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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Holzasbest - Holzbohrer.

Zu Anfang 1648 rückte er nach der Donau und fiel 17. Mai 1648 in der Schlacht von Zusmarshausen gegen die Schweden. Er hinterließ außer der Standesherrschaft H. (s. oben) nebst den Burgen Laurenberg und Schaumburg, welche durch seine Tochter an Nassau, dann an Anhalt-Bernburg, endlich an Erzherzog Stephan von Österreich und durch diesen an den Herzog Georg von Oldenburg kam, ein großes Vermögen. Vgl. Hofmann, Peter Melander, Reichsgraf zu H. (2. Aufl., Leipz. 1885).

Holzasbest, s. Asbest.

Holzäther, s. Methyläther.

Holzbauer, Ignaz, Komponist, geb. 1711 zu Wien, bildete sich hauptsächlich durch Selbststudium aus, wurde 1745 als Musikdirektor am Hoftheater zu Wien angestellt, folgte aber 1750 einem Ruf als Hofkapellmeister nach Stuttgart. Diese Anstellung vertauschte er drei Jahre später mit einer gleichen in Mannheim, wo er 7. April 1783 starb. Häufige Reisen nach Italien, die er sowohl von Stuttgart als auch von Mannheim aus unternahm, machten ihn mit den dortigen Opernverhältnissen gründlich vertraut, und er widmete sich demgemäß vorwiegend der dramatischen Musik. Von seinen Opern, deren er neun italienische und eine deutsche hinterlassen, hatte namentlich sein 1759 für Mailand geschriebener "Alessandro nell' Indie" dort wie auch auf verschiedenen Bühnen Deutschlands glänzenden Erfolg. Nicht weniger geschätzt waren von den Kennern (unter andern auch von dem jugendlichen Mozart) seine Kirchenkompositionen, bestehend in 26 vierstimmigen Messen mit Orchester, 37 Motetten etc., sowie seine zahlreichen Arbeiten für Orchester- und Kammermusik.

Holzbaukunst, im weitern Sinn derjenige Zweig der Baukunst, bei welchem im Gegensatz zum Steinbau die konstruktiven Teile aus Holz hergestellt werden; im engern Sinn die Kunst, ganze Gebäude aus Holz aufzuführen. Jener führte zum Fachwerks- oder Riegelbau, bei welchem die an der Fassade offen hervortretenden Balken durch Ornamente und Schnitzwerk künstlerisch verziert wurden, dieser zum sogen. Schweizerhaus (s. Bauernhaus) und Blockhaus (s. d.). Im Altertum war die H. mehr bei den orientalischen Völkern, wo sie besonders bei Dächern und Decken Verwendung fand, als bei den den Steinbau bevorzugenden Griechen und Römern üblich. Auch im frühen Mittelalter erstreckte sie sich vorzugsweise auf Decken. Doch kamen auch ganze Holzkirchen in Deutschland, Dänemark und England, besonders aber in Norwegen vor, wo sich ein eigentümlicher Stil der H. auch in der Profanarchitektur entwickelte. Zur höchsten Ausbildung gelangte die H. seit dem Ende des 12. Jahrh. im Norden Europas (Frankreich, Deutschland, England, Niederlande) in dem bürgerlichen und bäurischen Wohnhaus (Fachwerks- und eigentlicher Holzbau). Von im Material begründeten Konstruktionsprinzipien ausgehend, bewahrte der Holzbau auch in der Ornamentik seine stilistischen Eigentümlichkeiten und nahm erst spät dekorative Renaissanceelemente auf. Die reine H. blüht noch heute in Schweden, Norwegen, Rußland, Ungarn, Siebenbürgen, Kroatien und in der Schweiz, in welchen Ländern dieselbe auch einen nationalen Charakter behalten hat. Neuerdings hat die H. eine ausgedehnte Verwendung bei Ausstellungsbauten und provisorischen Festhallen gefunden. Vgl. Bötticher, Die Holzarchitektur des Mittelalters (Berl. 1856); Liebold, Die mittelalterliche Holzarchitektur in Niedersachsen (Halle 1874); Lehfeldt, Die H. (Berl. 1880); Lübke, Geschichte der Renaissance in Deutschland (2. Aufl., Stuttg. 1881, 2 Bde.); Cuno und Schäfer, Holzarchitektur vom 14. bis 18. Jahrhundert (Berl. 1883 ff.); Gladbach, Holzarchitektur der Schweiz (2. Aufl., Zürich 1885); Lachner, Geschichte der H. in Deutschland (Leipz. 1885, Bd. 1).

