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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hydraulisches Dock - Hydrographie.

tungsröhre b mit einem Windkessel r in Verbindung, u. in letztern mündet eine Steigröhre d ein. Die Einmündung der Leitungsröhre in den Windkessel ist durch ein sich nach oben öffnendes Ventil, das sogen. Steigventil c, dagegen das freie Ende der Leitungsröhre mit einem sich nach unten öffnenden Ventil, dem sogen. Sperrventil v, versehen. Die Bewegung des Wassers geht nun automatisch in der folgenden Weise vor sich. Das Steigventil ist geschlossen, das Sperrventil infolge seines Gewichts offen; das Wasser fließt also bei v aus der Röhrenleitung heraus. Indem es aber von unten nach oben gegen das Ventil v strömt, übt es auf letzteres einen Druck aus, welcher, nachdem das Wasser eine gewisse Geschwindigkeit erlangt hat, hinreicht, das Ventil zu heben und damit die Ausflußöffnung zu schließen. Da in diesem Augenblick die Strömung des Wassers plötzlich unterbrochen wird, so müssen alle Röhrenwände einen Stoß erleiden, welcher im stande ist, einen weit größern Druck zu überwinden, als derjenige ist, welcher der Druckhöhe des Wassers zukommt. Durch diesen Stoß wird nun das Ventil c geöffnet und eine Partie Wasser in den Windkessel r getrieben, und zwar so lange, bis der Druck der im Kessel komprimierten Luft dem Stoß des Wassers das Gleichgewicht hält. Aus dem Windkessel wird das Wasser durch den Druck der komprimierten Luft in der Steigröhre d in die Höhe getrieben und zum Ausfluß gebracht. Sobald sich nach dem Stoß das Gleichgewicht wiederhergestellt hat, fallen die Ventile v und c durch ihr Gewicht wieder nach unten, c schließt den Windkessel ab, v öffnet die Leitungsröhre, das Wasser fließt daselbst von neuem aus, und das frühere Spiel wiederholt sich. Der hydraulische Widder hat bisher in der Praxis wenig Anwendung gefunden, obgleich er wegen seiner Einfachheit wohl Beachtung verdient. Boulton und Leblanc haben sogen. saugende Stoßheber konstruiert, welche das Wasser durch Ansaugen emporheben. Leblancs Apparat wurde beim Schleusen- und Kaibau zu Laval verwendet. Der von Bollée in Mans verbesserte Stoßheber soll unter den günstigsten Umständen einen Nutzeffekt von 75-80 Proz. ergeben. Der hydraulische Widder soll sich bei kleinen Wasserversorgungen und Bewässerungen bei dem Vorhandensein von Quellwasser mit Gefälle recht gut bewähren, kommt aber zur Zeit wohl nur sehr selten noch vor. Eingehende Versuche über die Leistungen des Stoßhebers hat Eytelwein angestellt ("Bemerkungen über die Wirkung und vorteilhafte Anwendung des Stoßhebers", Berl. 1805). Vgl. Weisbach-Herrmann, Ingenieur- und Maschinenmechanik, 3. Teil, Abt. 2 (Braunschw. 1880-82); "Handbuch der Ingenieurwissenschaften", Bd. 4, Abt. 1 (Leipz. 1883).

Hydraulisches Dock, s. Dock.

Hydraulos (griech., "Wasserpfeife", Organum hydraulicum), Wasserorgel, ein von Ktesibios zu Alexandria (180 v. Chr.) konstruiertes orgelartiges Instrument, welches Wasser zur Regulierung der Windstärke benutzte, beschrieben von Heron von Alexandria.

Hydrea, Insel, s. Hydra.

Hýdria (auch Kalpis, latein. Urna), eine Art Wasserkrug der Griechen, von bauchiger, kurzhalsiger Gestalt, oft mit drei Henkeln, zwei kleinern zum Heben und einem hinten angebrachten zum Schöpfen und Ausgießen; wurde auf Kopf oder Schulter getragen (s. Abbildung).

^[Abb.: Hydria.]

