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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ilfeld; Ilfov; Ilfracombe; Ilg; Ilgen

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Ilfeld - Ilgen.

und kugeligen, vier- bis achtsamigen Steinfrüchten; etwa 145 Arten, meist in Amerika. I. aquifolium L. (gemeine Stechpalme, Stecheiche, Stech- oder Christdorn, Walddistelstrauch), Baum oder Strauch mit bleibenden, kurzgestielten, eiförmigen, lederartigen, welligen, buchtigen, stark dornig gezahnten, spiegelnden Blättern, kurzgestielten Blüten in fast knäueligen Trugdolden und scharlachroten, erbsengroßen Beeren, in schattigen Wäldern Europas, in Deutschland namentlich im Nordwesten häufig, aber auch in Japan und in Virginia einheimisch, in nördlichen Gegenden gewöhnlich von 1,25-3,75 m Höhe, in südlichen nicht selten ein schöner, 6-12 m hoher Baum mit dicht belaubter, eiförmiger Krone. Die Stechpalme wächst ungemein langsam, und nach 80 Jahren erreicht sie nur eine mäßige Höhe. Der Same keimt erst nach 1½-2 Jahren. Man kultiviert in Gärten und Parkanlagen gegen 70 Varietäten, und da die Stechpalme den Schnitt sehr gut verträgt und gutes Ausschlagsvermögen besitzt, so wird sie mit bestem Erfolg auch als Heckenpflanze benutzt. Das Holz ist ungemein hart und dicht, im Kern grau oder braun, im Splint weiß und wird als feineres Tischlerholz und zu Drechslerarbeiten benutzt. Die Blätter schmecken bitterschleimig und wurden früher arzneilich benutzt. Die Samen dienen als Kaffeesurrogat. Von I. paraguayensis St. Hil. (s. Tafel "Genußmittelpflanzen"), einem buschigen Strauch mit keilförmig- oder länglich-lanzettlichen, stumpflichen, entfernt gesägten Blättern und achselständigen, vielteiligen Blütenstielen, werden die Blätter als Paraguaythee, Südseethee, Peruaner Thee, Maté benutzt. Die Pflanze wächst in Paraguay, bis in die Nähe von Rio de Janeiro und bis in die bolivianischen Andes wie in mehreren brasilischen Provinzen wild. Man schlägt die Zweige ab, zerkleinert sie, trocknet sie auf einem Bambusgerüst über hellem Feuer, nimmt dann die Blätter ab und zerstampft diese in Mörsern. Feinere Sorten werden durch Entfernung der Blattstiele und Blattrippen und aus jüngern Blättern auch ohne Röstung dargestellt. Das grobe, hellgrüne Pulver riecht krautartig unangenehm, nach einigen Monaten aber ziemlich aromatisch. Der Aufguß wird ähnlich wie der des chinesischen Thees zubereitet, schmeckt anhaltend bitter und riecht balsamisch; am Morgen nüchtern genossen, wirkt er aufregend; man schätzt ihn als Verdauungs- und Erfrischungsmittel und genießt ihn zu allen Tagesstunden. Als wirksamen Bestandteil enthält der Paraguaythee Kaffein (in einer der Sorten 0,44 Proz.). Der Konsum wird auf 4 Mill. kg geschätzt. Nach Bonpland wird auch noch von sechs andern Arten Paraguaythee gewonnen, und alle diese Pflanzen wachsen in den Distrikten, welche sich von der Sierra de Herbal nach Süden und Osten erstrecken, und zwar in den weiten Niederungen, die das Flußbett begrenzen. I. Cassine Mich. (I. religiosa Barth., heilige Stechpalme, Appalachenthee, Carolinathee, indischer Thee), ein 3 m hoher Strauch mit kleinen, lederartigen, länglichen, gekerbten Blättern, unscheinbaren Blüten und roten Beeren, wächst in den südlichen Staaten des östlichen Nordamerika und gilt den Eingebornen wegen seiner kräftigen Wirkung gegen allerlei Krankheiten als heilig. Bei ihren religiösen Versammlungen spielen die Blätter eine große Rolle. Der aus den Blättern bereitete Thee, Blackdrink (schwarzes Getränk), wirkt berauschend. Die Blätter enthalten 0,011 ätherisches Öl, 2,409 Gerbsäure, 0,122 Kaffein, 15,277 Stärkemehl, Pektose etc., 8,19 stickstoffhaltige Substanz etc. Der Strauch erträgt unsern Winter, wenn man ihn an geschützten Orten gut deckt.

