Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

850

Hyperbulie - Hyperlogisch.

tags, pflücken abends die Früchte und bringen sie nachts in die Gruben. Sie wohnten in Hainen und Gehegen, lebten von Baumfrüchten, aßen kein Fleisch und kannten, stets in froher Muße lebend, weder Krieg noch Streit. Mit größtem Eifer lagen sie dem Kultus des Apollon, der vom Beginn des Frühlings bis in den Sommer hinein bei ihnen zu verweilen pflegte, ob und wurden weder durch Krankheit noch durch kraftloses Alter gestört. Dem heiligen Volk war ein tausendjähriges Alter beschieden, und erst, wenn sie des Lebens satt waren, starben sie freiwillig eines schnellen, schmerzlosen Todes.

H. oder Arktiker nennt die heutige Wissenschaft eine Reihe von Völkern im Nordosten Asiens und im Nordwesten und Norden Amerikas, welche anthropologisch von den Hochasiaten einerseits und den Indianern anderseits abweichen, wie sie denn auch ethnologisch weder mit den einen noch mit den andern zusammenhängen. Zu ihnen gehören die Jukagiren, Tschuktschen, Korjaken, Kamtschadalen, Aino, Jenissei-Ostjaken und Kotten in Asien, die Innuit [heute: Inuit] und Alëuten in Amerika. - Scherzweise gebraucht man den Ausdruck H. zuweilen auch für Sonderlinge in Sitten, Kleidung etc.

Hyperbulie (griech.), Übermaß von Willenskraft, Starrsinnigkeit.

Hyperchlorid, s. v. w. Superchlorid, s. Chlormetalle.

Hyperdiapente (griech.), Oberquinte; Hyperdiatessaron, Oberquarte.

Hypereides (Hyperides), einer der zehn attischen Redner, geboren um 390 v. Chr. im attischen Demos Kollytos, Schüler des Platon und Isokrates, hielt als Politiker treulich zur patriotischen Partei des Demosthenes. Nach Philipps Tod schloß er sich denen an, welche ein Bündnis der Athener und Thebaner betrieben, um das makedonische Joch abzuwerfen, weshalb Alexander seine Auslieferung verlangte, der er nur mit genauer Not entging. Im Harpalischen Prozeß trat er als Ankläger des Demosthenes auf und wirkte zu seiner Verurteilung mit, söhnte sich aber mit ihm wieder aus, als er nach Alexanders Tod aus der Verbannung zurückkehrte. Wie dieser nach dem unglücklichen Ausgang des Lamischen Kriegs, dessen Hauptanstifter er gewesen war, von der makedonischen Partei zum Tod verurteilt, floh er nach Ägina, wo er auf Antipatros' Befehl 322 hingerichtet wurde. Von seinen ihrer Gewandtheit und Anmut wegen geschätzten Reden, deren das Altertum 77 besaß, aber nur 52 als echt anerkannte, waren bis auf neuere Zeit nur vereinzelte Fragmente vorhanden; 1847 wurden von den Engländern Harris und Arden bedeutende Bruchstücke der erwähnten Anklage gegen Demosthenes und der Rede für Lykophron sowie die vollständige Rede für Euxenippos auf Papyrusrollen, die aus Gräbern des ägyptischen Theben stammten, und 1856 ein großer Teil der 323 gehaltenen Leichenrede auf die bei der Belagerung von Lamia Gefallenen von dem Engländer Stobart ebenfalls in Ägypten aufgefunden. Harris und Arden veröffentlichten ihre Funde London 1847 und 1853; die Leichenrede gab zuerst Babington daselbst 1858 heraus. Neueste Ausgabe von Blaß (2. Aufl., Leipz. 1881); eine Übersetzung besorgte Teuffel (2. Aufl., Stuttg. 1883). Vgl. Blaß, Attische Beredsamkeit, Bd. 3, Abt. 2 (Leipz. 1880); Girard, H., sa vie et ses écrits (Par. 1861).

Hyperemesis (griech.), übermäßiges Erbrechen.

