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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Iman; Imandra; Imani; Imaos; Imaret; Imatrafall; Imatrasteine; Imazirhen; Imbabura; Imbecil; Imbibition; Imbriani

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Iman - Imbriani.

Beschneidung, Leichenbestattung und die Trauungen zu besorgen, während dem ihm Unterstehenden, dem Rang nach ungefähr unserm Kirchendiener gleich, das Amt des Muezzins (Gebetausrufers) zufällt. Der I. wird nach Absolvierung seines theologischen Kurses von der betreffenden Gemeinde gewählt und von der Behörde bestätigt. Seinem Äußern nach unterscheidet er sich in der Türkei nur durch die konservative Tendenz seiner Kleidung und dadurch, daß er keinen bunten, sondern einen weißen Turban trägt, welcher bei feierlichen Gelegenheiten einer neuern Vorschrift gemäß mit einer breiten Goldborte eingefaßt ist. Diese offiziellen Abzeichen sind in andern mohammedanischen Ländern ungebräuchlich. Der I. zeichnet sich dort höchstens durch einen weißen Turban und langen Oberrock (Dschubbe) aus. I. ist auch ein Titel, den die Fürsten mohammedanischer Völker anzunehmen pflegen, indem es seit den ersten Kalifen, die sich nicht Sultane (Fürsten), sondern Imame (Vorsteher des Volkes) titulierten, den Herrschern zusteht, alle die mit der Imamwürde (Imamat) verbundenen Pflichten zu übernehmen. Zur Erinnerung an die ältesten Gebräuche haben einige Fürsten Arabiens diesen Titel noch heute beibehalten (z. B. der I. von Maskat, der I. von Nedschd etc.). In Persien werden die Imame mit dem Namen Mutschtehid bezeichnet; auch sie gehen aus der Wahl der betreffenden Gemeinden hervor, bedürfen aber nicht der Bestätigung seitens der weltlichen Behörde. Die "zwölf Imame" spielen unter den Schiiten eine besondere Rolle, indem sie, Abkömmlinge der Familie Alis, als Märtyrer der Schia-Sache verehrt werden. I.-Zadeh ("Imamssöhne") werden in Persien die zahlreichen Abkömmlinge der zwölf Religionsfürsten genannt, deren mit grünen Kuppeln gezierte Gräber beliebte Wallfahrtsorte sind.

Iman (arab., "Glaube"), das gemeinschaftliche Wort bei den Mohammedanern für den spekulativen wie für den praktischen Glauben, wovon ersterer die metaphysischen Beziehungen betrifft und in der scholastischen Theologie abgehandelt wird, letzterer dagegen in den Gesetzen der Moral und der Jurisprudenz besteht, welch letztere zugleich die Theologie umfaßt. Mit I. wird auch das Glaubensbekenntnis im allgemeinen bezeichnet. Oft fälschliche Schreibweise für Imam (s. d.).

Imandra, See im russ. Gouvernement Archangel, auf der Halbinsel Kola, ist 852 qkm (15,5 QM.) groß, die meiste Zeit des Jahrs mit Eis bedeckt und steht durch einen fortlaufenden Fluß- und Seenzug mit der Kandalaskajabai, dem Nordwestende des Weißen Meers, in Verbindung. Im I. liegt eine 48 qkm große Insel. Der See wird zur Sommerszeit von herumschweifenden Lappen des Fischfanges wegen besucht; an seinem über 230 km weiten Küstenring sind nur fünf stationäre Ansiedelungen anzutreffen.

Imani (arab.), das dritte heilige Gesetzbuch der Türken, enthält die Vorschriften für den Lebenswandel.

Imaos (verderbt aus sanskrit. Himavat, "schneereich"), bei den Alten Name der westlichen Hälfte des Himalaja (s. d.).

Imaret, arab. Bezeichnung für Wohlthätigkeitsanstalten (Spitäler, Krankenhäuser, Armenküchen etc.) bei den Moscheen; auch Bezeichnung der Gerichtslokale etc.

