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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Imperial-Dukaten - Impfung.

Hauptgoldmünze in Rußland, daher gewöhnlich "Imperial" schlechtweg genannt; ganze werden nicht mehr geprägt. 1 Halb-I. wiegt gesetzlich 6,544 g, hat eine Feinheit von 916,66, daher Feingewicht 5,9987 g, und ist = 5 Rubel 15 Kop. Silberwährung, = 16,736 Mk.

Imperial-Dukaten, russ. Goldmünze, = 3 Silberrubel, = 10,04 Mk. gesetzmäßig.

Impériale (franz., spr. ängperiall), mit Sitzen versehenes Wagenverdeck; Betthimmel; auch ein Kartenspiel unter zweien mit der Pikettkarte. Speziell in diesem Spiel heißt I. die Vierzahl der Könige, Damen, Buben, Asse oder Sieben und die Sequenz von König, Dame, Bube, As in einer Farbe.

Imperialgallon, s. Gallon.

Imperialismus (neulat.), Bezeichnung für den politischen Zustand der Staaten, in welchen, wie unter den römischen Kaisern, nicht das Gesetz, sondern die auf die Militärmacht sich stützende Willkür des Regenten herrscht.

Imperialschafe (Imperiales), span. Merinoschafe, aus königlichen Schäfereien stammend.

Imperial Standard (engl., spr. impihrial stänndärd), mit englischen Maßeinheiten zusammengesetzt, bedeutet die jetzt für England gesetzlichen Normalmaße.

Imperium (lat., "Befehl, Herrschaft, Macht"), im alten Rom die höchste militärische und bürgerliche Gewalt, welche bestimmten Obrigkeiten (den Konsuln, Prätoren, Diktatoren, Prokonsuln, Proprätoren, später auch dem Praefectus urbi und Praefectus praetorio) durch besondern Volksbeschluß, meist in den Kuriatkomitien, verliehen wurde.

Impermeabilität (lat.), Undurchdringlichkeit.

Impersonale (lat.), unpersönliches Verbum (s. d.).

Impertinent (lat.), ungehörig, ungeziemend, unverschämt, derb; Impertinenz, Ungebührlichkeit, Unverschämtheit, Flegelei; Impertinentien, impertinente Dinge.

Imperturbabel (lat.), unstörbar, unerschütterlich.

Imperzeptibel (neulat.), unwahrnehmbar.

Impetigo (lat.), nässender Hautausschlag mit Pustelbildung.

Impetránt (lat.), derjenige, welcher in Prozeßsachen, namentlich in eiligen und Arrestsachen, auf einseitiges Vorbringen eine Verfügung erwirkt; Impetrat dagegen der, gegen welchen diese erwirkt wird. S. Arrest.

Impetuoso (con impeto, ital.), musikal. Vortragsbezeichnung: mit Ungestüm, rasch und heftig.

Impetus (lat.), Ungestüm, heftiger Angriff; im Strafrecht eine Unterart des Dolus (s. d.), rechtswidriger Vorsatz, welcher in leidenschaftlicher Erregung gefaßt wurde. Namentlich wird die im Affekt verübte Tötung nicht als Mord, sondern als Totschlag und daher milder als jener bestraft.

