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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hühnerbrust - Hühnervögel.

wozu schon der heftig stechende Schmerz auffordert; doch geschehe dies mit der gehörigen Vorsicht, namentlich bei dem Herausheben der Wurzel, da diese Operation eine heftige Entzündung und sogar Brand der Zehen verursachen kann, zumal wenn der unterliegende Schleimbeutel verletzt wird. Das rationellste Mittel gegen die Hühneraugen sind die bekannten Hühneraugenfilzringe, welche nicht zu dünn sein dürfen. Sie tragen in der Mitte einen runden Ausschnitt, in welchen das H. zu liegen kommt, während der Filzring selbst durch Gummi auf die Haut um das H. herum aufgeklebt wird. So ist das H. vor jedem Druck bewahrt, und die dicke Hornmasse desselben löst sich nach einiger Zeit von selbst von der Unterlage ab. Die zahlreichen Hühneraugenpflaster wirken sämtlich dadurch, daß sie das H. zur Erweichung bringen und somit leichter entfernbar machen.

Hühnerbrust (Pectus carinatum), Formveränderung des Brustkastens infolge der englischen Krankheit, besteht in einer starken Vortreibung des Brustbeins und der vordern Rippenabschnitte bei auffallendem Einsinken der Seitenteile. Die Ausbildung der H. ist mit einer beträchtlichen Verengerung des Brustkastens verbunden und verhindert die normale Entfaltung der Lunge. Die Behandlung muß daher auf möglichste Begünstigung der Atmung gerichtet sein: kalte Waschungen, gymnastische Übungen, häufiges Tiefatmen in reiner Luft bei Vermeidung von Überanstrengung, Erkältung etc.

Hühnercholera (Geflügelcholera, Hühnerpest, Typhoid des Geflügels), die gefährlichste Krankheit der Hühner, Gänse, Enten, Puten und Fasanen. Die Ursache beruht in einem spezifischen Kontagium, welches von Pasteur isoliert und in Hühnerbouillon künstlich kultiviert worden ist. Mit der Cholera des Menschen ist die H. nicht identisch. Sie verbreitet sich außerordentlich leicht durch Ansteckung. Die hauptsächlichsten Erscheinungen sind: große Mattigkeit und Hinfälligkeit, heftiger Durst und starker Durchfall. Die dünnflüssigen Darmexkremente haben eine gelbweiße oder grünliche Farbe. Die Temperatur des Körpers steigt auf 43,5°, die kranken Tiere zittern und taumeln; die Augen werden geschlossen, Kamm und Kehllappen werden bläulichrot, später blauschwarz, und nach einem Verlauf von 1-3 Tagen endet die Krankheit gewöhnlich mit dem Tod. - Für die Behandlung hat sich die Verabreichung von Salzsäure mit dem Trinkwasser am meisten bewährt. Leicht, resp. frisch erkrankte Tiere genesen hiernach oft. Ist aber die H. vollständig ausgebildet, so leistet eine Medikation nichts mehr. Es empfiehlt sich demnach, beim Ausbruch der Seuche sämtliche Tiere der gefährdeten Bestände prophylaktisch mit Salzsäure im Trinkwasser zu behandeln. Auch Eisenvitriol (1-2 auf 100 Wasser) erweist sich nützlich. Nach dem Erlöschen der H. ist eine sorgfältige Desinfektion der verseuchten Räumlichkeiten mit Karbolsäure oder Chlorkalk notwendig. Die von Pasteur versuchte Präventivimpfung hat eine praktische Bedeutung bis jetzt nicht erlangt. Vgl. Zürn, Krankheiten des Hausgeflügels (Weim. 1882).

Hühnerdarm, s. Stellaria.

Hühnerfalk, s. Habicht.

Hühnerfußgras, s. Andropogon.

Hühnergeier, s. Weihen.

Hühnerhund, s. Hund, S. 802.

Hühnerlaus, s. Pelzfresser.

