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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hoher Rat - Höhlen.

die Römer die hohepriesterliche Würde ganz nach Belieben erteilten und wieder entzogen. Nur hielten sie sich in der Regel an die Angehörigen von etwa fünf vornehmen Priesterfamilien, die daher im Neuen Testament "die Hohenpriester" heißen. Dem Gesetz nach folgte dagegen der Sohn auf den Vater, und zwar verwaltete ein jeder das Amt, solange er lebte. Die Einweihungszeremonie des Hohenpriesters bestand in Waschungen, Einkleidung, Salbung mit einem köstlichen Öl und Darbringung von Sühn-, Brand- und Dankopfern. Nach jüdischer Tradition soll seit Josia die Einweihung des Hohenpriesters nur in der Anlegung der Amtskleider bestanden haben, weil nämlich das heilige Salböl verloren gegangen war. Die Amtstracht des Hohenpriesters bestand aus folgenden Stücken: dem Oberkleid (m'il, purpurblau, mit dreifarbigen Granatäpfeln und goldenen Schellen besetzt; dem Unterkleid (k'tonet); dem Leibrock (efod); dem Gürtel (chescheb); dem viereckigen doppelten Brustschild (choschen) auf der Brust, der in vier Reihen Edelsteinen die eingravierten Namen der Stämme trug und die Urim und Thummim barg; dem Kopfbund (miznefet) und dem daran befindlichen goldenen Diadem (ziz) mit der Aufschrift: "Heilig dem Herrn". Diese Amtstracht trug der Hohepriester bei allen feierlichen amtlichen Funktionen, an Festen etc.; nur wenn er am großen Versöhnungstag in das Allerheiligste eintrat, legte er eine einfache, aus weißem Leinen bestehende Kleidung an. Außer dem großen Sühnungsakt, welchen er an diesem Tag verrichtete (s. Versöhnungstag), hatte er in besonders wichtigen Fällen die Urim und Thummim (s. d.) zu befragen. Im nachexilischen Zeitalter pflegte er an Sabbaten und an hohen Festen auch an Stelle der gemeinen Priester zu fungieren. Ferner führte er über Kultus und Tempelschatz die Oberaufsicht und war Vorsteher des Sanhedrins (Hohen Rats), überhaupt kirchliches Oberhaupt aller, auch der außerhalb Palästina wohnenden Juden, dem niemand den Gehorsam verweigern durfte. Während der makkabäischen Periode vertraten die H. selbst eine geraume Zeit hindurch die Stelle der Landesfürsten Judäas. Hauptpflicht war es für den Hohenpriester, sich der levitischen Reinheit im weitesten Umfang zu befleißigen, namentlich vor seinen Amtsverrichtungen; einen Toten, mit Ausnahme der nächsten Blutsverwandten, durfte er niemals berühren, ja nicht einmal heftiger Trauer über einen solchen sich hingeben; auch gestattete ihm das Gesetz nur, eine unberührte Jungfrau zu heiraten. Sein Ansehen war noch im hasmonäischen Zeitalter so groß, daß selbst Königstöchter die Ehe mit Hohenpriestern nicht verschmähten sowie auch deren Töchter von den Großen des Landes begehrt wurden. Josephus zählt von Aaron bis auf den Salomonischen Tempelbau 13, während des Bestehens desselben 18, während des Bestehens des zweiten Tempels 52, zusammen also 83 Hohepriester.

Hoher Rat, s. Sanhedrin.

Hohe Salve, Berg in den Kitzbühler Alpen in Tirol, nordöstlich von Hopfgarten, 1826 m hoch, wegen der prachtvollen Aussicht auf die Tauern, Zillerthaler und Salzburger Alpen sehr besucht, trägt ein Kirchlein und ein Wirtshaus.

