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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hüffer; Hufgelenkslahmheit

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Hüffer - Hufgelenkslahmheit, chronische.

von Toscana abgetreten ward, nach Landshut. Die Stelle eines ersten Bürgermeisters in seiner Vaterstadt Danzig, die er 1808 übernommen, gab er im März 1812 wieder auf, um an die Universität Landshut zurückzukehren. 1816 ging er nach Halle, wo er 18. Febr. 1817 starb. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Lehrsätze des Naturrechts" (Jena 1790, 2. Aufl. 1795); "Einleitung in die Wissenschaft des deutschen Privatrechts" (das. 1796); "Institutionen des gesamten positiven Rechts" (das. 1798, 2. Aufl. 1803); "Abriß der Wissenschaftskunde und Methodologie der Rechtsgelehrsamkeit" (das. 1797); "Lehrbuch der Geschichte und Encyklopädie aller in Deutschland geltenden positiven Rechte", wovon bloß die 1. Abteilung des 1. Teils, die Einleitung und die Geschichte des römischen Rechts enthaltend (das. 1796), erschienen ist; "Lehrbuch des in den deutschen Ländern geltenden gemeinen oder subsidiarischen Zivilrechts" (Gießen 1808-14, 2 Bde.); "Über den eigentümlichen Geist des römischen Rechts" (das. 1815-1817, 2 Bde.); "Die Lehre vom Geld und Geldumlauf" (das. 1798, 2. Aufl. 1819); "Neue Grundlegung der Staatswirtschaftskunst" (das. 1807; 2. Aufl. 1819, 2 Bde.); "Über die rechtliche Natur der Geldschulden" (hrsg. von A. Hufeland, Berl. 1851). H. gründete auch mit Ersch die "Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften"; an seine Stelle trat dann Gruber.

2) Christoph Wilhelm, Mediziner, geb. 12. Aug. 1762 zu Langensalza in Thüringen, studierte in Jena und Göttingen, praktizierte dann zu Weimar, ward 1793 Professor der Medizin in Jena und Leibarzt des Herzogs von Weimar und 1798 als Leibarzt des Königs von Preußen nach Berlin berufen, wo er zugleich Direktor des medizinischen Kollegiums und erster Arzt der Charitee wurde. Seit 1809 lehrte er als Professor an der Universität spezielle Pathologie und Therapie. Im J. 1810 kam er als Staatsrat in die Abteilung des Ministeriums der Medizinalangelegenheiten. Er gründete das poliklinische Institut und die Medizinisch-chirurgische Gesellschaft zu Berlin und genoß beim Publikum und in den Kreisen der Fachgenossen wegen seines Charakters und seiner Gelehrsamkeit eines seltenen Ansehens. Er starb 25. Aug. 1836. H. ist in Deutschland der Hauptvertreter der sogen. eklektischen Richtung, die aus allen vorhandenen medizinischen Systemen zu entlehnen suchte. Leider aber acceptierte er vielfach total falsche Anschauungen und lehnte sich gegen solche auf, die später allgemein anerkannt wurden. So sträubte er sich gegen die aufkommende Perkussion und Auskultation wie auch gegen die pathologisch-anatomischen Leistungen, die von Frankreich ausgingen. Er schrieb: "Über die Natur, Erkenntnismittel und Heilart der Skrofelkrankheit" (Jena 1795; 3. Aufl., Berl. 1819); "Makrobiotik oder die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern" (das. 1796; 8. Aufl., das. 1860; neue Bearbeitung von Steinthal, das. 1873 u. öfter), fast in alle europäischen Sprachen, ja sogar in die chinesische übertragen; "Über die Ungewißheit des Todes" (Halle 1791, 2. Aufl. 1824); "Guter Rat an Mütter über die wichtigsten Punkte der physischen Erziehung der Kinder in den ersten Jahren" (Berl. 1799; 12. Aufl., Leipz. 1875); "Geschichte der Gesundheit" (das. 1812, 3. Aufl. 1816); "Praktische Übersicht der vorzüglichsten Heilquellen Deutschlands" (das. 1815; 4. Aufl. von Osann, 1840); "Enchiridion medicum oder Anleitung zur medizinischen Praxis, Vermächtnis einer fünfzigjährigen Erfahrung" (das. 1836, 10. Aufl. 1857); "Kleinere medizinische Schriften" (das. 1822-28, 4 Bde.; neue Auswahl, das. 1834). Auch gab H. das "Journal der praktischen Arznei- und Wundarzneikunde" (1795-1835, 83 Bde.; Bd. 28 ff. mit Himly, dann mit Harleß und Osann) und die "Bibliothek der praktischen Heilkunde" (1799-1835, 84 Bde.) heraus und war Mitherausgeber des "Berliner encyklopädischen Wörterbuchs der medizinischen Wissenschaften". Auf seine Veranlassung ward zu Weimar das erste Leichenhaus errichtet und durch ihn die nach ihm benannte Stiftung zur Unterstützung notleidender Ärzte und armer Hinterlassenen von Ärzten gegründet. Auch für die Verbreitung der Schutzpockenimpfung war er sehr thätig. Seine Selbstbiographie gab Göschen heraus (Berl. 1863). Vgl. Augustin, Hufelands Leben und Wirken (Potsd. 1836).

