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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Holbeinstich; Holberg

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Holbeinstich - Holberg.

umher, bis ihn Graf Pálffy als Theaterdichter an das Theater an der Wien berief. Bald aber trat er wieder in Regensburg und Stuttgart, 1809 in Wien als Schauspieler auf, übernahm 1809 die Direktion des Theaters in Bamberg, schrieb hier sein beifällig aufgenommenes "Turnier zu Kronstein" und ging, nachdem er von 1812 bis 1813 zugleich mit dem Bamberger auch das Würzburger Theater geleitet hatte, 1816 als Regisseur nach Hannover, von da 1819 als Direktor nach Prag und 1824 wieder an das Hoftheater zu Hannover, dessen Direktor er nun 16 Jahre lang blieb. 1841 in gleicher Stellung nach Wien an das Hofburgtheater berufen, hielt er sich hier bis Ende 1849, zu welcher Zeit Laube eintrat; 1853 gab er auch die Leitung des Hofoperntheaters auf. Er starb 5. Sept. 1855 in Wien. H. schrieb eine große Menge von Stücken, die durch praktische Mache vorübergehenden Erfolg errangen, ohne innern Wert zu besitzen. Gesammelt erschienen sie als "Theater" (Rudolst. 1811, 2 Bde.), "Neuestes Theater" (Pest 1822-23, 4 Nrn.) und "Dilettantenbühne" (Wien 1826). Die Geschichte seines Lebens und Strebens enthält der erste und einzige Teil seines "Deutschen Bühnenwesens" (Wien 1853).

Holbeinstich, moderne Bezeichnung für Leinenstickereien, bei welchen der Stich doppelseitig ist. Der Name ist von Gemälden der altdeutschen Schule, besonders Holbeins, abgeleitet, auf welchen Muster für derartige Leinenstickereien vorkommen.