Imatrafall (spr. ím-), Wasserfall im finn. Gouvernement Wiborg, durch den aus dem Saimasee kommenden Wuoxen gebildet, vielleicht die prächtigste Stromschnelle in Europa. Das Flußbett verengert sich von 177 m auf 45 m, und der Fluß fällt auf eine Länge von 715 m um 30 m herab, dabei 10 m senkrecht. Die Wogen brausen zwischen zerbrochenen Granitblöcken hindurch, Tannen und Birken schließen den Rahmen des schönen Bildes. Das Rauschen des Wassers hört man 11 km weit.

Imatrasteine, nach ihrem Fundort, dem Imatrafall (s. d.), benannte runde oder scheibenförmige Mergelknollen, einzeln oder zu zwei und drei verwachsen, mit ringförmigen Riefen und Furchen. Es sind Konkretionen, welche aus einem sandigen Schieferthon, dem sie eingelagert sind, ausgewaschen werden. Ihre eigentümlichen Gestalten haben eine ansehnliche Litteratur und viele Hypothesen über ihre Entstehung wachgerufen.

Imazirhen (Amazirghen), Volk, s. Marokko.

Imbabura, Provinz des südamerikan. Staats Ecuador, an der Nordgrenze, liegt zwischen den beiden Kordilleren und erstreckt sich den Rio Mira hinab bis in die heiße Region. Das Areal beträgt 10,700 qkm (1943 QM.). Die Bewohner (1878: 93,659) beschäftigen sich vorwiegend mit Landbau und Zucht von Rindern, Schafen und Maultieren. Hauptstadt ist Ibarra (2225 m ü. M.). Ihren Namen hat die Provinz vom Vulkan von I. (4582 m), der sich in ihrer Mitte erhebt.

Imbecil (imbecill, lat.), gebrechlich, schwach (besonders an Geist), blödsinnig; Imbecillität, Schwäche, besonders Geistesschwäche (s. d.).

Imbibition (lat., "Einsaugung, Durchtränkung"), das Vermögen der Gewebe, Flüssigkeiten in ihre Zwischenräume und in die Substanz der elementaren Formbestandteile selbst aufzunehmen, ohne dabei ihre Form derartig zu verändern, daß von einer Quellung die Rede sein könnte. Der Vorgang ist nicht kapillarer, sondern mehr molekularer Natur, was am besten aus dem Umstand hervorgeht, daß die aufgenommene Flüssigkeit nie so konzentriert ist wie die ursprüngliche Lösung.

Imbriani, Vittorio, ital. Dichter, geb. 24. Okt. 1840 zu Neapel, machte historische, philologische und litterarische Studien (zuletzt in Zürich und Berlin), beteiligte sich als Freiwilliger an den Feldzügen von 1859 und 1866 gegen Österreich und lebte seit 1878 zurückgezogen zu Pomigliano d'Arco bei Neapel, wo er 1. Jan. 1886 starb. Ein Freund volkstümlicher Überlieferung, hat er Sagen, Volkslieder u. dgl. in großer Zahl gesammelt und veröffentlichte in dieser Art: "Canti popolari delle provincie meridionali" (Turin 1871-72, 2 Bde.), "Dodici canti pomiglianesi" (Neapel 1877), "La novellaja fiorentina" (Livorno 1877), "La novellaja milanese" (das. 1879) und andre ähnliche wertvolle Sammlungen. Daneben trat er mit einem Band Gedichte unter dem barock-bescheidenen Titel: "Esercizj di prosodia" (Neapel 1874) hervor, die ihn als einen Lyriker von großer Originalität der Form und des Gedankens erkennen lassen. Ein leidenschaftlicher Royalist (sowie Gegner der "veristischen" Schule, mit der er gleichwohl manches gemein hat), entwickelt er namentlich in den Oden: "An die Königin von Italien" und "Bei der Begnadigung Passanantes" eine Wucht der Gedanken, eine Kraft des Ausdrucks und eine Schärfe der Ironie, die kaum ihresgleichen haben. Nicht minder tritt die Heftigkeit und Originalität seines Wesens in seinen polemischen und kritischen Schriften hervor, so z. B. in "Fame usurpate" (1877), worin er eine kritische Hinrichtung an Aleardi, Zanella, Goethes "Faust" und dessen Übersetzer Maffei vollzieht, in der Broschüre "Quando nacque Dante?", wo er von "Altweibergewäsch" spricht, womit der Dichter seine "Divina Commedia" anfüllt, u. a. Er schrieb auch einige phantastisch-realistische Novellen,