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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hussiten und Hussitenkriege

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Hussiten und Hussitenkriege.

bei Aussig 1426. Obwohl Ziska 11. Okt. 1424 gestorben war, hatten die Hussiten doch in den beiden Prokop, "dem Größern" und "dem Kleinen", ebenbürtige Führer gewonnen und gingen in den nächsten Jahren sogar zum Angriff gegen die benachbarten deutschen Länder über. Schlesien, Sachsen und Franken hatten unter ihren Kriegszügen am meisten zu leiden. Man zählte über 100 Städte und Burgen wie 1500 Dörfer und Weiler, welche durch die Hussiten zerstört worden sein sollen. Unter diesen Umständen wurde 1431 zu Nürnberg ein neuer Reichskrieg beschlossen; aber die Niederlage seiner Truppen bei Taus 14. Aug. 1431 überzeugte den Kaiser von der Nutzlosigkeit einer Fortsetzung des Kriegs und ließ es geraten erscheinen, den schon öfters, zuletzt vor der Schlacht bei Taus, durch den Kardinal Julian Cesarini mittels eines Manifestes versuchten Weg von Verhandlungen mit den gemäßigtern Parteien der Hussiten zu betreten.

Siegmund lud daher zunächst die Vertreter der kalixtinischen Richtung, welche noch an den vier Artikeln der Prager festhielten, aber auch die Taboriten zu dem Konzil von Basel ein, welches sich eben versammelt hatte. Eine große Gesandtschaft, an deren Spitze Johann Rokytzan und Prokop d. Gr. standen, erschien und legte dem Konzil das Glaubensbekenntnis der gemäßigten Kalixtiner vor. Obwohl es zu einer Vereinbarung nicht kam, so traten sich die Parteien doch näher, und das Konzil beschloß nach der Abreise der Böhmen, eine Gesandtschaft nach Prag zu senden, wo 30. Nov. 1433 auf Grund der vier Artikel die sogen. Böhmischen oder Prager Kompaktaten (s. d.) abgeschlossen wurden. Da sich jedoch die Taboriten denselben nicht unterwarfen, so kam es zum Kampf mit den Kalixtinern unter oberster Führung Meinhards von Neuhaus, in welchem die erstern allmählich erlagen. In der Schlacht bei Lipan und Hrib (Hřib) unweit Kauřim und Böhmisch-Brod (30. Mai 1434) fielen die beiden Prokop zugleich mit der Sache, welche sie treu verfochten. Mit der Unterordnung der kalixtinischen oder gemäßigten Hussiten unter die Kirche war indes ihre Unterwerfung unter Siegmund als ihren Erbkönig noch nicht ausgesprochen. Die böhmischen Stände verlangten zuvörderst die Bestätigung der Kompaktaten von seiten des Kaisers, und auch als er diese gegeben, wollten sie erst die Sache in nähere Überlegung ziehen. Der Landtag zu Prag entwarf darauf in 14 Artikeln die Bedingungen der Huldigung (14. Febr. 1435). Danach sollte der Kaiser die vom Konzil genehmigten vier Prager Artikel bestätigen und genau beobachten lassen, an seinem Hof hussitische Prediger haben, die Böhmen nicht zum Wiederaufbau der zerstörten Klöster zwingen, keinen Fremden in den Rat setzen, die Prager Universität herstellen, niemand zur Aufnahme von Mönchen anhalten etc. und eine allgemeine Amnestie bewilligen. Auf Grund dieser Artikel erkannten auf dem Landtag zu Prag die böhmischen und mährischen Stände Siegmund einmütig als König an. Da auch die verlangten Milderungen des Artikels von den Kirchengütern vom Konzil zugestanden wurden, so stand der völligen Aussöhnung nichts mehr im Weg, und es erteilte daher Siegmund zu Stuhlweißenburg (8. Jan. 1436) die Versicherung, daß er die vereinbarten vier Prager Artikel halten und den Böhmen und Mähren wider alle, die sie antasten würden, mit seiner ganzen Macht beistehen wolle. Auf einem Landtag zu Iglau beschwor er darauf (5. Juli) vor den Ständen und den Abgesandten des Konzils nebst seinem Schwiegersohn Albrecht von Österreich die Kompaktaten, und Johann Rokytzan wurde als Erzbischof von Prag anerkannt und bestätigt. Nun erst hielt Siegmund (23. Aug. 1436) seinen Einzug in Prag und empfing die Huldigung. Auch die Taboriten versprachen, Ruhe zu halten. Nur ein einziger Ritter, Johann von Rohač, mit seinen taboritischen Genossen auf der Burg Sion bei Maleschau und der Stadtrat von Königgrätz unter Führung des hussitischen Priesters Ambrosch zweifelten an Siegmunds aufrichtiger Gesinnung und verweigerten ihm den Gehorsam. Der ganze Adel aber zog gegen die Widersetzlichen, worauf sich die Stadt dem König ergeben mußte und der unglückliche Rohač mit seinen Genossen am Galgen büßte. Aber bald zeigte sich, daß er und die Seinigen mit Recht Argwohn gehegt hatten: Siegmund berief fremde Domherren und Mönche verschiedener Orden nach Prag und stellte den katholischen Gottesdienst mit seinen Zeremonien wieder her. Rokytzan, der hiergegen von der Kanzel aus eiferte, ward aus Prag vertrieben. Als aber die Hussiten wieder zu den Waffen zu greifen drohten, hielt es Siegmund für geraten, einzulenken. Er gestand den Kalixtinern oder Utraquisten, wie man sie zuletzt nannte, ein eignes Konsistorium zu, ließ in vier Sprachen öffentlich ausrufen, daß sie die rechten und ersten Söhne der Kirche wären und von den andern, welche das Abendmahl nur unter einer Gestalt empfingen, auf keine Weise beeinträchtigt werden sollten. Aber auch dies Versprechen war nicht aufrichtig gemeint, und nur durch den Tod ward Siegmund an der Wiederaufnahme seiner gegenreformatorischen Versuche gehindert.