Hüffer, Hermann, Rechtsgelehrter und Geschichtschreiber, geb. 24. März 1830 zu Münster in Westfalen, studierte 1848-51 zu Bonn und Berlin die Rechte, habilitierte sich 1855 in Bonn, wurde 1860 außerordentlicher und 1873 ordentlicher Professor der Rechte daselbst und 1884 zum Geheimen Justizrat ernannt. Auch gehörte er 1864-65 dem preußischen Abgeordnetenhaus und 1867-70 dem Reichstag des Norddeutschen Bundes als Mitglied an. Er schrieb: "Beiträge zur Geschichte der Quellen des Kirchenrechts und des römischen Rechts im Mittelalter" (Münst. 1862); "Forschungen auf dem Gebiet des französischen und rheinischen Kirchenrechts" (das. 1863) u. a.; "Österreich und Preußen bis zum Abschluß des Friedens von Campo Formio" (Bonn 1868), in welchem Werk er namentlich Sybels Auffassung und Beurteilung der preußischen und der österreichischen Politik als zu parteiisch bekämpfte und eine Mittelstellung zwischen Sybel und dessen österreichischen Gegnern, besonders Vivenot, einzunehmen suchte, die er in einer polemischen Schrift: "Politik der deutschen Mächte im Revolutionskrieg" (Münst. 1869), gegen erstern verteidigte. Daran schloß sich das umfassende Werk "Der Rastatter Kongreß und die zweite Koalition" (Bonn 1878, 2 Bde.). Außerdem gab er mehrere litterarhistorische Aufsätze über H. Heine (Berl. 1879), Marianne Willemer u. a. heraus.

Hufgelenkslahmheit, chronische (Strahlbeinslahmheit), bei Pferden der edlen Rassen eine nicht seltene, Lahmheit bedingende, schleichende Entzündung am Hufgelenk, an der untern Fläche des Strahlbeins und an der über dasselbe verlaufenden Hufbeinbeugesehne, vorzugsweise an den Vorderhufen und meist bei Reitpferden vorkommend. Die Krankheit entwickelt sich in der Regel unter sehr geringfügigen Erscheinungen, wird daher anfangs sehr leicht verkannt und die Lahmheit auf andre, wirklich vorhandene oder nur vorausgesetzte Ursachen (z. B. Buglahmheit) bezogen. Die erheblichste Erscheinung ist im Beginn Lahmgehen mit oft wenig hervortretender Schonung des kranken Fußes, daher vorsichtigem Aufsetzen desselben auf den Boden und Vorstellen im Stande der Ruhe. Späterhin pflegt der Huf infolge der Zusammenziehung an der Trachtenwand kleiner zu werden, was bei Bestehen des Leidens an nur einem Vorderfuß ein immerhin wichtiges Erkennungszeichen ist. Das Lahmen besteht häufig nur periodisch, bleibt mindestens nicht immer in gleicher Stärke bemerkbar. Das Pulsieren der Fesselarterie, eine bei akuten entzündlichen Zuständen in der Hufkapsel mehr oder weniger charakteristische Erscheinung, fehlt fast stets. Ursachen sind Fehltritte, Quetschungen des Hufgelenks, Strahlbeins und der Beugesehne. Die Vorhersage ist im allgemeinen nicht günstig, da das Leiden im weitern Verlauf zu nicht mehr