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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Iberische Halbinsel; Iberische Sprache; Iberisches Gebirge; Iberus; Ibex; Ibicui; Ibidem; Ibischstrauch; Ibisse

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Iberische Halbinsel - Ibisse.

Trauben, auf Kalkboden in Südwest- und Westdeutschland, I. umbellata L., einjährig, mit violetten oder purpurnen Blüten, in Spanien, werden in mehreren Varietäten als Freilandpflanzen in Gärten kultiviert, ebenso die ausdauernde I. sempervirens L., während einige ausdauernde Arten, wie I. semperflorens L., sich für Topfkultur eignen.

Iberische Halbinsel, s. v. w. Pyrenäische Halbinsel (Spanien und Portugal).

Iberisches Gebirge, Gebirgssystem in Spanien, bildet den hohen Ostrand des zentralen Tafellandes und zugleich die Hauptwasserscheide der Halbinsel zwischen dem Atlantischen und Mittelländischen Meer, indem es sich, abweichend von den übrigen Gebirgssystemen, von NW. nach SO. erstreckt. Es besteht teils aus Gebirgsketten und Berggruppen, teils aus dazwischen eingeschobenen Hochebenen und Parameras und breitet sich, von den Ebroquellen beginnend, gegen S. zu bedeutend aus, indem hier seine Verzweigungen den ganzen breiten und terrassierten Ost- und Südabhang des Tafellandes bedecken und bis an die Küsten herantreten, welche sie in weiter Ausdehnung von der Mündung des Llobregat an bis gegen die des Rio Segura hin umgürten. Im einzelnen läßt sich dieses Gebirgssystem, das den Osten beider Kastilien, ganz Valencia, Südaragonien und Südkatalonien (im ganzen wohl 40,000 qkm) bedeckt und im allgemeinen einen mit seiner Konvexität gegen NO. gekehrten Bogen von 650 km Länge beschreibt, naturgemäß in drei Abteilungen scheiden: 1) Die altkastilische Kette am rechten Ebroufer, welche sich wieder aus der Sierra Demanda (2305 m), der Gruppe des Pico de Urbion (2252 m), der Cebollera (2176 m) und der Sierra del Moncayo (2349 m) zusammensetzt. 2) Das südaragonische Hochland, welches südlich vom Jalon als Fortsetzung der altkastilischen Kette anhebt und aus der Sierra de Cucalon und andern nach SO. gerichteten Zügen besteht, an den Quellen des Guadalaviar und des Alfambra aber sich zu einem weitverzweigten Bergland verbreitet. Dasselbe greift aus der aragonischen Provinz Teruel auch in die angrenzenden Provinzen Cuenca, wo es die Serrania de Cuenca bildet, und in die valencianische Provinz Castellon hinüber, wo es sich gegen das Meer zu abdacht, nördlich aber bis zur Ebromündung reicht und jenseit derselben in der katalonischen Bergstraße seine Fortsetzung findet. Hervorragende Gebirgszüge sind in diesem Teil des iberischen Gebirgssystems die Sierra de Albarracin (s. d.), Sierra de Gudar (1770 m), Sierra de Javalambre (2002 m) und die Gruppe des Peña Golosa (1813 m). Das südaragonische Hochland erscheint als ein ausgedehntes Plateau, welches von den Thälern der nach allen Seiten abgießenden Gewässer durchfurcht wird. Schroffe, zerklüftete Felsengebirge mit tiefen Schluchten bilden dagegen die östlichen, die Provinz Castellon erfüllenden Verzweigungen. 3) Das südvalencianische Bergland, zwischen dem Unterlauf des Guadalaviar und des Segura, vom Jucar in zwei Teile geschieden, bestehend aus einer Menge paralleler, wenig oder gar nicht zusammenhängender, von weiten Thälern geschiedener Gebirgsmauern, darunter die Sierras Martes, Enguera, Grosa, de las Cabres etc. Dieselben verlaufen gegen die Küste hin und endigen vielfach in schroffen Felsenkaps. Die bedeutendste Erhebung ist hier der Moncabrer (1386 m). Das Iberische Gebirge scheint meist der Juraformation anzugehören oder auch aus ältern Tertiärbildungen (Nummulitenkalk) zu bestehen; Marmor und Sandstein sind häufig; die größern Thäler enthalten Tertiärlager. Wie für den mittlere Teil des ganzen Zugs die Form der Parameras, so ist für den südlichen die der Muelas ("Mühlsteine"), d. h. isolierter, abgestutzter und schroff abfallender Felsenkegel, charakteristisch. S. Karte "Spanien und Portugal".

