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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hohenelbe; Hohenems; Hohenfelde; Hohenfriedeberg; Hohenfurt; Hohenhausen

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Hohenelbe - Hohenhausen.

wurden einzelne als Wohnsitze alter Götter und verzauberter Helden, deren Wiederkunft man erwartete, betrachtet, wie der Hörselberg bei Eisenach und der Kyffhäuser bei Nordhausen (vgl. Bergentrückung).

Hohenelbe, Stadt im nordöstlichen Böhmen, 484 m ü. M., zu beiden Seiten der Elbe, über welche fünf Brücken führen, Station der Österreichischen Nordwestbahn, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, mit einer alten Dechanteikirche, einem Schloß nebst Park, Kaiser Joseph-Denkmal, Augustinerkloster, Webschule, Sparkasse (2 Mill. Gulden Einlagen), hat nebst dem mit H. zu einer Gemeinde vereinigten Dorf Nieder-H. (1880) 5318 Einw., deren Hauptbeschäftigung ehemals Silberbergbau, gegenwärtig die auch in der Umgebung stark betriebene Leinen- und Baumwollindustrie bildet. Es bestehen hier eine Flachsspinnerei, drei mechanische Baumwollwebereien, mehrere Bleichereien, außerdem eine Papierfabrik, Bierbrauerei und Walzmühle. Im N. schließt sich an H. das Dorf Ober-H., der nördliche Teil der im ganzen 8 km langen Häuserreihe, mit einer Flachsgarnspinnerei, Bleicherei und (1880) 2235 Einw. Vgl. Hallwich, Die Gründung der Bergstadt H. (1882).

Hohenems, Marktflecken in Vorarlberg, Bezirkshauptmannschaft Feldkirch, an der Vorarlberger Bahn, 2 km östlich vom Rhein, am Fuß steiler Berge, 429 m ü. M., hat ein Schloß, eine Synagoge (H. ist die einzige Judengemeinde Vorarlbergs), lebhafte Industrie (Baumwollweberei, -Druckerei, -Färberei, Maschinen- und Handstickerei, Bierbrauerei etc.), bedeutenden Handel und (1880) 4428 Einw. (142 Juden). - H., sonst Hauptort der ehemaligen reichsunmittelbaren Grafschaft, kam 1765 an Österreich. In der Nähe das Schloß Neuems und die Ruinen der Burg Altems (herrliche Aussicht auf Rheinthal und Bodensee).

Hohenfelde, Vorort von Hamburg, unmittelbar nördlich von der ehemaligen Vorstadt St. Georg, hat ein großartiges Hospital (Oberaltenstift), Eisengießerei und Zichorienfabrikation und (1885) 14,682 meist evang. Einwohner.

Hohenfriedeberg (Friedberg in Schlesien), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, Kreis Bolkenhain, am Striegauer Wasser, hat (1885) 778 meist evang. Einwohner und ist berühmt durch die Schlacht 4. Juni 1745 zwischen Friedrich d. Gr. und dem Prinzen Karl von Lothringen, die wichtigste im zweiten Schlesischen Krieg. Die Lage Friedrichs war nach dem unglücklichen böhmischen Feldzug 1744 und seinem Rückzug nach Schlesien keine günstige, und Maria Theresia hatte nach dem Frieden mit Bayern zu Füssen und einem neuen Bund mit England und Holland die ernste Absicht, Schlesien wiederzuerobern, in einem Manifest ausgesprochen. Die Österreicher bemächtigten sich Oberschlesiens, und der Prinz Karl von Lothringen brach mit einem Heer von 90,000 Österreichern und Sachsen von Böhmen über das Riesengebirge in Mittelschlesien ein. Der König, der sich mit 60,000 Mann bei Schweidnitz aufgestellt hatte, verleitete seinen Gegner durch die falsche Kunde von seinem Rückzug auf Breslau zu unvorsichtigem Vormarsch und griff unvermutet am 4. Juni früh 4 Uhr den Vortrab der Feinde, die Sachsen, bei Striegau an. Nachdem diese rasch zersprengt waren, warf sich Friedrich auf die Österreicher bei H., welche sich in Schlachtordnung hatten aufstellen können und hartnäckigern Widerstand leisteten. Erst die glänzenden Angriffe des Regiments Baireuth-Dragoner unter General v. Geßler brachten die österreichische Infanterie zum Weichen. Schon früh um 8 Uhr war der Sieg erfochten, der den Verbündetem einen Verlust von 4 Generalen, 200 Offizieren und 9000 Mann an Toten und Verwundeten, von 7000 Mann Gefangenen, 60 Kanonen sowie 83 Fahnen und Standarten brachte. Die Preußen hatten nur 5000 Mann eingebüßt. Ausgezeichnet in der Kriegsgeschichte steht in dieser Schlacht die Tapferkeit des preußischen Dragonerregiments Baireuth (jetzt Königin-Kürassiere) da, welches 20 österreichische Bataillone sprengte, 2500 Gefangene machte und nebst mehreren Kanonen 66 Fahnen eroberte.

^[Abb.: Kärtchen zur Schlacht bei Hohenfriedeberg (4. Juni 1745).]

Hohenfurt, Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Kaplitz, an der Moldau, Sitz eines Bezirksgerichts, mit einem alten Rathaus, lebhaftem Holzhandel und (1880) 1434 Einw. Dabei das Cistercienserstift H. (1259 gegründet), das eine gotische Kirche, einen alten Kapitelsaal, eine reiche Bibliothek und andre wertvolle Sammlungen enthält. Flußaufwärts die sogen. Teufelsmauer, welche ein Schiffahrtshindernis für die Moldau bildet. Dabei eine Cellulosefabrik. Vgl. Mikowec, Das Cistercienserstift H. (Wien 1859); Pangerl, Urkundenbuch des Cistercienserstifts zu H. (das. 1865).

Hohenhausen, Dorf im Fürstentum Lippe, hat ein Amtsgericht, Zigarrenfabrikation und (1885) 968 meist evang. Einwohner.

Hohenhausen, Elisabeth Philippine Amalie, Freifrau von, Schriftstellerin, geb. 4. Nov. 1789 zu Waldau bei Kassel als die Tochter des kurhessischen Generals v. Ochs, seit 1809 mit Leopold, Freiherrn v. H., preußischem Regierungsrat in Minden, vermählt, verkehrte 1822-24 in den litterarischen Kreisen in Berlin, kehrte dann nach Minden zurück und begab sich nach dem Tod ihres Mannes 1848 nach Frankfurt a. O., wo sie 2. Dez. 1857 starb. Sie übersetzte einzelnes von Byron und W. Scott und schrieb: "Frühlingsblumen" (lyrische Dichtungen, Münst. 1817); "Natur, Kunst und Leben" (Reiseerinnerungen, Altona 1820); "Novellen" (Braunschw. 1828, 3 Bde.) und "Karl v. H., Untergang eines Jünglings von 18 Jahren" (das. 1837), welch letzteres Werk die Biographie ihres unglücklichen Sohns enthält, der sich auf der Universität Bonn erschoß. Seit dem Tode desselben wandte sie sich einer orthodox-befangenen Richtung zu, die auf ihre spätern Schriften: "Rousseau, Goethe und Byron, ein kritisch-litterarischer Umriß