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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

885

Ihering - Ikonologie.

Ihering, Rudolf von, s. Jhering (unter "j").

Ihlekanal, s. Havel und Plaue.

Ihlen, s. Hering.

Ihna (Große I.), Fluß im preuß. Regierungsbezirk Stettin, entspringt im Kreise Saatzig aus dem Enziger See bei Nörenberg, fließt zuerst von N. nach S., dann im allgemeinen nach NW., von Gollnow an nach W., wird bei Stargard, wo sie links die Kleine oder Faule I. aufnimmt, für Kähne schiffbar und mündet nach einem Laufe von 112 km in den Dammschen See (s. Oder).

Ihr, zweites Personalpronomen der Mehrzahl, dient zur Anrede mehrerer Personen, wurde aber im Mittelalter, wie jetzt noch in der deutschen Schweiz, in Tirol und bei den Bauern in Deutschland, allgemein als Höflichkeitsausdruck zur Anrede auch einzelner ferner oder höher stehender Personen gebraucht. In der vormals hannöverschen Armee gebrauchten die Offiziere im kameradschaftlichen Verkehr unter sich die Anrede "Ihr". Vgl. Duzen.

Ihram (arab.), vorgeschriebenes Kleid der Mekkapilger, besteht aus zwei viereckigen Tüchern von Baumwollstoff, deren eins, um die Lenden geschlagen, auf die Kniee herabhängt, während das andre die linke Schulter und den Rücken bedeckt, den rechten Arm aber freiläßt; ursprünglich Zeichen der Bescheidenheit aus der Zeit Mohammeds. Es dient auch als Leichentuch für Pilger und, ein stetes Memento mori, bei frommen Mohammedanern als Turban.

Ihtisab-Naziri (türk.), in Konstantinopel Aufseher der Verzehrungssteuer, der auch zugleich über Preise, Maß, Gewicht und Beschaffenheit der Lebensmittel zu wachen hat; dies jedoch nur in den türkischen Teilen der Hauptstadt, da Pera und Galata seit dem Krimkrieg selbständige Verwaltung haben, an deren Spitze ein Präfekt nach französischem Muster steht.

Ijar (Jar, hebr.), der zweite Monat des bürgerlichen, der achte des festlichen jüdischen Jahrs, in Mai-Juni fallend, hat 29 Tage. Der 18. I. heißt Lag b'omer, d. h. der 33. Tag in der Omerzeit (die Zeit zwischen dem Passah- und Wochenfest).

Ik, zwei Flüsse in Rußland. Der erste entspringt im Belebejschen Kreis des Gouvernements Ufa und mündet nach 420 km langem Lauf links in die Kama. In seinem rechten hohen, aus Gips bestehenden Ufer sind viele Höhlen, darunter als die bekannteste die Ikhöhle, nördlich vom Baschkirendorf Meskeu, in welcher die Temperatur nie über den Gefrierpunkt steigt. Der andre Ik entspringt im Gouvernement Orenburg nicht weit vom Kirchdorf Kananikolskij und mündet rechts in die Sakmara (Nebenfluß des Urals). Seine Länge beträgt 260 km.

Ikaamaui (Ahinomaui), die Nordinsel von Neuseeland (s. d.).

Ikakopflaume, s. Chrysobalanus.

Ikarier (franz. Icariens), die Anhänger des franz. Kommunisten Cabet (s. d.).

Ikarios, 1) ein Heros der Athener, der von Dionysos, welchen er freundlich aufgenommen, im Weinbau unterrichtet wurde. Als er darauf zur Verbreitung desselben mit den weingefüllten Schläuchen im Land umherfuhr und die Hirten, von seiner Gabe berauscht, hinsanken, erschlugen ihn deren Genossen in der Meinung, daß er sie vergiftet habe, und begruben ihn unter einem Baum auf dem Hymettos. Nach langem Suchen fand endlich seine Tochter Erigone, begleitet von dem treuen Hund Mära, das Grab und erhängte sich an dem Baum. I. wurde als Bootes oder Arkturos (s. Arcturus), Erigone als Jungfrau, Mära als Hundsstern an den Himmel versetzt. Den Athenern aber schickte Dionysos Pest und Raserei der Jungfrauen, zu deren Abwehr man der Erigone und dem I. ein Opferfest stiftete.

