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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Holland

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Holland (Geschichte).

finden sich Erlen und Ulmen. Von größerer Bedeutung sind die Schilfrohrländer. Sehr gering ist die Obstzucht, um so wichtiger aber die Blumenzucht (bei Haarlem, Aalsmeer und Naarden). Viehzucht wird in großem Umfang betrieben, infolgedessen ist auch die Käsebereitung sehr stark (jährlich kommen etwa 6 Mill. kg zu Markte). Bedeutend ist außerdem der Wollhandel, der seine Hauptmärkte auf der Insel Texel hat. Die Fischerei in den Binnengewässern hat durch das Austrocknen des Haarlemer Meers sehr gelitten. Die meiste Fabrikindustrie findet man in der Zaangegend (Papier- und Ölfabriken, Graupen- und Holzsägemühlen, Segeltuchfabriken), im Gooiland (Webereien) und in Amsterdam und Haarlem. Außerdem bilden Schiffbau, Seefischerei, Schiffahrt und Handel, in einzelnen Strichen an der Nordsee und dem Zuidersee auch das Einsalzen und Räuchern von Fischen Haupterwerbszweige der Bewohner. Hauptstadt ist Amsterdam.

Südholland, die bevölkertste und mit Nordholland wohlhabendste Provinz des Königreichs, grenzt nördlich an Nordholland, östlich an Gelderland und Utrecht, südlich an Nordbrabant und Zeeland, östlich an die Nordsee und umfaßt 3021,63 qkm (54,9 QM.). Das Gebiet der Rhein- und Maasmündungen umfassend, besteht es zur Hälfte aus großen, zwischen den Flußarmen liegenden Inseln und ist außerdem mit einer Menge von Seen bedeckt. Der vom Alten Rhein durchflossene Landstrich heißt Rheinland (der Garten von H.), der südwestlich davon liegende Delfland, die Insel südlich von Rotterdam Ysselmonde, die kleinere im W. Rozenburg; die südlich von der Maas liegende heißt im W. Voorne, in der Mitte Beyerland, im O. Stryen, die südwestlichste große Overflakkee, im Nordwestteil Goeree. Das Land bildet, ähnlich wie Nordholland, eine ebene, tief liegende Fläche, hat eine mit Dünen eingefaßte Küste, einen moorartigen Boden, welcher durch Kanäle und Abzugsgräben für die Kultur gewonnen worden ist, große, herrliche Viehtriften und nur etwas mehr Ackerbau als Nordholland. Die namhaftesten Gewässer sind: der Alte Rhein, die Yssel, Leck, Merwede, Maas, Grevelingen, Krammer und das Hollandsdiep (letztere drei auf der Südgrenze). Die Bevölkerung beläuft sich auf (1886) 896,585 Seelen (fast 296 auf 1 qkm), von denen 73,5 Proz. der reformierten und 24,5 Proz. der römisch-katholischen Kirche angehören. Die Provinz erzeugt viel Weizen, Kartoffeln, Gerste, Hafer, Flachs u. Hanf; das Wiesland nimmt auch hier mehr als die Hälfte des Areals ein (53,9 Proz., während auf Ackerland 21,9, auf Wald 3,3 Proz. entfallen). Holz findet sich im SW. und auf dem Biesbosch. Bedeutend ist auch hier die Blumenzucht sowie die Baum- und Strauchgärtnerei (Boskoop). Im sogen. Westland werden auch ausgezeichnete Küchengewächse sowie berühmte Trauben gezogen, die viel nach England gehen. Die Viehzucht ist äußerst blühend, und die Käsebereitung liefert besonders um Leiden, Gouda und Stolk weitberühmte Ware. Dabei ist auch die Fabrikindustrie in Südholland sehr ausgedehnt. Eine Hauptbeschäftigung bildet an den Ufern der holländischen Yssel und des Alten Rheins die Steinbäckerei, deren ausgezeichnetes Produkt namentlich zu wasserdichten Bauten verwendet wird. Ferner ist Südholland Hauptsitz der Genever- oder Kornbranntweinbereitung (vorzüglich in Schiedam), deren Fabrikat bis nach Ostindien, Amerika und Australien versendet wird. Das dazu nötige Getreide kommt meist aus Rußland und Preußen. Weitere Erwerbszweige sind: Tauschlägerei, Ziegel- und Torfbrennerei, Schiffahrt und Schiffbau, Seefischerei und der sowohl nach dem Binnenland als zur See äußerst lebhafte Handel. Hauptstadt ist Haag. - Trotz des wasserreichen Terrains durchziehen zahlreiche Eisenbahnen die beiden Provinzen, so die Linien Rotterdam-Haarlem-Amsterdam, Uitgeest-Helder, Uitgeest-Amsterdam der Holländischen Eisenbahn; Utrecht-Gouda-Rotterdam, Gouda-Haag, Woerden-Leiden, Utrecht-Amsterdam und Harmelen-Breukelen der Niederländischen Rheinbahn; Rotterdam-Dordrecht-Moerdijk der Niederländischen Staatsbahn. S. Karte "Niederlande".