Ilfeld (Ilefeld), Marktflecken und Kreishauptort im preuß. Regierungsbezirk Hildesheim, in der alten Grafschaft Hohnstein, 254 m ü. M., an der Südseite des Harzes, am Eingang des Behrethals und an der Bahnlinie Soest-Nordhausen, hat ein Amtsgericht, ein Pädagogium (Gymnasium) mit reicher Bibliothek, Parkett- und Papierfabrikation, Bergbau auf Steinkohlen und Eisenstein, Steinbrüche und (1885) 1419 evang. Einwohner. Östlich von I. liegt der Bielstein, südlich die Ilburg, die im 12. Jahrh. der Sitz der Grafen von Hohnstein war. - I. entstand im 14. Jahrh. um das 1190 gegründete Kloster I., das ursprünglich den Benediktinern gehörte und später in die Hände der Prämonstratenser überging. 1545 führte der Abt Thomas Stange die Reformation ein, und das Kloster wurde 1546 in ein Gymnasium umgewandelt, das sich besonders im 18. Jahrh. eines ausgezeichneten Rufs erfreute. Vgl. Förstemann, Monumenta rerum Ilfeldensium (Nordh. 1843); Neander, Bericht vom Closter Ilfeldt (hrsg. von Bouterwek, Götting. 1873).

Ilfov, Kreis in der Großen Walachei, Hauptstadt Bukarest.

Ilfracombe (spr. -kuhm), Seebad im nördlichen Devonshire (England), am Bristolkanal, mit Landungsbrücke, großen Hotels und (1881) 6255 Einw.

Ilg, Albert, Kunstschriftsteller, geb. 11. Okt. 1847 zu Wien, besuchte von 1866 an die Universität, wurde 1871 Beamter des österreichischen Museums, 1872 Dozent und 1873 Kustos an demselben, 1876 Kustos der zweiten Gruppe der kaiserlichen kunsthistorischen Sammlungen in Wien und später Direktor derselben. Für Eitelbergers "Quellenschriften für Kunstgeschichte" lieferte I. die mit Kommentaren versehenen Übersetzungen des Cenninischen Malerbuchs, von Heraklius' Schrift von den Farben und Künsten der Römer, Biondos "Traktat von der hochedeln Malerei", "Schedula diversarum artium" des Mönchs Theophil. Ferner schrieb er außer zahlreichen Beiträgen zu Fachzeitschriften und dem geschichtlichen Teil in Lobmeyrs "Glasindustrie" (Stuttg. 1874): "Die kunstgewerblichen Fachschulen des k. k. Handelsministeriums" (Wien 1876), "Geschichte und Terminologie der alten Spitzen" (das. 1876), "Zeitstimmen über Kunst und Künstler der Vergangenheit" (das. 1881), "Führer durch die Franzensburg in Laxenburg" (das. 1882), "Franz Xaver Messerschmidts Leben und Werke" (Prag 1885) und gab heraus: "Wappen des österreichischen Herrscherhauses" (Wien 1879), das Lichtdruckwerk "Album österreichischer Bildhauerarbeiten des 18. Jahrhunderts", "Wiener Schmiedewerk des 18. Jahrhunderts" (Dresd. 1878-83, mit Kabdebo), "Allegorien und Embleme" (mit Gerlach, Wien 1882).

Ilgen, 1) Heinrich Rüdiger von, preuß. Minister, aus dem Mindenschen gebürtig, ward 1679 Regierungsrat in Minden und der Gesandtschaft, die den Frieden von St.-Germain zu verhandeln hatte, beigegeben, 1683 Geheimer Kammersekretär des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, 1693 Hofrat und 1699 Mitglied des Geheimen Rats. Er leitete besonders die auswärtigen Beziehungen und nahm an den Verhandlungen über die Erwerbung der Königskrone hervorragenden Anteil. 1703 war er Mitglied der Kommission, welche den Stand der Domänen, die Hauptgrundlage der Staatsfinanzen, untersuchen und dieselben ertragsfähiger machen sollte; 1705 ward er zum Direktor der Chargenkasse und 1706 zum Präsidenten