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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hortleder; Hortolog; Hortus deliciarum; Hortus siccus; Horuk; Horunger Gebirge; Horus; Horváth

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Hortleder - Horváth.

Studien Frankreich, Deutschland, England und die Niederlande und wurde 1873 zum Stadtbibliothekar in Triest ernannt. Als die vorzüglichsten seiner vorwiegend der ältern italienischen Litteratur gewidmeten Arbeiten sind zu nennen: "Scritti inediti di Fr. Petrarca, pubblicati ed illustrati" (Triest 1874); "G. Boccacci, ambasciatore in Avignone etc." (das. 1875); "Cenni di G. Boccacci intorno a T. Livio" (das. 1877); "Le donne famose, descritte da G. Boccacci" (das. 1877); "Accenni alle scienze naturali nelle opere di G. Boccacci etc." (das. 1877); "M. T. Cicerone nelle opere del Petrarca e del Boccaccio" (das. 1878); "Studii sopra le opere latine di G. Boccacci" (das. 1879) u. a. H. ist auch Herausgeber des "Archeografico Triestino".

Hortleder, Friedrich, Geschichtschreiber, geb. 2. März 1579 zu Ampfurth bei Wanzleben, studierte in Helmstädt und Jena, ward 1608 Erzieher der Söhne des verstorbenen Herzogs Johann von Weimar, unter denen später die Herzöge Wilhelm IV., Ernst der Fromme und Bernhard sich einen Namen machten, übte seit 1616 als herzoglicher Rat auf die Politik des weimarischen Hauses im Dreißigjährigen Krieg maßgebenden Einfluß aus und starb 5. Juni 1640 in Jena. Er schrieb das wichtige Werk "Handlungen und Ausschreiben von den Ursachen des deutschen Krieges König Karls V. wider die Schmalkaldischen Bundesobriste" (Frankf. 1617-18, 2 Bde.; neue Ausg., Gotha 1646); es reicht bis 1545, da ein dritter Band nicht vollendet wurde.

Hortolog (lat.-griech.), Gartenkundiger; Hortologie, Gartenbaukunde.

Hortus deliciarum (lat., "Garten des Vergnügens"), Name einer von der Äbtissin Herrad von Landsperg im Elsaß in dem letzten Drittel des 12. Jahrh. verfaßten Encyklopädie alles Wissenswerten, welche, mit Zeichnungen versehen, von den Nonnen bei der Kinderlehre gebraucht wurde. Diese wegen der Zeichnungen für die Sittengeschichte wichtige Handschrift ist 1870 bei der Belagerung von Straßburg verbrannt, doch ist ein Teil der Zeichnungen durch früher genommene Kopien erhalten worden. Vgl. H. Engelhard, Herrad von Landsperg (Stuttg. 1818, mit 12 Kupfertafeln). Die Kopien hat A. Straub 1879 in Photolithographien herausgegeben.

Hortus siccus (lat., "trockner Garten"), s. v. w. Herbarium (s. d.).

Horuk, türk. Herrscher, s. Barbarossa 1).

Horunger Gebirge, s. Jotunfjelde.

Horus, ägypt. Gott, s. Horos.

Horváth (spr. hórrwath), 1) Andreas, ungar. Epiker, geb. 25. Nov. 1778 zu Pázmánd im Raaber Komitat, studierte in Raab, Komorn und Preßburg katholische Theologie und trat 1797 in den geistlichen Stand. Er ist nach Sprache und Form (Hexameter) der Schöpfer des klassischen Epos der Ungarn; seine Hauptwerke sind: "Zircz emlékezete" ("Andenken an Zircz", historische Dichtung, 1806) und das Heldengedicht "Arpad", in zwölf Gesängen (Pest 1831), wofür er 1832 von der ungarischen Akademie den großen Preis erhielt. Seit 1830 Mitglied der Akademie, starb H. 7. März 1839 als Pfarrer in Pázmánd.

