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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hümmling; Humor; Humor aqueus; Humoralpathologie; Humoreske; Humos; Humpen

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Hümmling - Humpen.

bis kurz vor dem Auskriechen der Jungen, welche sich in der ersten Zeit bei drohender Gefahr unter den Leib der Mutter flüchten. Das Fortpflanzungsgeschäft verläuft unregelmäßig, und die Häutung scheint bei alten Tieren unvollständig oder nur in großen Zwischenräumen zu erfolgen. Der amerikanische H. ist von dem europäischen wohl kaum artlich verschieden. Das Fleisch des Hummers ist wohlschmeckend, aber für viele schwer verdaulich. Hummern werden in großer Zahl (5-6 Mill. im Jahr) gefangen und zum weitaus größten Teil in England konsumiert. Die vorzüglichsten Hummern sind die norwegischen (0,25-1 kg schwer), dann folgen die schwedischen, die Helgoländer, die französischen und jütischen. Die Norweger und Schweden sind oberseits meist dunkel kastanienbraun, die Helgoländer wesentlich heller, graubraun, die Franzosen und Jüten hell- oder dunkelblau, gelbbraun, sehr dickschalig. Man unterhält an den Fangorten und in der Nähe der Konsumplätze künstliche Vorratsteiche, aus denen die Transportschiffe ihre durchlöcherten Kasten füllen, und aus denen wiederum der Detailmarkt sich versorgt. Um die Tiere wehrlos zu machen, durchschneidet man ihnen in Frankreich die betreffenden Muskeln, während die Engländer die Scheren mit Leinwandstreifen oder Bindfaden umbinden. Sehr viel Hummerfleisch kommt auch gekocht in Blechbüchsen in den Handel, ist aber wenig wohlschmeckend und sehr schwer verdaulich. Viel bedeutender als in Europa ist der Verbrauch in Nordamerika, wo allein in Boston jährlich etwa 1 Mill. verkauft werden. Die Scheren des Hummers enthalten bei weitem feineres Fleisch als die Schwänze, als größte Delikatesse gilt aber das innerhalb der Brustschale enthaltene Fleisch. Am wohlschmeckendsten ist der H. zwischen Ostern und Johannis. Man genießt ihn meist kalt, bei Diners gehört er zu den Entrees, die vor dem Braten serviert werden.

Hümmling (Huimling), eine etwa 40 km im Umfang messende Sandfläche im hannöv. Kreis Meppen, die sich zwischen Sumpfgegenden bis 63 m erhebt, mit zahlreichen größern und kleinern Kieselsteinen bedeckt und mit Heidekraut bewachsen ist. An den Bächen finden sich einzelne Dörfer und Bauernschaften, die ziemlich starke Vieh- und Bienenzucht treiben.

