Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Indische Seerose; Indische Sprachen; Indisches Feuer; Indisches Korn

925

Indische Seerose - Indische Sprachen.

annehmen, so daß man sich die West- und Ostgrenze durch Meridiane, welche das Kap Agulhas, resp. das Südkap von Tasmania durchschneiden, dargestellt denken müßte. Nach S. ist der Indische Ozean vollständig offen, dagegen wird er nach W. und N. von Afrika und Asien eingeschlossen; im O. steht er mit dem Chinesischen Meer durch die Straße von Malakka, mit der Sundasee durch die Sundastraße, mit dem Stillen Ozean durch die Arafurasee und die Torresstraße in Verbindung. In den Nordrand dringt er mit dem Roten Meer und dem Persischen Golf tief ein, während die weit vorspringende vorderindische Halbinsel Anlaß zur Bildung des Arabischen Meers u. des Golfs von Bengalen gibt. Das Areal des Indischen Ozeans in seinem weitern Umfang, aber ohne das Rote Meer und den Persischen Meerbusen berechnet Krümmel auf 73,325,872 qkm (1,331,675 QM.). Die Tiefenverhältnisse sind durch die Lotungen des Challenger (1873-74), der Gazelle (1875) und der Enterprise (1883) besser bekannt geworden. Das Hauptbecken des Indischen Ozeans mit einer Tiefe von 3600 m erstreckt sich vom Meridian der Insel Mauritius bis zur Ecke zwischen Java und Nordwestaustralien. In der Mitte dieses Beckens breitet sich eine unterseeische Bank aus mit Tiefen zwischen 3100 und 3500 m. Die Gazelle fand die größten Tiefen von 5523 und 5505 m zwischen 16° und 13° südl. Br. und zwischen 117° und 119° östl. L. v. Gr., eine noch größere aber, von 5664 m, die Enterprise unter 4° 14' südl. Br. und 99° 50' östl. L. v. Gr. Die durchschnittliche Tiefe des Indischen Ozeans schätzt Krümmel auf 3344 m. Die nördlichen Einbuchtungen, der Bengalische Meerbusen und das Arabische Meer, sind durch die mit den Kabellegungen verbundenen Untersuchungen bekannt geworden. Von Bombay nach Aden sinkt der Meeresboden auf einer Strecke von 445 km von 51 bis zu 3477 m und breitet sich dann zu einer großen Ebene aus, die, nirgends tiefer als 4025 m, bis an Afrika heranreicht. Der Golf von Bengalen ist ein ähnliches Becken mit dem gleichen Thon- und Schlammboden, dort fällt unter 11° nördl. Br. der Meeresgrund von 1830 m an der Küste bis zu 4170 im Zentrum. Am Nordende des Golfs von Bengalen öffnet sich inmitten großer Schlammbänke ein 1500 m tiefer Schlund (Great Swatch). Der Golf von Persien ist durchschnittlich nur 100 m, das Rote Meer 300-500 m, an der Einfahrt von O. aber 900 m tief. Temperaturmessungen ergaben, daß bei Bombay das Meerwasser an der Oberfläche eine Wärme von 22,2-25,5° C., bei 915 m Tiefe von 10°, bei 1830 m Tiefe von 5,56°, bei 3110 m Tiefe von 0,83° C. hat. Jenseit einer Tiefe von 183 m macht sich der warme Strom von Mosambik nicht mehr bemerkbar. Die durchschnittliche Grenze des Treibeises überschreitet nordwärts fast überall den 60.°, im S. Afrikas den 50.°, und schwimmenden Eisbergen begegnet man häufig noch bis 45° südl. Br. Aus den kalten Bodentemperaturen im nördlichen Teil läßt sich folgern, daß eine unterseeische Bodenerhebung, welche Vorderindien mit Madagaskar verbindet, nicht existiert, vielmehr das kalte polare Wasser am Boden freien Zugang in das Arabische Meer findet. Für die frühere Existenz eines Kontinents im Indischen Ozean, Lemuria, als dessen Überbleibsel Madagaskar, die Seschellen und Maskarenen auf der einen Seite, Ceylon und die Großen Sundainseln auf der andern ihrer Fauna und Flora nach angesehen werden, und der zuweilen als Ursitz des Menschengeschlechts angenommen worden ist, läßt sich aus den Tiefseeforschungen kein Argument herleiten. Von den Strömungen ist der Agulhas- oder Kapstrom der wichtigste, weil er den von Indien heimkehrenden Seglern die Umschiffung des Kaps gegen westliche Winde ermöglicht. Er entsteht aus der von O. nach W. gerichteten Südostpassatströmung und der Malabarströmung, welche, an die afrikanische Küste und Madagaskar gelangt, diesen Zweig in reißendem Lauf (7 km in der Stunde) als Mosambikströmung durch die Straße von Mosambik bis zum Kap entsenden. Diese warme, bis zum 40. Parallel reichende, an der afrikanischen Küste ostwärts rücklaufende Strömung wird an der Westküste Australiens von einem kalten Strom durchbrochen, der bis über 20° südl. Br. hinausdringt. Dagegen fließt ein Zweig ostwärts weiter, wird im Südaustralischen Golf erwärmt und bespült als südaustralische Strömung die Küsten Tasmanias. Die Windverhältnisse werden durch die ausgedehnten Ländermassen, welche den Indischen Ozean im N. abschließen, wesentlich beeinflußt. Nur südlich von 10° südl. Br. findet sich das ganze Jahr hindurch ein regelmäßiger Südostpassat; nördlich vom Äquator wechseln die Winde mit den Jahreszeiten. Im Sommer weht ein Südwestmonsun auf den erhitzten asiatischen Kontinent zu, welcher sich im Winter umkehrt und als Nordostmonsun nach der nun höher erwärmten Südhemisphäre hinweht. In analoger Weise entsteht im östlichen Teil zwischen dem Äquator und Australien während des südlichen Sommers ein von letztgenanntem Kontinent hervorgerufener Nordwestmonsun. Im allgemeinen sind die Winde des äquatorialen Indischen Ozeans schwach und zum Teil durch längere Perioden von Windstillen unterbrochen. Doch sind verheerende Orkane im Indischen Ozean keineswegs selten. Südlich von 35° südl. Br. beginnt die breite Zone der beständigen Westwinde, welche rund um die südliche Hemisphäre sich ununterbrochen fortsetzt.

