Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Houtte, van; Houwald; Hova; Hovell; Hövellit; Hövemeyer

743

Houtte, van - Hövemeyer.

und Verkauf indischer Waren in Lissabon, bis das Verbot der spanischen Regierung, welches die Holländer von ihren Häfen ausschloß, diesem Handel ein Ende machte. Er zog nun Erkundigungen über den direkten Verkehr mit Indien ein, erregte aber dadurch den Verdacht der Regierung, welche ihn zu einer hohen Geldstrafe verurteilte und bis zu deren Bezahlung gefangen setzte. Er ließ hierauf der Kaufmannschaft von Amsterdam heimlich das Anerbieten machen, ihr, wenn sie ihn loskaufe, die wichtigsten Nachrichten in Bezug auf den Handel mit Ostindien mitzuteilen. H. wurde ausgelöst und kehrte 1594 in sein Vaterland zurück, Auf seine Eröffnungen hin bildete sich die sogen. Kompanie der fernen Lande (Compagnie van Verne). Sie rüstete 1595 vier Schiffe nach Ostindien aus, welche H. selbst führte, und mit denen er 24. Juni 1596 in Bantam auf Java landete. Die Holländer wurden von den Einwohnern anfangs freundlich aufgenommen, aber bald von den Portugiesen verdächtigt, so daß H. verhaftet und nur gegen ein beträchtliches Lösegeld wieder freigelassen wurde. Er besuchte hierauf noch die Inseln Bawean und Bali, mußte aber 1597, da die Mannschaft bedeutend zusammengeschmolzen war, umkehren. Trotz des geringen Gewinnes dieser ersten Expedition entschloß man sich in Amsterdam sofort zu einer zweiten, und auch in den andern Seestädten Hollands traten die Kaufleute zu Gesellschaften für den Handel in Indien zusammen. H. ging schon 1598 als Befehlshaber von zwei Schiffen von Middelburg aus wieder in See, besuchte Madagaskar, die Malediven, Kochinchina und landete endlich in Atschin im nördlichen Sumatra, dessen König ihn anfangs freundlich aufnahm, dann 1. Sept. 1599 hinterlistig töten ließ. - Sein Bruder Friedrich, der mit ihm gefangen genommen worden war, aber nach Verlauf von 27 Monaten glücklich entkam, wurde 1607 zum Gouverneur von Amboina ernannt und verfaßte ein malaiisches und ein Wörterbuch der Sprache von Madagaskar (Amsterd. 1603). Er starb 1627 in Alkmar.

Houtte, van (auch L. v. H.), bei botan. Namen für L. B. van Houtte, geb. 1810 zu Ypern, gest. 1876 als Handelsgärtner in Gent. Flore des Serres.

Houwald, Christoph Ernst, Freiherr von, dramat. Dichter, geb. 29. Nov. 1778 zu Straupitz in der Niederlausitz, besuchte das Pädagogium zu Halle, studierte dann daselbst Kameralwissenschaften und erhielt 1802 im ständischen Dienst seiner Provinz eine Anstellung. Als durch die neue Organisation der an Preußen gefallenen Niederlausitz 1815 seine Wirksamkeit gehemmt wurde, zog er sich auf sein Gut Sellendorf zurück und lebte mit seinem Jugendfreund Contessa (dem jüngern) der Litteratur, bis ihn 1822 die Niederlausitzer Stände zum Landsyndikus wählten. Er zog nun nach Neuhaus bei Lübben, wo er 28. Jan. 1845 starb. Schon früher hatte er unter fremdem Namen einige Dichtungen veröffentlicht; doch wandte er sich erst seit 1815 entschieden der Dichtkunst zu und ließ seinen von Contessa herausgegebenen Erzählungen "Romantische Akkorde" (Berl. 1817, 2 Bdchn.) das "Buch für Kinder gebildeter Stände" (Leipz. 1819-24, 3 Bde.; 3. Aufl., Stuttg. 1869; die "Bilder für die Jugend" (Leipz. 1829-32, 3 Bde.; neue Aufl., das. 1839; Auswahl, Stuttg. 1874) und "Erzählungen" (Dresd. 1829) folgen. Seinen Ruf verdankte er aber, dem Geschmack der Zeit gemäß, besonders seinen Schicksalstragödien, unter welchen "Der Leuchtturm" (mit einem andern, kleinern Trauerspiel: "Die Heimkehr", Leipz. 1821) und "Das Bild" (das. 1821, neue Aufl. 1822) vermöge ihrer leichten und lyrisch volltönenden Verifikation am meisten Beifall fanden. Hierher gehören außerdem: "Die Freistatt" (Leipz. 1820), "Fluch und Segen" (das. 1821), "Die Feinde" (das. 1825) und "Die Seeräuber" (das. 1830). Von geringerer Bedeutung sind das Gelegenheitsstück "Der Fürst und der Bürger" (Leipz. 1823) und das Lustspiel "Die alten Spielkameraden" (Weim. 1823). Houwalds "Sämtliche Werke" erschienen in 5 Bänden (zuletzt Leipz. 1859)