Des Kaisers Erbe war der Herzog Albrecht von Österreich. Der Kanzler Schlick, schon vor Siegmunds Tod nach Prag gesandt, wußte zwar die katholischen Landherren zu Albrechts gunsten zu stimmen; aber die gegen letztern eingenommenen Utraquisten, welche noch bei Lebzeiten Siegmunds im Einverständnis mit dessen Gattin Barbara von Cilli gegen die Nachfolge des Habsburgers und für eine jagellonische Kandidatur sich verbündet, wählten unter Leitung Heinrich Ptačeks von Pirkstein aus dem vornehmen Haus der von Lipa und Georgs von Kunstat auf Podiebrad zu Tabor den 13jährigen Bruder des Königs Wladislaw von Polen, Kasimir, zum König an demselben Tag, da die Katholischen zu Prag sich für Albrecht erklärten (6. Mai 1438). Letzterer aber eilte mit einer kleinen Schar nach Prag, ließ sich daselbst krönen (29. Juni) und bot, da die Polen, deren König seinen Bruder unterstützte, in Böhmen und Schlesien einfielen, stärkere Scharen aus seinen Erblanden und auch das Reich auf. Kurfürst Friedrich von Brandenburg sandte ihm seinen Sohn Albrecht Achilles mit einem Zuzug. Mit einem starken Heer griff nun Albrecht die Polen und Utraquisten bei Tabor an und schloß sie in die Stadt ein, bis sie, durch Hunger genötigt, auf Gestattung des Rückzugs antrugen. Dann sandte er Albrecht Achilles als Statthalter nach Breslau, und dieser zwang durch einen Angriff auf Polen die in Schlesien eingefallenen Scharen zum Rückzug. Jetzt trat das Baseler Konzil vermittelnd dazwischen, und es ward mit den Polen und Utraquisten ein Waffenstillstand geschlossen (Januar 1439). Nach Albrechts II. plötzlichem Tod waren die Böhmen anfangs noch weniger geneigt als die Ungarn, dessen nachgebornen Sohn Wladislaw (Ladislaus) Posthumus als König anzuerkennen. Die Utraquisten betrieben vielmehr unter Leitung Heinrich Ptačeks eine andre Wahl, welche auf den Herzog Albrecht von Bayern von der Münchener Linie fiel. Als aber Kaiser Friedrich diesem von der Annahme der Wahl ab-^[folgende Seite]