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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Horazdiowitz; Horb; Hörberg

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Horazdiowitz - Hörberg.

ungezwungenster Weise ohne alle trockne Schematik, als "Ars poetica" oft als selbständiges Werk angeführt. Mit seinen Oden hat sich H. das unbestreitbare Verdienst erworben, die Kunstformen der griechischen, vorzugsweise der äolischen Lyrik des Alkäos und der Sappho in der römischen Litteratur heimisch gemacht zu haben. Allerdings reicht seine poetische Begabung keineswegs an seine großen Vorbilder heran; Gefühl und Phantasie werden bei ihm durchaus vom Verstand überwogen, und die Vorzüge seiner lyrischen Dichtungen, in denen er sich von mehr oder minder freien Nachbildungen griechischer Vorlagen allmählich zu selbständigern Schöpfungen durcharbeitete, bestehen nicht in der Wärme der Empfindung, noch in der Tiefe der Gedanken, sondern in der Klarheit der Anlage, der Feinheit und Gewandtheit des Ausdrucks, der Bestimmtheit, Reinheit und Schönheit der Sprache und der Strenge des Versbaues. Am vollendetsten sind seine Lieder, in denen er, ganz seinem Naturell folgend, leichte und heitere Stoffe behandelt; wo sich sein Ausdruck zur Erhabenheit steigert, fühlt man stets das Gekünstelte, Berechnete heraus. Am eigenartigsten aber zeigt sich sein Wesen in den Satiren sowie in den Episteln, die sich von den erstern eigentlich nur durch die Briefform und die größere Milde der Lebensanschauung unterscheiden, sonst im wesentlichen dieselbe Tendenz verfolgen, seine persönlichen Erfahrungen und Meinungen namentlich über soziale und litterarische Verhältnisse in ungezwungener, doch keineswegs kunstloser Form und in einem sich der Sprache des gewöhnlichen Lebens nähernden Stil zu besprechen. Sein Vorbild in diesen "Plaudereien", wie er auch die Episteln gelegentlich nennt, war Lucilius, nach dessen Vorgang er auch den Hexameter als metrische Form wählte; doch gebührt ihm das Verdienst, diese Gattung zur eigentlichen Kunstform ausgebildet zu haben. Schon bald nach seinem Tod wurden Horaz' Gedichte als Schulbuch benutzt und auch zum Gegenstand gelehrter Erklärung gemacht, da man empfand, daß ein richtiges Verständnis derselben ohne eingehende Kenntnis der berührten Verhältnisse und Personen nicht möglich sei. Erhalten sind uns die Scholien des Pomponius Porphyrio aus dem 2. Jahrh. n. Chr., denen wir mancherlei wertvolle Nachrichten verdanken; aus später Zeit stammen die Scholien des sogen. Acron. Neben Vergil hat Horaz unter allen römischen Dichtern den größten Einfluß auf die poetische Litteratur der modernen Völker geübt, und in welchem Maß er fort und fort die gelehrte Welt beschäftigt, davon zeugt die unübersehbare Anzahl der Gesamt- und Einzelausgaben seiner Werke und der ihm gewidmeten Schriften.