Holberg, Ludwig, Freiherr von, der Vater des dänischen Lustspiels und der Schöpfer der neuern dänischen Litteratur, geb. 3. Dez. 1684 zu Bergen in Norwegen, war von seinem Vater, der sich vom gemeinen Soldaten zum Oberstleutnant aufgeschwungen hatte, für den Militärdienst bestimmt, wurde, 10 Jahre alt, in ein norwegisches Regiment eingereiht, durfte jedoch später, da er im Soldatenstand keine Befriedigung fand, in Kopenhagen Theologie studieren und ward 1702 Hauslehrer. Darauf erhielt er die geringe Stelle eines Pfarrvikars in Norwegen, erübrigte sich aber durch Privatunterricht so viel, daß er seine Lust, fremde Länder und Sitten kennen zu lernen, befriedigen und Holland und Frankreich bereisen konnte. Geldmangel nötigte ihn zur Rückkehr nach Kopenhagen, wo er nun als Lehrer der englischen, französischen und italienischen Sprache lebte, worauf er eine Reise nach England und von da als Hofmeister eines jungen Grafen nach Deutschland unternahm. Einige geschichtliche Arbeiten verschafften ihm 1714 eine außerordentliche Professur an der Universität Kopenhagen und den Auftrag, die deutschen Universitäten zu besuchen. Statt dessen ging er aber nach Paris, wo er während eines zweijährigen Aufenthalts sich mit der komischen und satirischen Litteratur Frankreichs innigst vertraut machte. Nachdem er noch Rom besucht hatte, kehrte er in sein Vaterland zurück, wurde 1717 Professor der Metaphysik und 1720 Professor der Beredsamkeit zu Kopenhagen. Um diese Zeit begann er seine schriftstellerische Thätigkeit mit einigen polemischen Schriften auf historischem Boden und legte die ersten Proben seines poetischen Talents in dem Gedicht "Peder Paars af Hans Mikkelsen Borger i Kallundborg" (1719-20; neueste Ausg. von Liebenberg, Kopenh. 1879; deutsch, das. 1764) ab. "Peder Paars" ist ein in Alexandrinern abgefaßtes komisches Heldengedicht, das in klassischen Gestalten und Situationen alle Borniertheit und philiströse Selbstgefälligkeit der Zeit dem Leser vorführt, während das parodistische Element untergeordnet ist. Das Gedicht rief einen wahren Sturm hervor, machte H. aber auch mit einem Schlag berühmt. Darauf folgten: "Hans Mikkelsens fire Skjemtedigte" (1722) und später "Hans Mikkelsens Metamorphoses eller Forvandlinger" (1726). Ein Zufall machte ihn zum Bühnendichter, und schnell hintereinander schrieb er eine große Anzahl Lustspiele, die unter dem Titel: "Hans Mikkelsens Komedier" (1723-25, 3 Bde.) erschienen (eine neue vermehrte Auflage in 7 Bdn. erschien u. d. T.: "Den danske Skueplads" 1731-1754; neueste Ausg. von Liebenberg, Kopenh. 1876) und auch in viele fremde Sprachen (deutsch in Auswahl von Öhlenschläger, Leipz. 1822-23; 4 Bde.; von R. Prutz, Hildburgh. 1868; in der ältesten deutschen Übersetzung hrsg. von Hoffory und Schlenther, Berl. 1885) übertragen wurden. Als die vorzüglichsten müssen erwähnt werden: "Der politische Kannegießer", der über die Lust der Handwerker, die schwierigsten politischen Fragen zu debattieren, satirisiert; "Jakob v. Thyboe", der in der Art des Plautus einen großprahlerischen Soldaten lächerlich macht: "Erasmus Montanus", der über die gelehrte Pedanterie und Disputiersucht der Studenten an der Kopenhagener Universität spottet; "Ulysses von Ithacia", der mit allen Geschützen des Lachens die deutschen Komödien damaliger Zeit angreift; "Jeppe vom Berge", der mit großartigem Humor das jämmerliche Leben des damaligen dänischen Bauern darstellt; "Don Ranudo de Colibrados", worin über Dummstolz und damit verbundene Armut satirisiert wird, und "Die Wochenstube" welche uns eine ganze Reihe komischer Weibertypen damaliger Zeit vorführt. Durch sie ward H. der Stifter der komischen Bühne der Dänen und bereicherte das von ihm gegründete Nationaltheater zu Kopenhagen (s. Dänische Litteratur, S. 521). Von anhaltender Arbeit erschöpft, unternahm er 1725 seine fünfte und letzte Reise nach dem Ausland. Christian VI., der kurz vor Holbergs Rückkehr den Thron bestiegen hatte, hemmte als Feind jeglichen Vergnügens den Erguß von Holbergs komischem Talent, der sich nun mehr mit gelehrten Arbeiten beschäftigte. Er wurde 1730 zum Professor der Geschichte, 1735 zum Rektor, 1737 zum Quästor der Universität ernannt und 1747 geadelt. H. starb 28. Jan. 1754 in Kopenhagen. Den größten Teil seines bedeutenden Vermögens vermachte er der Ritterakademie zu Sorö, wo er auch bestattet ward. Am 31. Okt. 1875 wurde in Kopenhagen seine Bronzestatue (von Th. Stein) vor dem neuen Nationaltheater enthüllt; eine andre (von dem schwedischen Bildhauer Börjesson modelliert) schmückt seit 1884 die Vaterstadt des Dichters.

Außer den Lustspielen, die das Thun und Treiben des dänischen Volkes, vorzüglich des Bürger- und Handwerkerstandes, auf das meisterhafteste schildern und sich durch lebendige, kräftige Laune, gediegenen Scherz und originelle Charaktere auszeichnen, machte besonders noch Holbergs satirisch-humoristischer Roman "Niels Klims unterirdische Reise", in lateinischer Sprache ("Nicolaii Klimii iter subterraneum", Leipz. 1741; zuletzt Kopenh. 1866; deutsch von Wolf, Leipz. 1829; dän. von Baggesen, 1789, und von N. V. Dorph, mit historisch-litterarischen Erläuterungen von Werlauff, 1841), seinen Namen unsterblich. Als Geschichtschreiber hat sich H. durch seine "Danemarks Riges Historie" (1732-35, 3 Bde.; neu hrsg. von Levin, Kopenh. 1856), seine "Almindelig Kirke Historie" (1738-40, 2 Bde.; Ausg. von Liebenberg, Kopenh. 1867-68, 2 Bde.) und die "Beømmellge Mænds og Heltes sammenlignede Historier" (das. 1739; neu hrsg. von Liebenberg, das. 1864-65,