Hoheslied Salomos (Canticum canticorum), poetisches Buch des Alten Testaments, im hebräischen Titel, dem der lateinische nachgebildet ist, "Lied der Lieder", von Luther, der sich der mystischen Auslegung desselben anschloß, Hoheslied genannt. Das in eine Reihe von Einzelbildern und Auftritten zerfallende, halb lyrische, halb dramatische Gedicht besingt die Liebe einer Hirtin (Sulamith) zu einem Jugendgenossen gleichen Standes, dem sie, in den Harem Salomos entführt, doch treu bleibt und endlich, nachdem sie die Liebeswerbungen des weibersüchtigen Königs abgewiesen hat, wieder zurückgegeben wird. Zartheit und Sittigkeit sind somit der Grundanlage und Tendenz des Ganzen nicht abzusprechen, obwohl die glühende Phantasie des Orientalen mehr als einer Schilderung einen stark sinnlichen Anhauch gegeben hat. Die Überschrift nennt den König Salomo als Verfasser. Aber abgesehen davon, daß dieser sich nicht selbst ein so wenig schmeichelhaftes Denkmal gesetzt haben wird, gehört das Lied der Blütezeit der hebräischen Litteratur und zwar speziell des israelitischen Nordreichs an, wo es ein Zeugnis von der reichen und üppigen Ausbildung weltlicher Poesie, etwa 900-800 v. Chr. entstanden ist. Die Aufnahme in den alttestamentlichen Kanon hat es jedenfalls einem Mißverständnis seines wahren Sinnes zu danken. Man sah darin nämlich eine allegorische Darstellung der Liebe Gottes zum jüdischen Volk, wozu man durch die prophetischen Vergleichungen der theokratischen Verfassung des israelitischen Volkes mit einer Ehe desselben mit Gott veranlaßt war. Aber schon unter den Rabbinern setzten einige an Gottes Stelle den Messias als den Liebhaber des Volkes, und ganz ebenso fanden seit Origenes die Christen die Liebe Christi zu seiner Kirche, als der Braut, darin geschildert. Einzelne vernünftigere Gelehrte, die, wie in der alten Kirche Theodor von Mopsuestia, zur Reformationszeit Castellio, der allegoristischen Selbsttäuschung entgegentraten, hatten dafür manches zu leiden. Erst seit Herder ("Lieder der Liebe, die ältesten und schönsten aus dem Morgenland", Leipz. 1778) besteht eine unbefangene Auslegung. Neuere Erklärungen sind von Ewald (Götting. 1826 und 1867), Meier (Tübing. 1854), Hitzig (Leipz. 1855), Delitzsch (das. 1875), Renan (3. Aufl., Par. 1870), Grätz (Wien 1871) und Schäfer (Münster 1876).

Hohes Neujahr, s. v. w. Epiphanienfest.

Hohes Rad, s. Riesengebirge.

Hohes Venn, s. Venn.

Hohe Tauern, s. Tauern.

Hohgant, s. Luzerner Alpen.

Hohlader (Hohlvene, Vena cava), die Hauptvene, durch welche bei den Wirbeltieren das Blut aus dem Körper zum Herzen zurückkehrt. Man unterscheidet die obere H., welche das Blut aus der obern Körperhälfte, und die untere, welche es aus der untern, unterhalb des Zwerchfells, sammelt; beide münden dicht nebeneinander in der rechten Vorkammer des Herzens. Sie besitzen keine Klappen. Die obere H. ist beim Menschen nur etwa 7 cm lang, verläuft rechts von der aufsteigenden Aorta und entsteht aus den beiden Venae anonymae; die untere, etwa 24 cm lang, verläuft rechts von der absteigenden Aorta und teilt sich in der Lendengegend ähnlich wie diese. Beim Fötus sind zwei obere Hohlvenen vorhanden, während die untere von jeher enger ist und eine Zeitlang hindurch nur eine unbedeutende Vene darstellt. S. Tafel "Blutgefäße des Menschen", Fig. 3 u. 5.

Hohlbeere, s. Rubus.

Höhlen, natürliche, unterirdische Hohlräume in den verschiedensten Gesteinen, oft ohne jede Kommunikation mit der Erdoberfläche, so daß der Nachweis ihrer Existenz Zufälligkeiten (Wegbauten, Tunnelbohrungen, Einstürzen etc.) zu verdanken ist, bisweilen mit mehr oder weniger breiten natürlichen Schächten