Gesamtausgaben: von Lambinus (Leid. 1561 u. öfter); Cruquius (Antwerp. 1579); Bentley (Cambridge 1711 u. öfter, zuletzt Berl. 1869); Baxter und Gesner (Leipz. 1752 u. 1772); Döring (das. 1803; Bd. 1, 5. Ausg. 1839; Bd. 2, 2. Ausg. 1828); Orelli (3. Aufl., Zürich 1850-52; Bd. 1, 4. Aufl. von Hirschfelder, Berl. 1886; kleinere Ausg., 6. Aufl. 1884); Ritter (Leipz. 1856-57, 2 Bde.); Dillenburger (7. Aufl., Bonn 1881); Keller und Holder (Leipz. 1864-1870, 2 Bde.); Lehrs ("mit Rücksicht auf unechte Stellen herausgegeben", das. 1869); Kießling (Berl. 1884 ff.). Textausgaben: von Meineke (3. Ausg., Berl. 1875); Haupt (4. Aufl., Leipz. 1881); L. Müller (2. Aufl., das. 1879). Übersetzungen: von Voß (Heidelb. 1816, 2 Bde.; neueste Ausg., Leipz. 1873); Obbarius (3. Ausg., Paderb. 1872); Strodtmann (3. Ausg., Leipz. 1860, 2 Bde.); Teuffel und Weber (Stuttg. 1869); Binder (neue Ausg., Berl. 1884); Neumann (2. Aufl., Trier 1867); Auswahl von Geibel im "Klassischen Liederbuch". - Besondere Ausgaben der Satiren: von Heindorf (Bresl. 1815; 3. Aufl. von Döderlein, Leipz. 1859); mit Übersetzung und Kommentar von Kirchner und Teuffel (das. 1855-1857, 2 Bde.); mit Übersetzung von Döderlein (das. 1860); von Peerlkamp (Amsterd. 1863); Fritzsche (Leipz. 1875-76, 2 Tle.); Krüger (mit den Episteln; 11. Aufl., das. 1885); Übersetzungen: von Wieland (das. 1786, 2 Bde.; neue Ausg., Bresl. 1880); Weber (Stuttg. 1852); v. Nordenflycht (Bresl. 1881); Vogel (Essen 1885); - der Briefe: von Schmid (Halberst. 1828-30, 2 Bde.); Obbarius (Leipz. 1837-47, 2 Bde.); Döderlein (mit Übersetzung, das. 1856-58, 2 Tle.); Feldbausch (mit Übersetzung, das. 1860); Ribbeck (Berl. 1869); Übersetzungen: von Wieland (Dess. 1782, 2 Bde.; neue Ausg., Bresl. 1883); Passow (das. 1833); Merkel (Aschaffenb. 1841); Arnold (2. Aufl., Halle 1860); v. Nordenflycht (Bresl. 1874); Munk ("Satiren und Episteln", Berl. 1867); List (Erlang. 1883); - der Oden (und Epoden): von Jani (2. Ausg., Leipz. 1809); Mitscherlich (das. 1800, 2 Bde.); Peerlkamp (Haarl. 1834; 2. Aufl., Amsterd. 1862); Obbarius (Jena 1848, Schulausg. 1856); Herbst (Danz. 1866); Nauck (12. Aufl., Leipz. 1885); Schütz (2. Aufl., Berl. 1880); Übersetzungen: von Ramler (das. 1800 bis 1818, 2 Bde.); v. d. Decken (Braunschw. 1838, 2 Bde.); Bürger (in Reimen, Stuttg. 1852); Ludwig (3. Aufl., das. 1885); Bacmeister (das. 1871); Osterwald (Halle 1875); Minzloff (gereimt, Hannov. 1875); v. Nordenflycht (Berl. 1866); Bruch (Mind. 1885); Fritsch (Trier 1884). Ein Wörterbuch zum H. lieferte Koch (Hannov. 1863). Vgl. K. Passow in seiner Ausgabe der Episteln (s. oben); Teuffel, Charakteristik des H. (Leipz. 1842); Derselbe, H., eine litterarhistorische Übersicht (Tübing. 1843); Derselbe, Über H. (das. 1868); Weber, H. als Mensch und Dichter (Jena 1844); Jacob, H. und seine Freunde (Berl. 1852-53, 2 Bde.); Arnold, Leben des H. (Halle 1860); Walckenaer, Histoire de la vie et des poésies d'Horace (2. Aufl., Par. 1858, 2 Bde.); Desvergers, Vie d'Horace (das. 1855); L. Müller, Q. H. Flaccus, eine litterarhistorische Biographie (Leipz. 1880); Detto, Horaz und seine Zeit (Berl. 1883); Bobrik, Horaz. Entdeckungen und Forschungen (Leipz. 1885).

Horazdiowitz (Horažd'ovic), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Strakonitz, links an der Wotawa und an der Franz Josephs-Bahn, mit Bezirksgericht, Schloß, altem Stadtthor, Rathaus, einer Kongregation der Schulschwestern mit Pensionat, Spiritus- und Zündhölzerfabrikation, Bierbrauerei, Perlenfischerei im Wotawafluß und (1880) 3173 Einw. In der Nähe die Ruinen der Burgen Prachin u. Rabi.

Horb, Oberamtsstadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, am Neckar, Knotenpunkt der Linien Plochingen-Villingen und Pforzheim-H. der Württembergischen Staatsbahn, 435 m ü. M., gewährt mit seinen Mauern und Türmen noch das Ansehen einer mittelalterlich befestigten Stadt und hat ein Amtsgericht, 3 ehemalige Klöster und ein 1387 gegründetes und 1806 säkularisiertes Chorherrenstift, eine Realschule, 2 namhafte Bildhauerwerkstätten, 18 Bierbrauereien, 2 Sägemühlen, Filzwarenfabrikation, Hopfenbau, Holz-, Hopfen-, Vieh- und Weinhandel und (1885) 2173 meist kath. Einwohner. Auf einer Höhe eine Wallfahrtskapelle. H. gehörte früher zur Grafschaft Hohenberg und kam 1805 an Württemberg.

Hörberg, Per, schwed. Maler, geb. 31. Jan. 1746