zu erwerben, stach er dabei Etiketten, Wappen und andre Gegenstände und kam dadurch bald mit Buchhändlern in Verbindung. So stach er 13 Blätter zu Aubry de la Motrayes "Travels through Europe etc." (Lond. 1723), 12 dergleichen für Butlers "Hudibras" und mehrere für den "Don Quijote". Hierauf versuchte er sich im Porträtieren und verschaffte sich auch darin, namentlich durch sein Talent, zu treffen und Familienbilder gut zu gruppieren, viele Kundschaft. Um diese Zeit wurde er von seiner Wirtin wegen einer Schuld in das Gefängnis gebracht; aus Rache stellte er diese Frau in einer karikierten Zeichnung dar. Der gewonnene Beifall veranlaßte ihn zu einer ähnlichen Darstellung, welche auf die Schwärmerin Maria Tofts Bezug hatte (1726). Von dieser Zeit an reifte in ihm der Entschluß, die Thorheiten und Gebrechen der Menschen in zusammenhängenden Bilderreihen darzustellen und zu geißeln. Alle unter seiner Hand hervorgegangenen Arbeiten dieser Art sind ein lebendiges zusammenhängendes Sittengemälde, ein Spiegel der menschlichen Leidenschaften in geistreicher und witziger Auffassung, die aber keinen höhern künstlerischen Wert besitzt. Am bedeutendsten sind seine cyklischen Sittenbilder, die, meist in Öl gemalt und in Kupferstich reproduziert politische und gesellschaftliche Krebsschäden seiner Zeit, mit der absichtlichen, auch in der künstlerischen Darstellung sich äußernden Übertreibung des Satirikers, an den Pranger stellten. Als Hogarths berühmteste Werke dieser Art gelten: The harlot's progress (das Leben einer Buhlerin), 6 Blätter; The rake's progress (das Leben eines Liederlichen), in 8 Blättern; Southwark fair (der Jahrmarkt in Southwark); A modern midnight conversation (die Punschgesellschaft); The distressed poet (der unglückliche Dichter) und Strolling actresses in a barn (die Komödiantinnen in der Scheune). Nicht zufrieden mit der Höhe, welche er in dieser Richtung erreicht hatte, wollte H. auch einen ebenso hohen Rang unter den Historienmalern einnehmen; aber die Satire war ihm so sehr zur Gewohnheit geworden, daß er seiner Neigung, zu karikieren, wider seinen Willen in seinen ernsthaften Kompositionen freien Lauf ließ, wie dies seine Bilder: der Teich von Bethesda, der barmherzige Samariter u. a. beweisen. Nachdem er wieder ganz die ihm eigentümliche Richtung eingeschlagen, erschienen von ihm: The enraged musician (der wütende Musikant, 1741); The marriage a la mode (die Heirat nach der Mode, 1745), in 6 Blättern (Originalgemälde in der Nationalgalerie zu London); The effects of industry and idleness (die Folgen des Fleißes und des Müßiggangs, 1747); The march to Finchley (der Marsch nach Finchley in Schottland, 1748); The gate of Calais (das Thor von Calais, 1749, eine Satire gegen die Franzosen); The stages of cruelty (die Grade der Grausamkeit, 1751), in 4 Blättern. Im J. 1753 gab er seine von seinen Zeitgenossen mit Recht lächerlich gemachte "Zergliederung der Schönheit" (deutsch von Mylius, Berl. 1754) in Druck, worin er die Schlangenlinie als die angenehmste Form für das Auge darstellte und sogar die Linien bestimmen wollte, welche die Form des Schönen enthielten. Hierauf erschienen: Four prints of an election (die Wahl eines Parlamentsmitgliedes, 1755), in 4 Blättern, und The