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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Iasion - Iberis.

Iasion (Iasios), nach griech. Mythus Liebling der Demeter, mit der er in Kreta den Plutos erzeugte, weswegen ihn Zeus mit dem Blitz tötete.

Iason, in der griechischen Heroensage Sohn des Äson, Königs von Iolkos in Thessalien, hatte den Kentauren Cheiron zum Lehrer, wohnte als Jüngling der kanonischen Jagd bei und gab dann die Veranlassung zum Argonautenzug. Pelias hatte nämlich seinem Halbbruder Äson die Herrschaft entrissen und dieser kaum seinen Knaben den Nachstellungen des Tyrannen entziehen können. Als I. zum Jüngling herangewachsen war, stellte er sich seinem Oheim Pelias vor, und zwar kam er nur mit Einer Sandale, da er die andre beim Durchschreiten eines Flusses verloren hatte. Der Oheim, welchen das Orakel vor dem Einschuhigen gewarnt hatte, trug ihm daher, um ihn zu entfernen, die Fahrt nach dem Goldenen Vlies auf unter dem Vorwand, er selbst würde das Unternehmen ausführen, wenn er sich nicht zu alt fühlte; wenn I. es glücklich zu stande bringe, so sei er zur Rückgabe der Herrschaft an I. bereit (das Weitere s. Argonauten). Was Iasons spätere Schicksale anlangt, so soll er, durch die Rache der Medea (s. d.) zur Verzweiflung gebracht, sich selbst getötet, nach andern aber ein heimatloses Leben geführt haben und, als er einst im Schatten des Schiffs Argo erschöpft eingeschlafen war, von einem herabfallenden Balken erschlagen worden sein.

Iatrik (griech.), s. v. w. Iatrotechnik.

Iatrochemie (Chemiatrie, griech.), altes medizin. System, welches sämtliche Vorgänge im Körper und die Wirkungen der Heilmittel auf chemische Prozesse zurückführte. Es wurde von Paracelsus und van Helmont vorbereitet, von Sylvius und Stahl ausgebildet. S. Chemie und Medizin.

Iatromathematik (Iatromechanik), altes medizin. System, welches das Leben aus den Gesetzen der Statik und Hydraulik begreifen und die Medizin als einen Teil der angewandten Mathematik und mechanischen Physik behandelt wissen wollte.

Iatros (griech.), Arzt.

Iatrotechnik (griech.), praktische Heilkunst, besonders Wundarzneikunst.

Ib., Abkürzung für ibidem (s. d.).

Ibabao, Insel, s. Samar.

Ibagué (spr. -ge), Stadt im Staate Tolima der südamerikan. Republik Kolumbien, an der Straße zum Quindiupaß (s. d.), 1290 m ü. M., mit höherer Schule, Schwefel-, Silber- und Zinnobergruben, einer heißen Quelle und (1870) 10,342 Einw., die lebhaften Handel mit Vieh, Kakao, Zucker und Kaffee treiben.

Ibar, rechter Nebenfluß der Morawa in Serbien, entspringt im Sandschak Novipasar, verfolgt anfangs nordöstliche, dann östliche Richtung und wendet sich erst bei Mitrowitza, wo er sich mit der Sitnitza vereinigt, nach N. Er nimmt dann links die Raschka auf und mündet wenige Kilometer unterhalb Karanowatz.

Ibarra (San Miguel de I.), Hauptstadt der Provinz Imbabura im südamerikan. Staat Ecuador, 2225 m ü. M. auf einer schönen Ebene gelegen, hat eine höhere Schule, ein Hospital, Weberei von wollenen und baumwollenen Stoffen und etwa 13,000 Einw. I. wurde 1597 gegründet.

Ibarra, Joachim, Buchdrucker, geb. 1726 zu Saragossa, für seine Verdienste um die Buchdruckerkunst von Karl III. zum Hofbuchdrucker ernannt, gest. 23. Nov. 1785 in Madrid. Obwohl er nie außerhalb seines Vaterlandes war und somit alle Verbesserungen selbst zu erfinden oder seinen Bedürfnissen anzupassen hatte, stellte er seine Arbeiten doch in so hoher Vollendung her, daß sie denen der Didots, Bodonis u. a. gleich geachtet werden. Seine Bibelausgabe, das mozarabische Missale, Don Quichotte (1780, 4 Bde. mit Kupfern), Geschichte Spaniens von Mariana (1780, 2 Bde.), Übersetzung des Sallust (1772) sind die geschätztesten Leistungen seiner Pressen.

