Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Homel; Homer; Hōmer; Homēr; Homeriden; Homērisches Gelächter; Homerīten; Homēros

692

Homel - Homeros.

H.: "Sketches on the history of man" (Lond. 1774, 2 Bde.; 1807, 3 Bde.; deutsch von Klausing, Leipz. 1778-83, 2 Bde.); "The gentleman farmer" (Lond. 1777). Sein Leben beschrieb Lord Woodhouselee (Edinb. 1807, 2 Bde.).

Homel (Gomel), Kreisstadt im russ. Gouvernement Mohilew, am Sosch und der Eisenbahn Libau-Romny, hat 8 meist griechisch-kath. Kirchen, eine Synagoge, mehrere Zuckersiedereien, regen Handel mit Holz, Wolle, Hanf, Öl und Zucker und mit der Vorstadt Bjeliza (1880) 22,000 Einw. H. wird in Urkunden zuerst 1142 erwähnt; 1852 ward es Kreisstadt.

Hōmer (hebr.), Hohlmaß, s. Chomer.

Homēr, Dichter, s. Homeros.

Homer (spr. ohm'r), Winslow, nordamerikan. Maler, geb. 1836 zu Boston, trat mit 19 Jahren bei einem Lithographen in die Lehre, wo er zwei Jahre blieb. 1859 zog er nach New York, studierte in der Nationalakademie und lieferte zahlreiche Illustrationen für Bücher und Zeitschriften. Beim Ausbruch des Bürgerkriegs ging er nach Washington, zeichnete Kriegsszenen für "Harper's Weekly" und trat um diese Zeit auch mit seinen ersten Ölbildern: Kriegsgefangene vor der Fronte, Home sweet home und Zuaven, die nach der Wurfscheibe werfen, hervor. Nachdem er sich 1867-68 in Europa aufgehalten hatte, stellte er alljährlich in der Gesellschaft der Aquarellmaler und in der Nationalakademie seine Genrebilder aus, die sich in ihrem Realismus durch frappante Charakteristik der Gestalten und originelle Pointen, aber auch durch eine zu große Kühnheit und eine Breite der Behandlung auszeichnen, welche den Details oft Eintrag thut. Zu seinen Hauptwerken gehören die Ölbilder: wie es euch gefällt, die Zeit des Mittagsessens, die Schulzeit, Sonntagsmorgen, treue Liebe, Onkel Ned zu Hause und die Aquarelle: der Angler, die Tochter des Gärtners, nach dem Bade, das schwarze Brett.

Homeriden, ein nach Homer benanntes altes Sängergeschlecht auf Chios, das sich der leiblichen Verwandtschaft mit dem Dichter rühmte, ihm einen eignen Kult weihte und sich mit dem Vortrag seiner Poesien befaßte. Später bezeichnete man mit dem Namen H. alle, welche Homerische Gesänge berufsmäßig vortrugen, also vornehmlich die sogen. Rhapsoden (s. d.).

Homērisches Gelächter, s. v. w. schallendes, nicht enden wollendes Gelächter, hat Bezug auf einige Stellen im Homer (Ilias, I, 599, und Odyssee, VIII, 326), wo von dem "unauslöschlichen Gelächter der seligen Götter" die Rede ist.

Homerīten, s. Himjariten.