Hydriátik (griech.), Wasserheilkunde.

Hydrioten, die Einwohner der Insel Hydra (s. d.).

Hydrobat (griech.), Wassertreter, Schwimmkünstler.

Hydrobromsäure, s. v. w. Bromwasserstoffsäure.

Hydrocele (griech.), Wasserbruch (s. d.).

Hydrocellulose, s. Cellulose.

Hydrocephalus (griech., "Wasserkopf"), s. Gehirnwassersucht.

Hydrocérames (franz., spr. idroßerám), s. Kühlkrüge.

Hydrocharideen (Nixenkräuter, Froschbißpflanzen), monokotyle, wasserbewohnende, etwa 30 Arten umfassende Pflanzenfamilie der warmen und gemäßigten Zone, aus der Ordnung der Helobiae, mit aufgetauchten, zweihäusigen oder vielehigen, dreizähligen Blüten, die in vielen Fällen aus einem äußern kelchartigen und einem innern blumenkronenartigen Kreis, 3 bis vielen Staubblättern und 3-6 verwachsenen Fruchtblättern bestehen. Unterfamilien bilden die Hydrilleae, zu denen die in Europa eingewanderte Wasserpest (Elodea canadensis) gehört, die Vallisnerieae und die Stratiotideae. Fossil sind wenige Arten aus Tertiärschichten bekannt. Vgl. Richard, Mémoire sur les Hydrocharidées (Par. 1811); Caspary, Die Hydrilleen (Pringsheims "Jahrbücher", I); Chatin, Mémoire sur le Vallisneria spiralis (Par. 1855).

Hydrocharis L. (Froschbiß), Gattung aus der Familie der Hydrocharideen, Wasserpflanzen mit zweihäusigen Blüten und lederartiger, eiförmiger, sechsfächeriger, vielsamiger Kapsel. H. morsus ranae L. (gemeiner Froschbiß), mit im Schlamm kriechendem Wurzelkörper, gestielten, nierenförmig-kreisförmigen Blättern und weißen Blüten in Gräben und schlammigen Teichen, war früher offizinell und wird vielfach in Aquarien gezogen.

Hydrochelidon, Wasserschwalbe.

Hydrochinon, s. Chinon.

Hydrochlorsäure, s. v. w. Chlorwasserstoffsäure oder Salzsäure (s. Chlorwasserstoff).

Hydrochrysamid, s. Chrysaminsäure.

Hydrocores, s. Wanzen.

Hydrocyansäure, s. v. w. Cyanwasserstoffsäure oder Blausäure.

Hydrodynamik (griech.), die Lehre von der Bewegung der Flüssigkeiten. S. Ausflußgeschwindigkeit, Reaktion.

Hydroextraktor (griech.-lat., "Wasserauszieher"), eine zum Trocknen benutzte Zentrifugalmaschine (s. d.).

Hydrogenium (Hydrogen, griech., "Wassererzeuger"), s. v. w. Wasserstoff (s. d.).

Hydrographie (griech.), "Beschreibung der Gewässer". Als Teil der physikalischen Geographie aufgefaßt, gehört dahin die Beschreibung der Quellen, Flüsse, Seen und des Meers. Anderseits begreift man darunter den Teil der Erdbeschreibung, welcher für die Schiffahrt im besondern von Wichtigkeit ist, die Anfertigung der Seekarten, Beschreibung der Küsten und die praktische Meereskunde, während die wissenschaftliche Meereskunde neuerdings unter der Bezeichnung Ozeanographie begriffen zu werden pflegt. Die Förderung beider Zweige der Meereskunde fällt naturgemäß in erster Linie den staatlichen Organen des Seewesens zu und bildet in Friedenszeiten einen Spezialdienstzweig der Kriegsmarinen. Ein hydrographisches Amt bildet dann die Stelle, an welcher das einschlägige Material gesammelt und bearbeitet wird (z. B. in Deutschland das hydrographische Amt der Admiralität, in England das Hydrographic office of the Admiralty, an dessen Spitze