Hova (Howa), das herrschende Volk auf Madagaskar, das die gebirgige Zentralprovinz Imerina bewohnt und von hier aus einen großen Teil des Innern von Madagaskar, den ganzen Osten der Insel und einen Teil des Nordwestens beherrscht. Wirkliche Herren von ganz Madagaskar sind die H. niemals gewesen; ein Drittel der Insel im westlichen und südlichen Teil ist noch unabhängig, und in vielen andern Gegenden des Landes ist ihre Autorität auch nur eine sehr fragliche. Die H. gehören zum malaiischen Stamm (s. Malagassy) und stehen in starkem Gegensatz zu den Negern, denen sie auch geistig überlegen sind. Sie haben, wo sie unvermischt blieben, feinen Körperbau, bräunliche oder olivengelbe Hautfarbe und schlichtes oder gelocktes Haar sowie bedeutende geistige Fähigkeiten. Auf die Ähnlichkeit ihrer Sprache mit dem Malaiischen wies schon Jos. Banks, der Begleiter Cooks, hin, und seit Wilh. v. Humboldts Untersuchungen steht es fest, daß die H. der westlichste Zweig der malaiischen Rasse sind, ein linguistisches Ergebnis, das durch Vergleichung der Sitten und Gebräuche seine Unterstützung erhält. Bei den H. selbst hat sich freilich keine Überlieferung ihrer Einwanderung aus dem Osten erhalten; aber die Tabugebräuche, die auch bei den Polynesiern üblich sind, das Ausschmelzen der Eisenerze mit Hilfe von Doppelblasebälgen aus Bambus, das sich auf den Malaiischen Inseln findet, die Sicherung der Boote vor dem Umschlagen durch Ausleger, das Züchten des Zebu oder indischen Buckelochsen, während die heimischen Rinder der afrikanischen Art gleichen: dies alles bestärkt die Annahme malaiischer Abkunft. Die in Madagaskar einwandernden H. trafen daselbst auf afrikanische Bevölkerung, mit der sie sich nur teilweise vermischten, oder die sie unterjochten, wie die dunkelfarbigen, wilden Sakalaven, die nun nach dem Westen gedrängt sind. In den blutigen Kämpfen um die Oberherrschaft (1810-28) erstarkte die den Fortschritt und die Bildung vertretende Hovamacht zu einem mächtigen, wohlgegliederten christlichen Staat, namentlich unter den beiden Königen, welche den Namen Radama trugen. Vgl. Madagaskar.

Hovell, W. H., austral. Reisender, geb. 1786, entdeckte mit Hamilton Hume den Murrayfluß und durchzog das Gebiet der nachmaligen Kolonie Victoria. Er starb 9. Nov. 1876 zu Goulburn in Neusüdwales.

Hövellit, s. v. w. Sylvin.

Hövemeyer, August, Maler, geb. 23. Sept. 1824 zu Bückeburg als Sohn eines Dekorationsmalers, erlernte das Gewerbe seines Vaters, bezog 1848 die Akademie zu München und arbeitete, nachdem er 1851 zehn allegorische Figuren in der Villa des Königs zu Berchtesgaden in Fresko gemalt hatte, auch noch in Schwinds Atelier. Als Historienmaler trat er 1853 mit dem Karton: die Vertreibung aus dem Paradies auf, den er 1854 in Öl ausführte. Es folgten die Christnacht, mehrere allegorische Wandmalereien im Bahnhof zu Würzburg, im Bundespalast zu Bern und im Museum zu Leipzig und 1862 sein großartiger Karton: die Sündflut. Die später entstande-^[folgende Seite]