Homēros (Homēr), der Name des Dichters, welchem die beiden großen Epen der Griechen, "Ilias" und "Odyssee", zugeschrieben werden. Über seine Persönlichkeit, Heimat und Zeit fehlt es an sicherer Kunde. Man hat seine persönliche Existenz überhaupt in Zweifel gezogen und durch Deutung des Namens, den man sprachwidrig bald als "Ordner", bald als "Genosse" erklärte, beweisen wollen, daß er nicht ein Individuum, sondern den ideellen Repräsentanten des einheitlichen Kunstepos oder den ideellen Ahnherrn einer geschlossenen Sängerinnung bezeichne. Doch da H. ein einfacher, "Geisel" oder "Bürge" bedeutender Eigenname ist ohne jede symbolische Beziehung oder Hindeutung auf die Poesie, so liegt in dem Namen kein Grund, an der Existenz des H. als einer historischen Persönlichkeit zu zweifeln. Bekanntlich stritten sich im Altertum sieben Städte um die Ehre, Geburtsort des Dichters zu sein: Smyrna, Rhodos, Kolophon, Salamis (auf Cypern), Chios, Argos, Athen; doch weist die ältere Überlieferung ziemlich bestimmt auf das äolische Smyrna als Heimat des H. und die ionische Insel Chios als Stätte seines Wirkens hin, und damit stimmt neben anderm die äolische Färbung des die Grundlage der Homerischen Sprache bildenden ionischen Dialekts. Hinsichtlich der Lebenszeit des H. scheint so viel sicher zu sein, daß das Zeitalter, in dem sich die epische Poesie zu der Höhe erhob, die man dem Genie des H. zuschreibt, zwischen 950 und 900 v. Chr. fällt. Was über die Lebensschicksale des H. mitgeteilt wird, stammt aus späterer Zeit, ist sagenhaft und ohne Glaubwürdigkeit, zumal die Nachricht, daß er blind gewesen sei. Ihr widersprechen die vielen Schilderungen in seinen Gedichten von sichtbaren Gegenständen, die ein Blindgeborner nie mit solcher Treue und Schärfe hätte entwerfen können. Veranlassung zu dieser Vorstellung kann der blinde Sänger Demodokos in der "Odyssee" gegeben haben, abgesehen davon, daß die Sage von blinden Sängern eine allgemeine, keine speziell griechische Volkssage ist. Außer "Ilias" und "Odyssee" besitzen wir unter H.' Namen noch die "Batrachomyomachie" (s. d.), ferner Hymnen (5 größere auf den pythischen und delischen Apollon, auf Hermes, Aphrodite und Demeter und 29 kleinere auf verschiedene Götter) und 16 kleinere Gedichte, sogen. Epigramme. Von diesen gehört die "Batrachomyomachie" einer um Jahrhunderte spätern Zeit an. Die Hymnen sind Proömien, welche die spätern Rhapsoden ihren Vorträgen zum Preis des Gottes vorausschickten, an dessen Feste der Vortrag stattfand. Die Epigramme sind ebensowenig Homerisch, wenn auch, wie die Hymnen, Überreste älterer Poesie. Es kommen also nur die "Ilias" und "Odyssee" in Frage, die ältesten Denkmäler der griechischen Litteratur und die größten und vollkommensten Epen nicht bloß der griechischen, sondern überhaupt aller Poesie. Ihr Inhalt bildet nur einen Teil des großen trojanischen Sagenkreises. Die "Odyssee" besingt die Rückkehr des Odysseus. Die eigentliche Handlung in dem Gedicht umfaßt bloß den Zeitraum von 40 Tagen, während die Zeit von des Odysseus Abfahrt von Troja bis zu seiner Ankunft in Ithaka zehn Jahre beträgt. Die Abenteuer, welche Odysseus auf seinen langwierigen Fahrten bestanden hat, werden episodisch erzählt. Nitzsch teilt das Gedicht in vier Hauptpartien. Die erste, "der abwesende Odysseus" (Buch 1-4), schildert die Zustände im Haus des auf der Insel der Kalypso weilenden Helden und die Reise seines von den Freiern der Penelope bedrängten Sohns Telemach, um Erkundigungen über den Vater einzuziehen. Die zweite, "der heimkehrende Odysseus" (Buch 5-13), berichtet die Fahrt desselben von der Insel der Kalypso zu den Phäaken, denen er seine Abenteuer erzählt, und von da nach Ithaka. Die dritte, "der Rache sinnende Odysseus" (Buch 13-19), zeigt uns den als Bettler verkleideten Helden, wie er sich mit dem treuen Schweinehirten und mit Telemach über das zu haltende Strafgericht verständigt. Die vierte, "der Rache übende Odysseus" (Buch 20-24), schildert die Ausführung des Racheplans. Während die "Odyssee" einen kunstvollen und verschlungenen Plan zeigt, behandelt die "Ilias" einen Zeitraum von 51 Tagen aus dem zehnten Jahr des Kriegs vor Troja in einfach chronologischer Anordnung. Anhebend mit dem Zorn des Achilleus über die Wegführung der geliebten Sklavin Briseis durch Agamemnon, schildert sie die durch das Fernbleiben des grollenden Helden von den Kämpfen am 23.-27. Tag herbeigeführte und sich allmählich steigernde Bedrängnis der Griechen bis zum Fall des