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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hydrostatische Presse - Hyères.

für beliebig gestaltete Körper gilt, durch einen Versuch zu bestätigen, bedient man sich der hydrostratischen Wage ^[richtig: hydrostatischen Wage] (Fig. 3), d. h. einer Wage, deren eine Schale unten mit einem Häkchen versehen und kürzer aufgehängt ist, um ein Gefäß mit Flüssigkeit darunterstellen zu können; an das Häkchen hänge man mittels eines feinen Drahtes einen Metallcylinder und stelle auf die Wagschale einen Hohlcylinder, welcher von jenem massiven Cylinder genau ausgefüllt wird; während dieser frei in der Luft schwebt, bringe man die Wage durch Gewichte, welche man auf die andre Schale legt, ins Gleichgewicht. Taucht man nun den Cylinder in das Wasser eines untergestellten Gefäßes, so verliert er an Gewicht, und die kürzere Wagschale steigt; das Gleichgewicht stellt sich aber vollkommen wieder her, wenn man den auf der Wagschale stehenden Hohlcylinder bis zum Rand mit Wasser füllt. Man sieht also, daß der Gewichtsverlust des untergetauchten Körpers durch das Gewicht einer Flüssigkeitsmenge von gleichem Rauminhalt genau aufgewogen wird.

Ein untergetauchter Körper, dessen Gewicht demjenigen der verdrängten Flüssigkeitsmenge genau gleich ist, verliert sein ganzes Gewicht und schwebt daher in der Flüssigkeit ohne Bestreben, zu sinken oder zu steigen; ist sein Gewicht größer, so wird er untersinken, ist es kleiner als dasjenige der verdrängten Flüssigkeit, so steigt er in der Höhe, taucht teilweise aus der Oberfläche empor und schwimmt nun an der Oberfläche, sobald der Auftrieb von seiten der Flüssigkeit, nämlich das Gewicht der von seinem untergetauchten Teil verdrängten Flüssigkeitsmenge, dem ganzen Gewicht des Körpers gleich und dieses sonach zu tragen im stande ist. Dieser Satz kann mit Hilfe des Gefäßes Fig. 4, welches mit einem seitlichen Abflußröhrchen versehen ist, leicht bewiesen werden. Nachdem das Gefäß bis zur innern Öffnung des Röhrchens mit Wasser gefüllt ist, senkt man den schwimmenden Körper langsam und vorsichtig ein; durch das Röhrchen wird alsdann das verdrängte Wasser in ein untergestelltes Becherglas abfließen. Bringt man jetzt dieses Glas, welches vorher tariert worden, auf die eine, den abgetrockneten Schwimmer auf die andre Schale einer Wage, so spielt dieselbe ein und zeigt somit, daß der schwimmende Körper ebenso schwer ist wie das von seinem untergetauchten Teil verdrängte Wasser.

^[Abb.: Fig. 3. Hydrostatische Wage. Fig. 4. Überlaufgefäß.]

Hydrostátische Presse, s. Auslaugen.

Hydrostátisches Bett, ein von dem englischen Arzt Neil Arnott (geb. 1788 zu Arbroath in Angusshire, gest. 1874 in London) erfundenes Bett zur Verhütung des Aufliegens der Kranken, besteht aus einem badewannenartigen Kasten, welchen man mit Wasser füllt, und einem breiten Kautschuktuch darüber, auf welches eine mehrfach zusammengelegte Decke als Matratze und ein Kopfkissen gelegt werden. Auf dieser schwimmenden Matratze fühlt der Kranke nicht den geringsten Druck.

Hydrostátische Wage, s. Hydrostatik und Spezifisches Gewicht.

Hydrosulfide, s. Schwefelmetalle.

Hydrotachometer (griech.), s. Tachometer.

Hydrotechnik (griech.), Wasserbaukunst.

Hydrotherapie (griech.), s. Kaltwasserkur.

Hydrothionsäure, s. v. w. Schwefelwasserstoff.

Hydrothorax (griech.), s. v. w. Brustwassersucht.

Hydroxyde und Hydroxydule, s. Basen.

Hydroxyl, in der Chemie die einwertige Atomgruppe OH, welche wie ein einwertiges Atom auftritt und z. B. häufig in chemischen Verbindungen Chlor ersetzt oder durch andre einwertige Atome ersetzt wird.

Hye, Anton, Freiherr von H.-Glunek, österreich. Rechtsgelehrter, geb. 26. Mai 1807 zu Glunek in Oberösterreich, ward 1832 supplierender und 1842 ordentlicher Professor der Rechte an der Universität Wien. Im März 1848 war er einige Tage Oberanführer sämtlicher Studentenkorps; als Generalsekretär des Justizministeriums, wozu er 1. Mai 1848 ernannt wurde, befürwortete er jedoch die Auflösung der akademischen Legion, wurde deshalb vom Volkssicherheitsausschuß 26. Mai verhaftet und dem Kriminalgericht wegen Hochverrats an der Souveränität des Volkes übergeben, von diesem aber freigesprochen. An der Ausarbeitung des Preßgesetzes 1849 und des Strafgesetzbuchs 1852 hatte er hervorragenden Anteil. Vom 27. Juni bis 30. Dez. 1867 war er Justizminister und verwaltete zugleich das Unterrichtsministerium. Am 20. Jan. 1869 wurde er ins Herrenhaus berufen und im nämlichen Jahr vom Herrenhaus zum Mitglied des Reichsgerichts erwählt, bei welchem er seitdem als ständiger Referent fungiert. Er bearbeitete einen Kommentar zum österreichischen Strafgesetzbuch (Wien 1855, Bd. 1) und schrieb außerdem: "Die leitenden Grundsätze der österreichischen Strafprozeßordnung" (das. 1854); "Über das Schwurgericht" (das. 1864). Neuerdings gab er eine "Sammlung der Erkenntnisse des österreichischen Reichsgerichts" (Wien 1874-86, 7 Tle.) heraus.

Hyères (spr. iähr), Stadt im franz. Departement Var, Arrondissement Toulon, 5 km vom Mittelmeer, in überaus schöner Gegend, am Südabhang der Bergkette Les Maurettes gelegen, welche nebst den Montagnes des Maures die Stadt gegen N. und NO. schützt, wogegen sie allerdings dem Mistral (NW.) ausgesetzt ist. H. steht mit Toulon durch Eisenbahn in Verbindung, hat in seinem ältern Teil steile und krumme Straßen, Reste von Festungsmauern und zwei Kirchen, in seinem neuen Teil moderne, komfortable Gebäude. Die Place Royale schmückt eine Marmorstatue Karls von Anjou, die Place Massillon eine Säule mit der Büste des berühmten gleichnamigen Kanzelredners, der hier geboren ward. H. ist besonders bekannt durch sein mildes Klima und daher Aufenthaltsort zahlreicher Brustkranken im Winter. Die mittlere Temperatur beträgt 15° C. (Dezember bis Februar 12° C.); an der Küste befinden sich Seebäder. Die Zahl der Bewohner betrug 1881: 6754. Außer der Obstkultur, besonders in frühreifen Sorten, beschäftigen sich die Einwohner mit Branntweinbrennerei und Destillation wohlriechender Wasser, Olivenölgewinnung und Salzproduktion aus den nahegelegenen Salinen (Salins Vieux im O., Salins Neufs im S., zusammen mit 300 Arbeitern und 40,000 Ton. Jahresproduktion). - H. ist das Castrum