Im Indischen Ozean ist namentlich zwischen dem 40. und 50.° südl. Br. die große Heerstraße der nach Indien und Australien bestimmten Segelschiffe, welche hier noch gegenwärtig der Dampfschiffahrt erfolgreiche Konkurrenz zu machen vermögen. Seit der Durchstechung des Isthmus von Suez ist aber der nördliche Teil des Indischen Ozeans weitaus der belebteste geworden, denn ihn durchziehen alle die zahlreichen nach Indien, Ostasien und Australien bestimmten Dampferlinien, während der südliche nur von Australien aufsuchenden Dampfern durchschnitten wird. Gegenwärtig verkehren im Indischen Ozean 5 große englische Dampferlinien (neben vielen kleinern), ferner 3 deutsche, 2 niederländische und je eine französische, österreichisch-ungarische, italienische und spanische. Ein Kabel durchzieht das Rote Meer, den Busen von Oman, den Bengalischen Golf und geht zur Nordküste Australiens; ein zweites folgt der Ostküste Afrikas bis Natal, ein drittes wird von Westaustralien zur Kapkolonie geplant. S. Karte "Dampfschiffahrtslinien".

Indische Seerose, s. Nelumbium.

Indisches Feuer, s. Arsen.

Indisches Korn, s. v. w. Sorghum.

Indische Sprachen, die Indien (Ostindien) eigentümlichen Sprachen, sind mit Ausnahme der im Dekhan von etwa 35 Mill. Menschen gesprochenen drawidischen Sprachen (s. Drawida) sowie der Sprachen einiger kulturloser Bergvölker indogermanischen (arischen) Ursprungs, und diese indogermanischen Sprachen Indiens werden daher im engern Sinn als i. S. oder indische Sprachfamilie bezeichnet. An der Spitze derselben steht das Sanskrit (s. d.), dessen Bekanntwerden in Europa gegen Ende des vorigen