Holzbibliothek, s. Holzsammlung.

Holzbildhauerei (Holzschnitzerei), die Kunst, plastische, d. h. runde und halberhabene, Gegenstände aus Holz zu fertigen, wobei verschiedene Werkzeuge (Meißel, Bohrer, Stemmeisen, Raspeln, Sägen etc.) benutzt werden. Ursprünglich war jeder Bildhauer zugleich Holzschnitzer. Die ältesten Kultusbilder der Griechen und andrer Völker waren aus Holz geschnitzt, weshalb die Griechen die Erfindung der H. auf den mythischen Ahnherrn aller Künste, Dädalos, zurückführten. In Ägypten stand die H. zu allen Zeiten in hoher Blüte, was zahlreiche Gräberfunde lehren. Da im Altertum jedoch nur Kultuszwecke u. dgl. die Verwendung des Holzes bedingten, datiert der Anfang der H. in künstlerischem Sinn erst seit dem christlichen Mittelalter. Sie erstreckte sich zunächst auf Möbel für kirchlichen und weltlichen Gebrauch, deren Stil und Ornamentik durch die jeweilig herrschende Architektur (byzantinisch, romanisch, gotisch) bestimmt wurde. Am reichsten begann sich die H. an dem Chorgestühl der Kirchen zu entfalten, welches dann in der Renaissanceperiode das Objekt einer üppigen figürlichen und ornamentalen Dekoration wurde. In deutschen und italienischen Kirchen sowie in den Museen sind noch zahlreiche Beispiele von Chorgestühlen vorhanden, bei welchen sich oft zu der H. noch Intarsia oder Holzmosaik gesellt. Daneben kommen geschnitzte Andachtsbilder (Madonnen, Heilige, Kalvarienberge) mit Baldachinen und Tabernakeln und besonders bemalte und vergoldete, oft sehr figurenreiche Altarschreine in Betracht. In Deutschland sind die beiden Syrlin (Chorgestühl im Münster zu Ulm), Veit Stoß, Hans Brüggemann (Schleswiger Altar), in Italien Giuliano und Benedetto da Majano, Baccio d'Agnolo, Stefano da Bergamo und die Familie de' Marchis die namhaftesten Holzbildhauer des 15. und 16. Jahrh. für kirchliche Zwecke. Um dieselbe Zeit wurden auch die profanen Möbel immer reicher gestaltet, und schließlich erstreckte sich die H. auf ganze Zimmerausstattungen (Täfelungen, Decken), wovon noch mehrere vollständig erhaltene Beispiele (Seidenhofzimmer in Zürich, Fredenhagensches Zimmer in Lübeck, Hirschvogelhaus in Nürnberg, zwei Zimmer im Berliner Kunstgewerbemuseum) glänzendes Zeugnis ablegen. Andre Spezialitäten der H. waren in dieser Zeit Truhen, Bilderrahmen, Kunstschränke sowie Schmuckkästchen und Möbel jeglicher Gattung. Auch in der Barockzeit blühte die H., bis sie in der Rokokoperiode für Zimmerausschmückungen allmählich durch die Stuckdekoration verdrängt wurde. Neuerdings hat sie wieder einen Aufschwung genommen, wird aber als ein Zweig der Möbeltischlerei kultiviert. Nur in Italien, wo gegenwärtig Frullini (s. d.) Ausgezeichnetes leistet, ist die H. noch eine besondere Kunst. S. die Tafel "Möbel". Vgl. J. Lessing, Holzschnitzereien des 15. und 16. Jahrhunderts (Berl. 1882).

Holzblau, mit Blauholz (s. Kampescheholz) hervorgebrachtes Blau.

Holzbock, s. Zecken.

Holzböcke, s. v. w. Bockkäfer.

Holzbohrer (Xylotropha), Familie aus der Ordnung der Schmetterlinge (s. d.).

Holzbohrer (Holzfresser, Holzkäfer, Xylophaga (Gerst.), Käferfamilie aus der Gruppe der Penta-^[folgende Seite]