Geschichte.

H. hieß ursprünglich Holtland (Holzland) vom dichten Buschwerk der Inseln an der Maasmündung, und der Name des Landes, welches zu Lothringen, später zum deutschen Herzogtum Niederlothringen gehörte, taucht in der Geschichte zuerst im 10. Jahrh. auf: 922 erhielt ein Graf Dietrich (I.) von H. die Kirche zu Egmond mit ihren Gütern von Karl dem Einfältigen zum Geschenk, und er und seine Nachfolger brachten die räuberischen Bewohner des Landes zwischen dem Zuidersee und der Scheldemündung unter ihre Botmäßigkeit. Hartnäckig und von wechselndem Erfolg waren die Kämpfe der Grafen gegen die Westfriesen im jetzigen Nordholland. Graf Arnulf verlor gegen sie 1004 bei Winkelmade Sieg und Leben. Sein Sohn Dietrich III. (1004-1039) kämpfte ebenfalls unglücklich gegen die Friesen und suchte daher seine Macht im Süden auszubreiten, wo er die Burg Dordrecht gründete und einen Schiffszoll erhob; die Scharen des Herzogs von Niederlothringen, die auf die Beschwerde des Bischofs Adalbold von Utrecht die Burg zerstören wollten, erlitten bei Vlaardingen 1018 eine furchtbare Niederlage. Graf Dietrich IV. kämpfte im Bund mit Herzog Gottfried III. von Lothringen gegen Kaiser Heinrich III., der 1046 Dordrecht einnahm; beim Versuch, es wiederzuerobern, fiel der Graf. Sein Bruder und Nachfolger Florens I. fand im Kampf gegen die Friesen 1061 den Tod. Sein Sohn Dietrich V. folgte ihm unter der Vormundschaft seiner Mutter Gertrud. Mit dieser vermählte sich Robert, Graf von Flandern, und verteidigte seinen Stiefsohn Dietrich V. mit Erfolg gegen den Bischof von Utrecht, der mit Hilfe des Erzbischofs Anno von Köln vom Kaiser Heinrich IV. die Belehnung mit H. erschlichen hatte und an Herzog Gottfried dem Höckerigen von Lothringen einen mächtigen Bundesgenossen fand. Schließlich aber wurde Robert 1072 bei Leiden von Gottfried besiegt, dem der Bischof nun die Grafschaft abtrat; aber nach seiner Ermordung 1076 bemächtigte sich der inzwischen herangewachsene Dietrich v. wieder seines Erbes. Nach seinem Tod (1091) genoß H. eines langen Friedens unter der Regierung Florens' H. (1091-1122) und Dietrichs VI. (1122-57), eines Neffen des Kaisers Lothar, der indes wieder in Krieg mit den Westfriesen geriet, welche seinen eignen Bruder Florens den Schwarzen zu ihrem Anführer erwählt hatten. Er starb nach der Rückkehr von einem Zug nach dem Heiligen Land 1157. Sein Sohn und Nachfolger Florens III. führte einen unglücklichen Krieg mit Flandern, geriet 1168 in Gefangenschaft und sah sich genötigt, alles Land westwärts von der Schelde von Flandern zu Lehen zu nehmen und Walcheren sowie mehrere Scheldeinseln an Flandern abzutreten. Durch seinen Bruder, den Bischof von Utrecht, wurde er auch mit den Westfriesen in unglückliche Kriege verwickelt. Unter ihm begannen die Auswanderungen nach Nordostdeutschland. Endlich unternahm er 1188 einen Zug nach Palästina und starb 1190 in Antiochia.