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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Holzwolle; Holzwürmer; Holzzellen; Holzzement; Holzzeug; Holzzinn; Holzzölle; Hom; Homagial; Homann; Homarus

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Holzwolle - Homarus.

Steinkohlengruben, wichtigen Anschluß zahlreicher Kohlenbahnen und (1885) 2387 meist evang. Einw.

Holzwolle, durch Schleifen von Holz erhaltenes Holzmehl (s. Holzstoff), welches als Surrogat der Schafwolle zur Herstellung der Samttapeten dient; auch aus langen, dünnen, gekräuselten Holzfäden bestehende Masse, welche erhalten wird, indem man in einen Holzstock feine Längsfurchen zieht und die zwischen diesen stehen bleibenden Rippen mit einem Schrupphobel abschneidet. Diese H. dient als Pack- und Polstermaterial.

Holzwürmer, im Holz, Splint und der Rinde lebende Insektenlarven aus den Ordnungen der Schmetterlinge (Weidenraupe, Glasschwärmer), Käfer (Bohrkäfer, Borkenkäfer, Bockkäfer, Hirschkäfer) und Hautflügler (Holzwespen und hummelartige Bienen).

Holzzellen, s. Holz, S. 668, und Zelle.

Holzzement, schwarze, pechartige, bei gewöhnlicher Temperatur feste Masse, welche beim Erhitzen leicht schmilzt und dann große Bindekraft besitzt, wurde von Häusler in Hirschberg in den Handel gebracht und dient zur Herstellung der sogen. Holzzementdächer. Die Dächer werden mit höchstens 2 cm Gefälle auf den laufenden Fuß gelegt und bestehen aus wenigstens 2,5 cm starker verspundeter Verschalung, welche auf Sparren liegt, die 70 cm voneinander abstehen. Die Verschalung wird schwach mit Sand bestreut und das ganze Dach mit starkem Papier überzogen. Nun erfolgt der erste Anstrich mit dem geschmolzenen H.; dann kommt eine zweite, dritte und vierte Lage Papier und dazwischen ebenso ein zweiter, dritter und vierter Anstrich. Zuletzt wird gesiebte Steinkohlenasche aufgestreut, und nachdem die Zinkblecheinfassungen an den Schornsteinen und Dachtraufen gehörig befestigt sind, schüttet man noch 2,5-4 cm gesiebten Kies auf. Diese Dächer, welche man in Schlesien, Sachsen und in der Lausitz häufig findet, sind sehr billig, einfach, dauerhaft, leiten die Wärme schlecht, können gegen Feuersgefahr von außen durchaus als sicher betrachtet werden und gestatten, mit Erde überfahren, die Anlage von Gärten auf den Dächern. Nach Lipowitz ("Die Portlandzementfabrikation", Berl. 1868) kann man den H. auf die Weise bereiten, daß man Braun- oder Steinkohlenteer in einem eisernen Kessel nicht zu stark erhitzt und mittels eines Siebes eine Mischung von 500 g Schwefel auf 50 kg möglichst frischen Zement so lange einträgt, als der Teer noch streichbar-flüssig ist. Man braucht auf 50 kg Teer 80-95 kg Zement.

Holzzeug, s. v. w. Holzstoff.

Holzzinn, körniges Zinnerz von faseriger oder konzentrisch-schaliger Struktur und brauner Farbe, findet sich in den Zinnseifen von Cornwall und Queensland.