Humor (lat. Humor) bedeutet ursprünglich "Feuchtigkeit" und wird im metaphorischen Sinn auf die (leichtblütige oder schwermütige) Gemütsstimmung angewandt, welche nach der (längst verlassenen) Galenischen Ansicht von dem jeweiligen Mischungsverhältnis der sogen. vier Hauptsäfte des Organismus: Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim, abhängig sein sollte. Wie Naturell und Temperament (s. d.) den aus Leicht- und Schwerflüssigem gemischten leiblichen, so drückt die Bezeichnung H. (ital. umóre, franz. humeur, engl. humour) einen aus Spott über und Mitleid mit unsersgleichen gemischten Gemütszustand aus. Derselbe steht als gemischter dem reinen Gemütszustand (sowohl dem ungemischten Spott, wie ihn das Komische, als der Furcht und dem Mitleid, wie sie das Tragische erzeugt), als aus Spott und Mitleid gemischter dem aus Achtung und Furcht gemischten Gemütszustand, der Ehrfurcht, wie sie das Erhabene einflößt, gegenüber. Jean Paul hat daher den H., eigentlich dessen Gegenstand, das Tragikomische, das "umgekehrte Erhabene" genannt. Durch den Umstand, daß Spott und Mitleid nur unsersgleichen gelten, während Furcht und Ehrfurcht ein Höheres voraussetzen, ist der H. mit der Wirkung des Komischen, durch den Umstand, daß Mitleid das Leid eines andern (und zwar ein solches, das uns ebensogut wie ihn treffen kann: nil humani a me alienum) voraussetzt, mit jener des Tragischen verwandt. Mit jenem teilt er die Neigung, "das Erhabene in den Staub zu ziehen", mit diesem die Menschenliebe und die Rührung durch das Unglück. Wie der Spott (und Witz) Verstandessache, so ist der H. Gemütssache. Der Komiker gibt den Thoren dem Gelächter, der Tragiker den Unglücklichen dem Mitleid preis; der Humorist verlacht die Thorheit und bemitleidet den Thoren (der Narr im "Lear"). In seinen Augen ist die Thorheit das Erbteil und Unglück der Menschheit, daher ihm das Laster weniger eine Verkehrung des Willens als der Einsicht scheint. Zugleich aber weiß er sich selbst mit jenem Erbteil behaftet; in seinesgleichen, dem Thoren, verlacht und bemitleidet das humoristische Gemüt sich selbst. Der H. ist ein "Lachen unter Thränen", ein Spott, der dem Spötter das Herz zerreißt, der Gegenstand desselben, der tragikomische Held, zugleich belachens- und bemitleidens-, ja unter Umständen liebens- und bewundernswert (Don Quichotte; Walt in den "Flegeljahren"; der Landprediger von Wakefield). Je nachdem in der Stimmung die komische Seite, welche die Furcht vor dem Unglück als Thorheit, oder die tragische, welche die Thorheit als Unglück faßt, vorherrscht, läßt sich ein guter (leichtblütiger) oder böser (schwermütiger) H. unterscheiden; ersterer (Weltscherz) ist dem sanguinischen, letzterer (Weltschmerz) dem melancholischen Temperament verwandt. Die Auflösung des Humors erfolgt entweder nach jener Seite hin in reine Komik, welche die Welt der Thorheit und des Unglücks als bloßen Schein, die wirkliche Welt für einen Ausbund von Weisheit und Glückseligkeit erklärt (optimistische Weltanschauung); oder nach dieser Seite hin in reine Tragik, welche den (humoristischen) Glauben, daß das Unglück nur Folge der menschlichen Thorheit sei, für Schein und die wirkliche Welt für einen Ausbund von Dummheit und Unseligkeit erklärt, deren Folge die menschliche Thorheit sei (pessimistische Weltanschauung); niemals dagegen nach der Seite des Erhabenen, denn der H. ist "der Todfeind des Erhabenen". Der H. kann auftreten in lyrischer Form (humoristische Lyrik: Heine), in epischer (der humoristische Roman: Cervantes, Swift, Sterne, Goldsmith, Smollet, Fielding, Dickens, Thackeray, Hippel, Jean Paul, Immermanns "Münchhausen") oder in dramatischer Form (die "Alte Komödie" des Aristophanes, Shakespeares Lustspiele, Goethes "Jahrmarkt von Plundersweilern", Tiecks Komödien). Vgl. Jean Paul, Vorschule der Ästhetik; Bahnsen, Das Tragische als Weltgesetz und der H. als ästhetische Gestalt des Metaphysischen (Lauenb. i. P. 1877).

Humoralpathologie, s. Cellularpathologie.

Humor aqueus (lat.), die "wässerige Flüssigkeit" der vordern Augenkammer. H. vitreus, die Flüssigkeit des Glaskörpers des Auges. S. Seröse Flüssigkeiten.

Humoreske, eine launig (mit Humor) entworfene Erzählung oder Schilderung, auch von bildlichen Darstellungen gebraucht; in der Musik ein Tonstück freier Form, zur Gattung der Phantasiestücke gehörig, charakterisiert durch die Vermengung gegensätzlicher Empfindungen (heiterer Laune u. trüber Melancholie).

Humos (lat.), humusreich.

Humpen, ein im 16. und 17. Jahrh. übliches, jetzt wieder nachgeahmtes Trinkgefäß von cylindrischer, ausgebauchter Form mit niedrigem Fuß und Deckel. Die H. wurden entweder aus Glas gefertigt und