Hypereten (griech.), bei den alten Griechen Diener mancherlei Gattung, z. B. die Unterbeamten der Magistrate, auf der Flotte die Schiffsmannschaft außer den Seesoldaten, die Burschen bei den Landtruppen etc.

Hypericeen (Hyperikaceen, Hartheugewächse), dikotyle, etwa 210 Arten umfassende Familie aus der Ordnung der Cistifloren unter den Polypetalen, Kräuter oder Holzpflanzen mit gegenständigen oder quirligen Blättern, die bisweilen durch Öldrüsen durchsichtig punktiert erscheinen. Die zu Schrauben angeordneten Blüten haben einen fünfgliederigen Kelch- und Blumenblattkreis und zeichnen sich durch drei oder fünf Staubgefäßbündel aus, die durch Spaltung aus ebenso vielen Staubblattanlagen hervorgehen. Der oberständige Fruchtknoten ist unvollständig oder vollständig, drei- oder fünffächerig und enthält zahlreiche Samenknospen, die sich zu kleinen, eiweißlosen Samen mit geradem oder gekrümmtem Keimling ausbilden. Vgl. Choisy, Prodr. d'une monographie des Hypericinées (Genf 1821). Die H. sind über die gemäßigten und wärmern Klimate der Erde verbreitet, zum größten Teil in der nördlichen gemäßigten Zone einheimisch, in Europa hauptsächlich durch die Gattung Hypericum L. vertreten; die baumartigen gehören alle den Tropen an. Alle enthalten ein ätherisches Öl, das in den Bäumen am reichlichsten vorkommt und aus solchen gewonnen wird.

Hypericum L. (Hartheu), Gattung aus der Familie der Hypericeen, Kräuter, Halbsträucher und Sträucher mit gegenüberstehenden, meist ganzrandigen, oft durchsichtig punktierten Blättern, meist gelben Blüten in endständigen, einfachen oder traubig zusammengesetzten Rispen und vielsamiger Kapsel. Etwa 160 Arten, meist in den gemäßigten Klimaten der nördlichen Erdhälfte und in den Gebirgsregionen der Tropen. H. perforatum L. (Johanniskraut, Johannisblut, Hexenkraut, Hasenkraut, Teufelsfluch), bis 60 cm hoch, mit ungestielten, durchscheinenden u. am Rand schwarz punktierten Blättern und gelben, am Rand ebenfalls schwarz punktierten Blumenblättern, riecht balsamisch, schmeckt herb, bitter, harzig, wächst überall an sonnigen Plätzen und ward früher als Schutzmittel gegen Hexen und Gespenster, besonders der beim Zerdrücken der Blütenknospen austretende violettrote Saft als Zaubermittel benutzt; auch war das Kraut offizinell. Andre Arten, wie das immergrüne H. calycinum L. aus dem Orient, das schöne immergrüne H. oblongifolium Wall., mit roten Ästen und Zweigen und bis 10 cm langen Blättern, aus dem Himalaja, das echte Konradskraut (H. Androsaemum L.) aus Südeuropa etc., werden bei uns als Zierpflanzen in Gärten kultiviert.

Hyperion, in der griech. Mythologie ein Titane, Sohn des Uranos und der Gäa, zeugte mit seiner Schwester Theia den Helios, die Selene und Eos. Bei Homer ist H. Beiname des Helios selbst.

Hyperit, s. v. w. Hypersthenit.

Hyperius, Andreas Gerhard, protestant. Theolog, geb. 1511 zu Ypern, war von 1541 bis zu seinem Tod 1564 Professor der Theologie in Marburg. Sein Buch "De formandis concionibus sacris" gilt als die beste Homiletik des 16. Jahrh., und in der Schrift "De recte formando theologiae studio" lieferte er die erste Encyklopädie und Methodologie der Theologie.

Hyperkatalektisch (griech.), s. Katalexis.

Hyperkinesis (griech.), s. v. w. Krampf.

Hyperkritik (gr.), eine übertriebene, zu strenge Kritik.

Hyperkultur (griechisch-lat.), Überbildung.

Hyperlogisch (griech.), übervernünftig, was über die Vernunft hinausgeht; Hyperlogismus, etwas Hyperlogisches.