Holzzölle. Holz ist ein wenig transportfähiges, gleichzeitig aber auch ein für die Technik und den häuslichen Verbrauch unentbehrliches Gut. Dem entsprechend wurde früher vielfach die Ausfuhr von Holz beschränkt oder gar verboten. Eine Änderung trat in dieser Beziehung mit dem Ausbau und der Verbesserung der Transportwege ein, an Stelle des im vorigen Jahrhundert noch vielfach üblichen Ausfuhrzolles trat der Einfuhrzoll. Einen solchen kannte auch der preußisch-deutsche Zolltarif. In demselben war ursprünglich (1818) ein Unterschied zwischen den östlichen und westlichen Provinzen von Preußen gemacht worden. Dann unterschied man weiches und hartes Holz, für welch letzteres höhere Sätze galten als für ersteres, ferner zwischen Einfuhr zu Wasser und Einfuhr zu Land. Letztere konnte, weil von geringer Bedeutung, freigelassen werden. 1865 wurden die bestehenden Holzzölle aufgehoben. Gelegentlich der Tarifreform von 1879 wurden solche von neuem eingeführt, und zwar wurde jetzt, ganz entsprechend der Umgestaltung des Verkehrswesens, kein Unterschied mehr zwischen Land- und Wasserweg gemacht. Die Zollsätze bezifferten sich, ohne Unterschied, ob weich oder hart, von Rohnutzholz auf 0,60, von gesägtem Holz auf 1,50 Mk. für ein Festmeter oder 600 kg, Brennholz und Reisig blieben frei. Für Holzborke und Gerberlohe, auf deren Ausfuhr bis 1865 ein Zoll gesetzt war, wurde 1879 ein Einfuhrzoll eingeführt von 0,50 Mk. für 100 kg. Diese Sätze wurden als zu niedrig betrachtet, um der deutschen Forstwirtschaft einen genügenden Schutz gegen die Einfuhr von außen zu bieten; dann erschien auch das Verhältnis zwischen den Zollsätzen auf unbearbeitetes und vorgearbeitetes Holz als unzweckmäßig. Infolgedessen wurden 1885 Zölle eingeführt auf rohes Nutzholz von 1,20 Mk. für ein Festmeter, auf solches Holz in der Richtung der Längsachse beschlagen etc. von 2,40 Mk., in der Richtung der Längsachse gesägt von 6 Mk. für ein Festmeter. Außer in Deutschland bestehen Zölle auf Nutzholz, bez. Nutzholzartikel von verschiedener Höhe auch in Frankreich, Österreich, Rußland, Belgien, Dänemark, Schweiz, Nordamerika. Vgl. Lehr, Die neuen deutschen Holzzölle (Jena 1880); Derselbe, Die deutschen Holzzölle und deren Erhöhung (Frankf. a. M. 1883); Danckelmann, Die Nutzholzzölle (Berl. 1883).

Hom., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Sir Everard Home, geb. 1756 zu Edinburg, starb 1832 als Professor der Anatomie in Chelsea; Mitarbeiter an den Werken Hunters (Anatomie, Zoologie).

Homagial (vom lat. homagium, "Huldigung"), zur Lehnspflicht etc. gehörig, huldigend; Homagialeid, s. v. w. Lehnseid, der Huldigungseid des Lehnsmannes (s. Lehnswesen).

Homann, Johann Baptist, verdienstvoller Geograph und Kartenzeichner, geb. 20. März 1663 zu Kamlach in Bayern (Schwaben), besuchte, von seinen Eltern für das Kloster bestimmt, die Jesuitenschule zu Mindelheim, entfloh aber nach Nürnberg, wo er zur protestantischen Kirche übertrat und 1687 Notar wurde. In seinen Mußestunden beschäftigte er sich mit Kupfer- und Landkartenstecherei und ward durch den Beifall, den seine Arbeiten fanden, veranlaßt, 1702 einen förmlichen Landkartenverlag zu begründen, der rasch eine große Ausbreitung gewann. Er lieferte nach und nach gegen 200 Karten, darunter den großen Atlas über die ganze Welt in 126 Blättern (1716) und den "Atlas methodicus" in 18 Blättern (1719), daneben noch kleine Armillarsphären, Taschengloben, künstliche Uhren und andre mechanische Kunstwerke. Die königliche Gesellschaft der Wissenschaften zu Berlin erwählte ihn 1715 zu ihrem Mitglied, der Kaiser Karl VI. sandte ihm eine goldene Ehrenkette und ernannte ihn zum kaiserlichen Geographen; der Zar Peter d. Gr. bestellte ihn 1722 als seinen Agenten. Er starb 1. Juli 1724. Vgl. Sandler, Joh. Bapt. H. (in der "Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde in Berlin" 1886, Heft 4 u. 5). - Sein Sohn Johann Christoph, geb. 1703 zu Nürnberg, setzte das Geschäft seines Vaters fort, starb aber schon 1730. Er hatte seine Universitätsfreunde Mich. Franz und Jak. Ebersberger zu Erben eingesetzt: später kam das Geschäft an G. P. Monath und 1813 an Chr. Fr. Fembo, mit dessen Tod (11. Sept. 1848) es einging.

Homarus, Hummer.