2) Vater der Penelope, der Gemahlin des Odysseus.

Ikarisches Meer, der südöstliche Teil des Ägeischen Meers, insbesondere der die Insel Ikaria (jetzt Nikaria) umgebende; s. Ikaros.

Ikaros, in der griech. Mythologie Sohn des Dädalos (s. d.), flog nach der spätern Sage, als er seinen Vater auf der Flucht von Kreta begleitete, gegen die Warnung desselben so hoch, daß die Wärme der nahen Sonne die ihm von Dädalos angesetzten wächsernen Flügel schmolz, und fiel infolge davon bei der nach ihm benannten Insel Ikaria (jetzt Nikaria) ins Meer, das davon den Namen Ikarisches Meer (Icarium mare) erhielt. Seinen Leichnam, der an die genannte Insel angeschwemmt ward, bestattete Herakles. Pragmatisierende Erklärer fanden in den wächsernen Flügeln die Erfindung der Schiffssegel angedeutet. Über Kunstdarstellungen des I. s. Dädalos.

Ikelemba, linker Nebenfluß des Congo (s. d.).

Ikilik, Münze, = 2 türkische Piaster.

Ikon (Eikon, griech.), Bild, Abbild; ikonisch, ein gleiches Abbild darstellend; ikonische Statue, Statue in Lebensgröße (entgegengesetzt der kolossalen).

Ikonion, Stadt, s. Konia.

Ikonoborzen (griech., "Bilderstürmer"), Name einer Sekte in Rußland, die bloß im Freien betet.

Ikonodulie (griech.), Bilderverehrung, meist gleichbedeutend gebraucht mit Ikonolatrie.

Ikonográph (griech., "Bildschreiber"), ein dem Pantographen oder sogen. Storchschnabel (s. d.) ähnliches Instrument, besteht aus einer vertikalen, in irgend einem aliquoten Teil derselben nach allen Seiten hebelartig drehbaren, an beiden Enden mit beweglichen Stiften versehenen Röhre. Beim Gebrauch wird der obere Stift auf den Umrissen der Zeichnung hingeführt, die dann der untere sogleich auf den Stein verkehrt aufträgt, so daß dieselben beim Abdruck wieder in ihrer richtigen Stellung erscheinen.

Ikonographie (griech.), s. Ikonologie.

Ikonoklást (griech.), Bilderzerbrecher, -Stürmer; Ikonoklasmus, Bildersturm (s. Bilderdienst).

Ikonolatrie (griech.), Bilderanbetung, Bilderverehrung (s. Bilderdienst).

Ikonologie (Ikonographie, griech., "Bildniswissenschaft"), früher der Etymologie gemäß die Nachweisung, Verzeichnung und Geschichte von Bildnissen ausgezeichneter Personen des Altertums, also von hierher gehörigen Bildsäulen, Büsten, Münzen, Gemmen, Gemälden etc. Die Wiederhersteller dieser Wissenschaft waren Michelangelo und Fulvius Ursinus; weiter ausgebildet ward sie von Canini in seiner "Iconografia" (Rom 1669) und besonders von Visconti in den berühmten Werken: "Iconographie grecque" (Par. 1808, 3 Bde.) und "Iconographie romaine" (das. 1818-20, 3 Bde.). Das neueste Werk ist von Bernouilli ^[richtig: Bernoulli]: "Römische Ikonographie" (Stuttg. 1882 ff.). Gegenwärtig versteht man darunter die Kenntnis der Attribute, Embleme und Symbole, mit und unter welchen Götter, Heroen und mythologische Gegenstände des Altertums wie insbesondere auch christliche Heilige und Begriffe dargestellt zu werden pflegen, und unterscheidet demnach eine antike und christliche I. Vgl. (Helmsdörffer,) Christliche Kunstsymbolik und Ikonographie (anonym, 2. Aufl., Prag 1870); J. v. Radowitz, Ikonographie der Heiligen (Frankf. 1834); Didron, Histoire de Dieu, iconographie des personnes divines (Par. 1844); Derselbe, Ikonographie chrétienne grecque et latine (das.