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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Horvatovic; Horwaten; Höschotypie; Hosea; Hosemann; Hosen

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Horvatovic - Hosen.

wurde er Präsident der Ungarischen Allgemeinen Bodenkreditaktiengesellschaft. H. war vielseitig schriftstellerisch thätig, hat aber seine Schriften nicht gesammelt. 1861 wurde er zum korrespondierenden Mitglied, später zum Ehrenmitglied der ungarischen Akademie gewählt.

Horvatovic (spr. -itj), Georg, serb. General, geb. 29. Jan. 1835 zu Gradisca, trat sehr jung in das österreichische 18. Infanterieregiment Herzog von Parma ein, machte den italienischen Feldzug von 1859 mit und trat 1862 in die serbische Armee über, in welcher er 1872 zum Major, 1875 zum Oberstleutnant aufrückte. 1876 befehligte H. das Timoker Korps, und im August d. J. rettete er durch einen Flankenangriff auf die gegen Schumatowatz anstürmenden Türken die Position von Alexinatz, wofür er zum Obersten ernannt wurde, und auch im zweiten Feldzug 1877-78 gelang es ihm, sein Talent zur Geltung zu bringen. Im Frühjahr 1881 ward H. zum Gesandten in Petersburg ernannt u. 1886-87 war er Kriegsminister.

Horwaten, ein zum serbisch-kroat. Stamm gehöriger Volksbruchteil, der in Westungarn, im östlichen Niederösterreich und Mähren zahlreiche slawische Sprachinseln und eine lückenhafte Kette zwischen Nord- und Südslawen bildet.

Höschotypie, s. Photochromographie.

Hosea (hebr., "Rettung, Hilfe"), 1) hebr. Prophet, Sohn des Beeri. Nach der Überschrift seines Buches, die aber in ihrer gegenwärtigen Fassung nicht von H. herstammt, weissagte er unter den Königen von Juda: Usias, Jotham, Ahas und Hiskias, und unter dem König Jerobeam II. von Israel. Der ganze Gesichtskreis dieses Propheten weist auf das nördliche Reich als das Gebiet seiner Wirksamkeit und auf die Zeiten unter u. nach Jerobeam II. hin. Den Inhalt seiner prophetischen Rede bilden teils die Schilderung der durch Israels Schuld hundertfach verletzten und doch ungeschwächten siebe Jahves, teils die Ermahnung, sich dieser Liebe wieder ganz zu ergeben, um sich von ihr heilen zu lassen. Den neuesten Kommentar lieferte Nowack (Berl. 1880).

2) Letzter König von Israel, stürzte und ermordete 734 v. Chr. den König Pekah und ward von dem Herrscher der Assyrer, Tiglath Pilesar II., als König anerkannt. Auf ägyptische Hilfe vertrauend, empörte er sich 726 gegen Salmanassar IV., unterwarf sich aber, als derselbe mit Heeresmacht in Syrien erschien, und ward in Gefangenschaft abgeführt, worauf Samaria nach dreijähriger Belagerung 722 erobert und das Reich Israel zerstört wurde.

Hosemann, Theodor, Maler, geb. 24. Sept. 1807 zu Brandenburg, kam 1813 nach Düsseldorf, wo er die Akademie besuchte und bei Arnz u. Winckelmann als Steinzeichner beschäftigt ward. Er widmete sich dann unter Cornelius und Schadow der Malerei, siedelte mit Winckelmann nach Berlin über und lieferte treffliche Illustrationen zu dessen Kinderschriften. Auch wandte er sich damals mit Erfolg der Ölmalerei zu und wurde ein beliebter Lehrer in den vornehmen Kreisen. Im J. 1857 zum Professor ernannt, starb er 15. Okt. 1875 in Berlin. Die hervorragendsten seiner humorvollen Genrebilder aus dem Berliner Volksleben sind: die Sonntagsreiter, die Kegelbahn, die tanzenden Rehberger, Volksversammlung der Rehberger, der Sandfuhrmann, Hundefuhrwerk, Kartoffeln in der Schale, ländliche Rendezvous, Gänsemädchen, Jahrmarktsszene, Biertrinker, Sechsundsechzig, herumziehende Musikanten, benebelte Musikanten. Gerade die scheinbar poesielosesten Menschenklassen hat er verstanden durch seinen gesunden, bisweilen etwas derben Humor oder durch harmlose Satire gemütvoll und lebenswahr zu schildern. So ist er der eigentliche Maler des Berliner Spießbürgertums der 50er Jahre geworden, dessen Bilder trotz ihrer Anspruchslosigkeit von sittengeschichtlicher Bedeutung sind.

Hosen (Beinkleider, lat. Braccae, franz. Pantalons, Culottes [eigentlich Kniehosen], engl. Breeches), zur Bekleidung der Beine und Hüften dienendes Kleidungsstück, vornehmlich des männlichen Geschlechts, ursprünglich orientalische Tracht. Schon die Babylonier, Perser und kleinasiatischen Barbaren bedienten sich der langen H. In Europa findet man sie zuerst bei den Galliern, weshalb auch die Römer einen Teil Galliens das "behosete Gallien" (Gallia braccata) nannten, bis sie in späterer Zeit selbst diese Sitte annahmen. Im Mittelalter wurden die H. ein Gegenstand vielfacher Moden; man trug sie bald eng, bald weit, versah sie mit Puffen und Schlitzen, mit Bändern und Knöpfen; sie waren bald einfarbig, bald von verschiedenen Farben (s. Mi-parti). In der Mitte des 16. Jahrh. ging man sogar so weit, daß man oft mehrere Hundert Ellen Zeug zu einem Paar sogen. Pluderhosen verwandte, die, aus einer Überfülle von dünnem, meist seidenem Stoff bestehend, durch mehrere darübergelegte Streifen festern Zeugs zusammengefaßt, von den Landsknechten ins Ungeheuerliche gesteigert wurden (Abbildung 1). Von ihnen aus fanden sie auch bei den höhern Ständen Aufnahme. Ärmere, denen diese Mode zu teuer war, stopften ihre H. aus, damit sie an Umfang jenen gleichkämen, bis Joachim II., Kurfürst von Brandenburg (gest. 1571), sie mit dem Bemerken verbieten ließ, daß er jedem, den er in einem solchen Kleidungsstück sehen würde, dasselbe aufschneiden lassen wolle, was auch wirklich einigemal geschah. Sehr beliebt waren um dieselbe Zeit, besonders in Frankreich und England, neben den weiten Langhosen die kurzen Oberschenkelhosen, die entweder rundwulstig ausgestopft

^[Abb.: Fig. 1. Pluderhosen.]

^[Abb.: Fig. 2. Rollhosen.]

^[Abb.: Fig. 3. Pumphosen.]