2) Cyrill, ungar. Philosoph, geb. 17. Okt. 1804 zu Kecskemét, trat 1821 in den Piaristenorden, ward 1830 in Szegedin Professor der Philosophie, 1836 Direktor des dortigen Lyceums und kam 1851 nach Pest, wo er zum Direktor des Piaristengymnasiums, 1860 aber zum ordentlichen Professor der Philosophie an der Universität ernannt wurde. Er starb 5. Nov. 1884. In seiner Jugend schrieb er mehrere Dramen, die Beachtung fanden. Seine philosophischen Abhandlungen sind zumeist in den Abhandlungen der ungarischen Akademie erschienen, deren Ehrenmitglied er war. 1867 schrieb er die Einleitung zu den von der Akademie herausgegebenen philosophischen Arbeiten des Johann Apáczai Cseri, eines Schülers von Descartes.

3) Michael, ungar. Geschichtschreiber, geb. 20. Okt. 1809 zu Szentes im Csongráder Komitat, besuchte das Gymnasium zu Szegedin, studierte darauf im geistlichen Seminar zu Waitzen Theologie und wirkte als Kaplan an mehreren Orten, nahm aber, wegen seiner liberalen Denkweise mit seinen Vorgesetzten zerfallen, 1841 eine Erzieherstelle in dem Haus des Grafen Erdödy zu Wien an. 1844 wurde er zum Professor der ungarischen Sprache und Litteratur am Theresianum daselbst, 1847 zum Propst zu Hatvan, 1848 aber vom Kultusminister Eötvös zum Bischof von Csanád und zum Mitglied der Magnatentafel ernannt. Die rege Thätigkeit, welche er in diesen Stellungen entfaltete, verschaffte ihm große Popularität, so daß er nach der Unabhängigkeitserklärung vom 14. April 1849 das Portefeuille des Kultus und des öffentlichen Unterrichts erhielt. Nach Besiegung der Revolution entfloh er nach Paris, ging von da nach Brüssel, später nach Zürich, wo er einige Zeit Erzieher im Haus der Gräfin Karólyi war, während er im September 1851 vom Kriegsgericht in contumaciam zum Tod verurteilt wurde. 1867 ward er amnestiert und erhielt von der ungarischen Regierung eine dotierte Abtei, beteiligte sich wieder am politischen Leben und ward nach dem Tode Deáks. 1876 in dessen Bezirk in der Hauptstadt zum Deputierten erwählt. Er starb 19. Aug. 1878 in Karlsbad. Als Titularbischof und Präsident der historisch-philosophischen Klasse der ungarischen Akademie und der Ungarischen Historischen Gesellschaft war H. einer der bedeutendsten ungarischen Historiker und schrieb die vollständigste Geschichte Ungarns. Seine bedeutendsten Werke außer vielen kleinern und größern historischen Abhandlungen sind: "Geschichte der Ungarn bis zum Jahr 1823" (3. Aufl., Pest 1873, 8 Bde.); "Fünfundzwanzig Jahre aus der Geschichte Ungarns, 1823-48" (2. Aufl., das. 1868; deutsch, Leipz. 1867, 2 Bde.) sowie "Geschichte des Unabhängigkeitskriegs in Ungarn 1848 und 1849" (2. Aufl., Pest 1872, 3 Bde.).

4) Balthasar, ungar. Justizminister, geb. 1. Jan. 1822 zu Steinamanger, studierte Rechtswissenschaft in Raab, wurde 1843 Advokat und 1845 Obernotar in Steinamanger. 1848 als Deputierter in den Pester Landtag gewählt, begleitete er diesen auch nach Debreczin und Szegedin und stand nach Beendigung der Revolution vor dem Kriegsgericht, wurde jedoch noch 1850 amnestiert. Von nun an lebte er wieder in Steinamanger als Advokat. 1856 wurde er Herrschaftsfiskal der im Eisenburger Komitat befindlichen Güter des Fürsten Batthyányi. Als solcher wurde er zu der sogen. Judexkurialkonferenz berufen, die 1861 in Pest tagte. 1863 wurde er Mitdirektor des ersten ungarischen Bodenkreditinstituts und 1867 als eins der hervorragendsten Mitglieder der Deák-Partei zum Justizminister ernannt, in welcher Stellung er, von andern Reformen abgesehen, die Leibesstrafen abschaffte und die neuen Urbarialgesetze durchführte. Am 16. Mai 1871 gab er seine Dimission, weil das Munizipalgesetz nicht so ausgeführt wurde, wie er es wünschte, und weil er seinen Justizorganisationsentwurf bezüglich der Gerichte erster Instanz wegen der Uneinigkeit, die damals im ungarischen Ministerium herrschte, nicht durchbringen konnte. Bald darauf