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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hottentotenfeige; Hottentotenschürze; Hottinger; Hotze; Hotzenplotz; Houbraken

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Hottentotenfeige - Houbraken.

den H. nicht viel zu bemerken. Lügen, Diebstahl und Sinnlichkeit sind ihre Hauptlaster. Rachsucht, geringe Ehrfurcht vor den Eltern und das Aussetzen der Altersschwachen in Einöden sind ebenfalls Flecke im Charakter der H. Von ihrer Begabung zeugen die oben erwähnten, von ihnen selber dem eignen Verständnis entsprechend umgestalteten Fabeln von Reineke Fuchs, Skulpturen u. a.; die Armut des Landes aber, in welches sie gedrängt wurden, und die sie zu stetem Umherziehen zwang, hat ihre weitere geistige Ausbildung wie auch ihr größeres numerisches Anwachsen verhindert. S. Karte bei Art. "Kapland". Vgl. G. Fritsch, Die Eingebornen Südafrikas, ethnographisch und anatomisch beschrieben (Bresl. 1873); Ratzel, Völkerkunde, Bd. 1 (Leipz. 1885).

Hottentotenfeige, s. Mesembryanthemum.

Hottentotenschürze, s. Hottentoten.

Hottinger, 1) Johann Heinrich, namhafter Gelehrter, geb. 10. März 1620 zu Zürich, studierte in Genf, Groningen und Leiden orientalische Sprachen und Theologie, wurde, nachdem er England und Frankreich bereist hatte, 1642 in Zürich Professor der Kirchengeschichte, 1648 der Theologie und der orientalischen Sprachen und 1653 ordentlicher Professor der Rhetorik und Logik. Zwei Jahre später folgte er einem Ruf als Professor der orientalischen Sprachen nach Heidelberg (vgl. Steiner, Der Züricher Professor J. H. H. in Heidelberg, Zürich 1886), kehrte aber 1661 nach Zürich zurück und erhielt hier die Würde eines beständigen Rektors der Universität. Im Begriff, einem Ruf an die Universität in Leiden zu folgen, ertrank er mit drei Kindern 5. Juni 1667 in der Limmat, indem der zu volle Kahn umschlug. Unter seinen zahlreichen Werken über semitische Sprachen, orientalische Geschichte und Altertumskunde, Kirchengeschichte und theologische Streitfragen sind hervorzuheben: "Historia ecclesiastica" (1651-1667, 9 Bde.); "Thesaurus philologicus, Clavis scripturae" (Zürich 1649, 3. Ausg. 1669) und sein "Etymologicon orientale, sive Lexicon harmonicum heptaglotton" (Heidelb. 1661); die beiden letztern sind noch heute brauchbar. - Sein Sohn Johann Jakob, Professor der Theologie zu Zürich (geb. 1652, gest. 18. Dez. 1735), schrieb außer anderm die geschätzte "Helvetische Kirchengeschichte" (Zürich 1708-20, 2 Bde.).

2) Johann Jakob, Philolog, Urenkel des letztgenannten, geb. 2. Febr. 1750 zu Hausen (Kanton Zürich), studierte in Zürich und Göttingen, wurde 1774 Professor in Zürich, 1796 auch Kanonikus und starb, seit 1814 quiesziert, 14. Febr. 1819. Er hat sich als klassischer Philolog, Übersetzer und Belletrist und Biograph verdient gemacht. Er edierte den Sallust (Zürich 1778) und Ciceros (Schrift "De divinatione" (Leipz. 1793). Von seinen Übersetzungen nennen wir die von Ciceros "De divinatione" (Zürich 1789), und "De officiis" (das. 1800) sowie die von Theophrasts "Charakteren" (Münch. 1810). Mit Wieland und Jacobs vereinigte er sich zur Herausgabe des "Neuen attischen Museums" (Zürich 1802-10). Als Belletrist verfaßte er vaterländische Schauspiele, begründete die "Bibliothek der neuesten theologischen, philosophischen und schönen Litteratur" (Zürich 1784-1786), schrieb die Preisschrift "Versuch einer Vergleichung der deutschen Dichter mit den Griechen und Römern" (Mannh. 1789) u. a. Von seinen Biographien erwähnen wir: "Acroama de Bodmero" (Zürich 1783) und "Salomon Geßner" (das. 1796). Seine "Opuscula oratoria" (Zürich 1816) wie seine "Opuscula philosophica, critica atque hermeneutica" (Leipz. 1817) zeichnen sich durch ihre Latinität aus.