Ibbenbüren, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Münster, Kreis Tecklenburg, 79 m ü. M., an der Aa u. am Fuß des Schafbergs sowie an der Linie Löhne-Rheine der Preußischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine katholische und eine evang. Pfarrkirche, eine königliche Berginspektion, Bergbau auf Steinkohlen u. Eisenstein, Steinbrüche, Kalkbrennerei, Baumwollweberei, Glashütten, Stärke- und Maschinenfabrikation, Dampf- und Sägemühlen, Ockerschlämmerei und -Brennerei und (1885) 4103 meist kath. Einwohner. Dabei die Landgemeinde I. (mit 5386 Einw.). Das Ibbenbürener Steinkohlengebirge erhebt sich, einer Insel gleich, im nördlichen Westfalen zwischen den äußersten Ausläufern des nordwestdeutschen Gebirgssystems bis zu einer Höhe von 175 m und liefert einen jährlichen Ertrag von etwa 2 Mill. Doppelzentnern Kohlen.

Iberien, 1) bei den Alten das fruchtbare obere Gebiet des Flusses Cyrus (Kur), das jetzige Georgien, grenzte im W. an Kolchis, im N. an den Kaukasus, im O. an Albanien, im S. an Armenien und brachte Getreide in Menge, Öl und guten Wein hervor. Die Einwohner, welche sich selbst Karthli nannten, nicht indogermanischen Stammes und Vorfahren der heutigen Georgier, hießen bei den Griechen und Römern Iberes oder Iberi, waren friedlich und zivilisiert und lassen arische (medische) Einflüsse erkennen. Ihre Hauptbeschäftigung war der Ackerbau, ihr Kultus, wie der medische, Sonnendienst. Des Aramasd (Ahuramasda) Tempel stand in Harmastica (Trümmer unweit Tiflis). Streng waren bei ihnen die vier Kasten der Adligen, Priester, Krieger und bäuerlichen Sklaven geschieden. Bekannter ward I. erst durch den Feldzug des Pompejus in den kaukasischen Ländern (65 v. Chr.) und durch den Bericht seines Geheimschreibers Theophanes, aus welchem alle uns erhaltenen Autoren schöpften. Später, namentlich seit Trajan, stand I. unter römischem Einfluß, unter dem es bis nach dem Tode des Julianus blieb. Darauf ward es von dem persischen König Sapor erobert. Das Christentum kam unter Konstantin ins Land. Die Blüte des iberischen Reichs fällt ins 5.-7. Jahrh. n. Chr., als die Sassaniden zu schwach waren, dort ihr Ansehen aufrecht zu erhalten.

2) Alter Name für Hispanien, insbesondere das vom Iberus (Ebro) durchströmte Land der Iberer, eines Urvolkes im südwestlichen Europa, das über ganz Spanien und bis nach Gallien hinein verbreitet war. Nachkommen dieser alten Iberer sind die heutigen Basken, wie W. v. Humboldt in der "Prüfung der Untersuchungen über die Urbewohner Hispaniens vermittelst der baskischen Sprache" (Berl. 1821) dargethan hat. Aus der Vermischung iberischer und eingewanderter keltischer Stämme entstanden die Keltiberer (s. d.) in den Hochebenen des mittlern Spanien.

Iberis L. (Schleifenblume), Gattung aus der Familie der Kruciferen, ein- oder mehrjährige Kräuter oder Halbsträucher mit ganzen oder fiederteiligen, etwas fleischigen Blättern und rundlichen bis verkehrt-eiförmigen, oben ausgerandeten Schötchen, 20 Arten, meist in den Gebirgen Südeuropas und Kleinasiens. I. amara L., 20-25 cm hoch, einjährig, mit weißen, wohlriechenden Blüten in endständigen