Iberische Sprache, s. v. w. Georgische Sprache.

Iberus, antiker Name des Ebro (s. d.).

Ibex, der Steinbock.

Ibicui, Dorf im südamerikan. Staat Paraguay am Fuß der Sierra Tatuqua, südwestlich von Villarica. In der Nähe Eisengruben und die von Lopez gegründeten Eisenhütten.

Ibidem (lat., meist abgekürzt: ib. oder ibid.), "ebendaselbst", an demselben Ort.

Ibischstrauch, s. Hibiscus.

Ibisse (Ibidinae), Unterfamilie aus der Ordnung der Watvögel und der Familie der Ibisse (Hemiglottides), mittelgroße, kräftig gebaute Vögel mit kleinem Kopf, mittellangem Hals, schlankem, langem, sichelförmig abwärts gekrümmtem, von der Wurzel nach der Spitze allmählich verdünntem, rundem, nur an der Spitze hartem Schnabel mit einer Längsfurche auf dem Oberschnabel, mäßig hohen Füßen, ziemlich langen Zehen, deren drei vordere durch eine kleine Spannhaut vereinigt werden, schmalen, scharfen Krallen, großen, breiten, zugerundeten Flügeln, unter deren Schwingen die zweite am längsten ist, und kurzem, abgerundetem oder etwas ausgeschnittenem Schwanz. Hierher gehört der Sichler (Sichelreiher, Schwarzschnepfe, Falcinellus igneus Gray), 60 cm lang, 98 cm breit, mit schlankem Leib, mittellangem Hals, langem, bogenförmigem Schnabel, mittellangen Füßen und längern, den kurzen Schwanz deckenden Flügeln, ist kastanienbraunrot, auf dem Scheitel, Rücken, den Schwung- und Steuerfedern dunkelbraun mit violettem oder grünlichem Schimmer, mit braunem Auge, grüngrauem, nacktem Augenkreis, dunkelgrünem Schnabel und grüngrauem Fuß, lebt in allen Erdteilen, in Europa nördlich bis zu den Donautiefländern und dem südlichen Polen, verfliegt sich bisweilen nach Deutschland, findet sich in Brüchern, Morästen oder in deren Nähe, lebt gesellig und fliegt stets in zu einer langen Linie geordneten Gesellschaften. Er nährt sich von Insekten, Muscheln, Würmern, Fischen, Amphibien etc., nistet in buschreichen Sümpfen, am liebsten in alten Reihernestern und legt 3 bis 4 blaugrüne Eier; sein Fleisch ist sehr schmackhaft. Der rote Ibis (Ibis rubra Vieill.), 63 cm lang, dem vorigen sehr ähnlich, aber im Gesicht nackt, gleichmäßig lebhaft scharlachrot, mit gelben Augen, fleischrotem, an der Spitze bräunlichem Schnabel und gelbroten Füßen, bewohnt Mittelamerika und das nördliche Südamerika an den Küsten oder den Flußmündungen und nistet im Schilf. Die Jungen sind blaßbraun, unten weiß und werden erst nach der zweiten Mauser rot. Sie lassen sich leicht zähmen, und man bringt sie auch nach Europa, wo sie sich aber niemals so intensiv färben wie in der Heimat. Der heilige Ibis (I. [Threskiornis] religiosa Gray, s. Tafel "Watvögel II"), 7,5 cm lang, 1,3 m breit, mit am Grund ziemlich dickem Schnabel, nacktem Kopf und Hals, verlängerten, zerschlissenen Schulterfedern und langen, starken Füßen, ist weiß, unter den Flügeln gelblich, mit bläulich-schwarzen Schwingenspitzen und Schulterfedern, karminroten Augen, schwarzem Schnabel und schwarzbraunen Füßen, lebt im südlichen Nubien, im Sudân, erscheint dort mit Beginn der Regenzeit, brütet und verschwindet mit seinen Jungen nach 3-4 Monaten wieder, ohne indes weit fortzuziehen. Seine Haltung