3) Johann Jakob, historischer Schriftsteller, geb. 18. Mai 1783 zu Zürich, studierte Theologie in Zürich und Leipzig und bekleidete eine Lehrerstelle an der Töchterschule, hierauf eine Professur an der Kunstschule seiner Vaterstadt. Als Erziehungsrat, Mitglied des Großen Rats und Regierungsrats machte er sich besonders um das Schulwesen verdient. Später ward er außerordentlicher, 1844 ordentlicher Professor der Geschichte an der Universität. Er starb 17. Mai 1860. Nach dem Tod Glutz-Blotzheims setzte er Joh. v. Müllers "Schweizergeschichte" unter dem Titel: "Geschichte der Schweizer Kirchentrennung" (Bd. 1 u. 2, Zürich 1825-29) fort. Er schrieb auch: "Huldreich Zwingli und seine Zeit" (Zürich 1842), "Vorlesungen über die Geschichte des Untergangs der Eidgenossenschaft der 13 Orte" (das. 1846), "Hans Konrad Escher von der Linth" (das. 1852), vollendete Bluntschlis "Geschichte der Republik Zürich" (Bd. 3, das. 1856), redigierte die "Schweizer Monatschronik" und gab mit Vögeli Bullingers "Reformationsgeschichte" (Frauenf. 1840, 3 Bde.), mit Escher das "Archiv für Schweizer Geschichte und Landeskunde" (Zürich 1827-29, 3 Bde.) und mit Wackernagel und Gerlach ein "Schweizerisches Museum für historische Wissenschaften" (Frauenf. 1837-1839, 3 Bde.) heraus.

Hotze, Friedrich, Freiherr von (eigentlich Johann Konrad Hotz), österreich. General, geb. 20. April 1739 zu Richterswyl bei Zürich, trat 1758 in ein württembergisches Kürassierregiment, machte den Siebenjährigen Krieg mit, ging, nachdem sein Wunsch, preußischer Offizier zu werden, abgelehnt worden, 1768 in russische und 1778 als Major in österreichische Dienste über. Von Joseph II. rasch befördert, kämpfte er 1793-95 als Generalmajor am Rhein gegen die Franzosen. 1796 befehligte er als Feldmarschallleutnant ein Korps in Süddeutschland. Nachdem er, 1798 aus dem österreichischen Dienst ausgeschieden, die Erhebung der Ostschweiz gegen Frankreich vorbereitet hatte, übernahm er 1799 den Befehl über das österreichische Heer in Vorarlberg, das Luciensteig eroberte und in die Schweiz einfiel. Er führte in der ersten Schlacht bei Zürich (3. und 4. Juni) den linken Flügel und fiel 25. Sept. in der zweiten Schlacht.

Hotzenplotz, Stadt in der österreichisch-schles. Bezirkshauptmannschaft Jägerndorf, am Fluß H., der bei Krappitz in die Oder fällt, und an der preußischen Grenze, mit einem Bezirksgericht, Zollamt, großer Rübenzuckerfabrik, Zündhölzchenerzeugung, Spitzenklöppelei und (1880) 3768 Einw.

Houbraken, 1) Arnold, holländ. Maler und Kunstschriftsteller, geb. 1660 zu Dordrecht, ließ sich frühzeitig in Amsterdam nieder und ging ums Jahr 1713 auf neun Monate nach England. Er malte Porträte und Historienbilder, war aber trotz seiner gelehrten Kenntnisse in der Geschichte, Architektur und Perspektive ein mittelmäßiger Künstler. Eine Frucht seiner Forschungen in der Kunstgeschichte ist das Werk "Groote schoubourgh der nederlandsche konstschilders en schilderessen etc." (Amsterd. 1718-19; deutsche Übersetzung im Auszug von A. v. Wurzbach, Wien 1881), wozu sein Sohn Jakob die Porträte stach. Das Werk, obwohl von großer Wichtigkeit, ist wegen des Mangels an Kritik und der hineingestreuten Anekdoten nur mit Vorsicht zu benutzen. H. starb 1719 in Amsterdam.

2) Jakob, holländ. Kupferstecher, Sohn des vori-^[folgende Seite]