Impfung, im weitern Sinn die künstliche Übertragung eines Krankheits- oder Ansteckungsstoffs auf eine von der Oberhaut befreite Stelle durch einen Riß, einen feinen Schnitt, eine Exkoriation auf ein bisher gesundes Individuum. Die I. ist also eine eigentümliche Form der Ansteckung, wobei der Ansteckungsstoff in Form einer Flüssigkeit durch die äußere Haut in die Säftemasse aufgenommen wird. Auf dem Weg der I. können verschiedene Ansteckungsstoffe und demnach auch verschiedene Krankheiten, sei es zufällig, sei es absichtlich, übertragen werden, z. B. die Syphilis. Im engern Sinn bedeutet I. die absichtliche Übertragung eines schwach wirkenden Krankheitsstoffs, um dadurch für ein stärkeres Krankheitsgift verwandter Art Schutz zu erzielen (vgl. Immunität, Tollwut). Diese I. heißt auch prophylaktische I. In der Regel denkt man bei dem Wort I. an die künstliche Übertragung des Kuhpockengifts auf den Menschen (Vaccination) in der Absicht, ihn dadurch gegen den Ansteckungsstoff der Menschenpocken unempfänglich zu machen. Die Kuhpocken (vaccina, variola vaccina) sind ein pustulöser Ausschlag am Euter der Kühe, der in Form der wahren und der falschen Kuhpocken (s. Mauke) auftritt, jedoch nur in der erstern Form eine Schutzkraft gewährt. Die Lymphe dieser Pocken, deren Aussehen ganz dem der Menschenpocken (s. Pocken) entspricht, enthält in Form kleinster Spaltpilze den Ansteckungsstoff, der am achten Tag zur I. am geeignetsten ist. Man verwendet die Lymphe am besten frisch, da sie, in Glycerin aufbewahrt, schon nach 2-3 Monaten zweifelhafte oder unbrauchbare Resultate liefert, selbst wenn sie in kleinen Glasröhrchen fest zugeschmolzen ist. Der Akt der I. selbst besteht darin, daß am Oberarm die Haut mit einer Lanzette geritzt oder schräg eingestochen wird, so daß höchstens ein Tröpfchen Blut hervorquillt, und daß in diese kleine Wunde die Lymphe mittels derselben Lanzette hineingemischt und verstrichen wird. Am 1. und 2. Tag ist nichts zu bemerken, am 3. erscheint ein roter Fleck, der am 4. zunimmt, an welchem man auch ein kleines Knötchen fühlt; am 5. erhebt sich dasselbe, wird pustelförmig und mit einem schmalen, roten Hof umgeben. Am 6. Tag bekommt die Pustel eine Delle, füllt sich mit klarer Flüssigkeit, der Hof tritt mehr hervor; am 7. nehmen die Erscheinungen zu, am 8. ist die Pustel völlig ausgebildet, 4-8 mm im Durchmesser stark, mit heller Lymphe gefüllt, der Entzündungsrand ziemlich ausgebreitet; am 9. dehnt er sich noch weiter aus, wird röter, die Lymphe wird dicklich eiterig. Am 10. ist die Delle verschwunden, die Pustel in völliger Eiterung, die Röte bis über den ganzen Arm verbreitet, dabei Fieber vorhanden. Vom 12. Tag an fängt die Pustel an abzutrocknen, und der Entzündungsrand verschwindet. Hat die entstandene Pustel nicht alle Zeichen der echten Kuhpocke, so trage der Arzt Sorge für die später anzustellende Wiederimpfung (Revaccination). Eine unentwickelte, rudimentäre Kuhpocke, eine sogen. Vaccinelle, wird entstehen oder auch die I. ganz erfolglos bleiben, wenn man sich eines unwirksamen Impfstoffs bediente, bei der I. selbst Fehler beging, oder wenn das geimpfte Individuum gegen das Kuhpockenkontagium zufällig unempfänglich ist. Der Impfstoff trägt die Schuld des Mißlingens der I., wenn man ihn einer Vaccinelle entnahm, oder wenn man eine echte Pocke zur unrechten Zeit, zu früh oder zu spät, öffnete. Nur am siebenten oder achten Tag nach der I., wo die Kuhpocke in ihrer Blüte und die Lymphe wasserhell ist, ist die letztere zum Weiterimpfen brauchbar. Unbrauchbar sind daher auch echte Kuhpocken, deren Ausbildung durch Quetschen und Auskratzen gestört worden ist, sowie auch jene Pocken es werden, denen man wiederholt zu viel Lymphe entnimmt. Ist die I. von einer guten Pockenbildung gefolgt, so kann man darauf rechnen, daß innerhalb der nächsten 6-8, höchstens 9 Jahre eine Ansteckung mit Pockenkranken entweder ganz unschädlich bleiben, oder nur eine sehr schwache Erkrankung zur Folge haben wird. Diese Erfahrung ist eine der wichtigsten und für das menschliche Geschlecht segensreichsten Entdeckungen auf dem Gebiet der Heilkunde. Es war eine längst bekannte Thatsache, daß die künstlich hervorgebrachten Menschenpocken gewöhnlich milder verliefen als die auf dem gewöhnlichen Weg der An-^[folgende Seite]