Hühnerlocke, Instrument, auf welchem man den Lockruf der Rebhühner, der wie "tschirrgick" klingt, nachahmt. Zur Anfertigung desselben bindet man ein Stück Pergament recht straff über einen Schneiderfingerhut und zieht durch ein darin angebrachtes kleines Loch ein starkes Haar aus dem Schweif des Pferdes, nachdem man daran einen Knoten geschürzt hat. Streicht man mit dem befeuchteten Daumen und Zeigefinger an dem Haar entlang, so kann man den Lockruf täuschend hervorbringen.

Hühnermilbe, s. v. w. Vogelmilbe, s. Milben.

Hühnerolog, Hühner-, Federviehkenner, -Züchter; Hühnerologie, Kunde der Federviehzucht.

Hühnerpolei, s. v. w. Feldquendel, Thymus Serpyllum.

Hühnerstelzen, s. Watvögel.

Hühnertod, s. v. w. gemeines Bilsenkraut, Hyoscyamus niger L., auch s. v. w. Solanum nigrum L.

Hühnervögel (Gallinae, hierzu Tafel "Hühnervögel", oder Scharrvögel, Rasores), Ordnung der Vögel, Land- und Erdvögel von mittlerer, zum Teil bedeutender Größe und gedrungenem Bau, mit kleinem Kopf, kurzem oder mittellangem Hals, mittelhohen Beinen, kräftigen Füßen und wohl entwickeltem Schwanz. In vieler Beziehung stehen sie den Tauben nahe, unterscheiden sich jedoch wesentlich von ihnen durch den stets kurzen Schnabel. Am Schwanz fehlen die Steuerfedern zuweilen (Steißhühner) ganz, sind gewöhnlich zu 10-12 vorhanden und beim Männchen oft sehr lang. An Kopf und Hals finden sich häufig nackte Lappen, Kämme etc. vor und sind gleichfalls nach den Geschlechtern in verschiedenem Grad ausgebildet. Im Einklang mit den Gewohnheiten der H. sind die Beine sehr kräftig; sie sind meist bis zur Fußbeuge, selten bis zu den Zehen befiedert und enden mit Wandel- oder Sitzfüßen, deren Hinterzehe zuweilen bis auf den Nagel verkümmert. Oberhalb derselben findet sich oft beim Männchen als Waffe ein spitziger, nach innen gerichteter Sporn. Die langen Vorderzehen besitzen stumpfe, zum Scharren geeignete Nägel. Der Kamm des Brustbeins ist nicht so hoch wie bei den Tauben; die meist ziemlich kurzen Flügel erlauben im allgemeinen keinen behenden und andauernden Flug. An der Speiseröhre befindet sich ein unpaarer, häufig gestielter Kropf; die Blindsäcke des Darms sind meist sehr lang; der Magen ist sehr muskulös und enthält gewöhnlich zum Zerreiben der aus Körnern bestehenden Nahrung kleine Steinchen. Bei einigen Arten ist ein Penis vorhanden. Die H. leben meist in kleinen Scharen unter Anführung eines Hahns, seltener paarweise, nisten in der Regel auf der Erde oder in niedrigem Gestrüpp und legen eine große Zahl von Eiern in einer Brut. Die Jungen verlassen das Ei mit Daunen bekleidet, folgen der Mutter vom ersten Tag an und nehmen selbständig Futter auf. - H. finden sich über die ganze Erde verbreitet, vornehmlich aber in der Alten Welt; sie bewohnen alle Gegenden vom hohen Gebirge bis zur Meeresküste und ernähren sich von Beeren, Knospen, Körnern, Sämereien, fressen aber auch Insekten und Gewürm. Seit sehr alter Zeit hat man viele von ihnen des Fleisches und der Eier halber gezähmt und namentlich die Bewohner der Waldungen Südasiens zu Haustieren gemacht. Versteinerte H. kennt man erst aus den tertiären Schichten; sie standen damals schon den heutigen Formen sehr nahe. Man unterscheidet etwa 80 Gattungen mit gegen 400 Arten und bringt sie in 8 Familien unter: 1) Flughühner (Pteroclidae), Flügel und Schwanz lang, gute Flieger, aber schlechte Läufer; Gefieder dem Sande der Wüsten, in denen sie leben, in Färbung angepaßt; Zentralasien, Afrika, auch Südeuropa; hierher das Steppenhuhn (s. d.). 2) Waldhühner (Tetraonidae), Flü-^[folgende Seite]