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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Indol; Indolenz; Indoles; Indonesien; Indor; Indossament; Indossieren

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Indol - Indossieren.

waren, das aber auch Wagen mit Rädern gebrauchte und Anfänge des Ackerbaues und das Kupfer kannte. Die Bande des Bluts und der Familie hielten sie heilig, und selbst die entferntern Verwandtschaftsgrade wurden sorgfältig unterschieden; auch gab es Geschlechtsverbände, Häuptlinge und Fürsten. Man zählte nach dem dekadischen System mindestens bis 100. Die Religion war polytheistisch, ein Dienst der Naturmächte, z. B. des "Himmelsgottes" (sanskr. Dyaus, griech. Zeus). Der Versuch, die indogermanischen Sprachwurzeln mit den Wurzeln andrer Sprachstämme, namentlich des semitischen, zu vermitteln, hat bisher kein Resultat geliefert. Flektierend wie der semitische Sprachtypus, repräsentiert der indogermanische Sprachenbau mit ersterm zusammen die höchste Stufe in der Entwickelung des menschlichen Sprachvermögens, ist aber von dem semitischen Typus nach Laut und Form wesentlich verschieden. Die Entdeckung des indogermanischen Sprachstammes verdankt man hauptsächlich dem Dichter Friedr. Schlegel (vgl. dessen "Sprache und Weisheit der Inder", Heidelb. 1808); den eingehenden Nachweis, daß die Grammatik und der ganze Bau dieser Sprachen bis auf die kleinsten Einzelheiten vollkommen übereinstimmt, gab Fr. Bopp (s. d.) in seiner "Vergleichenden Grammatik". Der Wortschatz der indogermanischen Urzeit ist am eingehendsten zusammengestellt worden von Fick ("Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen Sprachen", 3. Aufl., Götting. 1874-76, 3 Bde.). Vgl. O. Schrader, Sprachvergleichung und Urgeschichte (Jena 1883).

Indol C8H7N ^[C_{8}H_{7}N] entsteht bei Reduktion des Indigblaus und des Isatins, auch beim Zusammenschmelzen von Nitrozimtsäure mit Ätzkali und Eisenfeile und bei der Einwirkung von Bauchspeichel auf Eiweißkörper. Es bildet große, farblose Kristalle, riecht eigentümlich unangenehm, ist löslich in Wasser, Alkohol und Äther, schmilzt bei 52°, verflüchtigt sich mit Wasserdämpfen und bildet mit Säuren unbeständige Salze. Da sich I. bei der Verdauung der Eiweißkörper bildet, so findet es sich auch in den Exkrementen und im Harn, im letztern in Form einer Verbindung, die Harnindikan genannt wird. Ein solcher Harn wird mit Salzsäure infolge der Bildung von Indigoblau.

Indolenz (lat.), Empfindungslosigkeit, Gleichgültigkeit, Trägheit; indolent, gleichgültig, träge, schlaff.

Indoles (lat.), das Eingeborne, Eigentümliche (s. Anlage); i. animi, die Gemütsbeschaffenheit; i. morbi, die Natur, der Charakter der Krankheit.

Indonesien, eine zuerst von Bastian gebrauchte Bezeichnung für die Inseln des Indischen oder Malaiischen Archipels.

Indor (Indore), Vasallenstaat des britisch-ind. Kaiserreichs in der Provinz Nimar und Malwa Zentralindiens, besteht aus vier Parzellen von zusammen 21,755 qkm (395 QM.) mit (1881) 1,055,217 Einw. Am nördlichen Abhang des Windhyagebirges gelegen, wird I. in seinem Hauptteil von den Quellflüssen des Tschambal bewässert. Der Boden ist sehr fruchtbar, doch hemmen hoher Steuerdruck und die Willkür des Fürsten, des alleinigen Grundherrn, sowie seiner Beamten die Entwickelung des Landes. Gebaut werden namentlich Weizen, Reis, Ölsaat, Zuckerrohr, Mohn zur Gewinnung von Opium und Baumwolle, welch letztere bereits in mehreren Fabriken verarbeitet wird. Eine Sekundärbahn mit Meterspurweite, auf Kosten des Fürsten erbaut, zweigt bei Khandwa von der Bombay-Allahabadbahn ab und geht über die Stadt I. in nördlicher Richtung nach Nimatsch. Die Mehrzahl der Bewohner (892,675) sind Hindu, der Fürst, seine Umgebung und die größten Grundbesitzer Marathen. Der Fürst, der den Titel Holkar (s. d.) führt, wurde 1852 eingesetzt und hat stets treu zu England gehalten. Sein Heer, größtenteils ausgediente Mannschaften der indischen Sipoyarmee, zählt 5250 Mann Infanterie, 3300 Mann Kavallerie, 340 Mann Artillerie und 24 Geschütze. Seine Einkünfte belaufen sich auf jährlich 500,000 Pfd. Sterl.; seine Zahlungen an die indische Regierung für ein Militärkontingent hat er durch ein Kapital von 238,000 Pfd. Sterl. abgelöst. - Die Hauptstadt I., 1770 gegründet, ist zwar gesünder als andre Orte von Malwa, hat aber kein einziges Gebäude von Interesse außer den ausgedehnten Palastbauten des Holkar und dem zur Ausbildung der Prinzen Zentralindiens bestimmten College von Radschkumar. I., dessen Bevölkerung schnell gestiegen ist, zählte 1881: 75,401 Einw. Etwa 3 km von der Stadt entfernt liegt das englische Kantonnement mit dem Amtsgebäude des englischen Aufsichtsbeamten. S. Karte "Ostindien".

Indossament, s. Indossieren.

Indossieren (v. ital. in dosso, "auf dem Rücken"), einen Wechsel, eine Anweisung oder ein andres Orderpapier "begeben", d. h. durch eine Bemerkung auf der Rückseite des Papiers einem andern übertragen. Der Übertrag heißt Indosso, Indossament, Giro (s. d.); derjenige, der den Wechsel begibt, Indossant, Girant; derjenige, welcher ihn empfängt, Indossat, Indossatar, Girat. Das Indossament ist besonders bei dem Wechsel von Wichtigkeit. Es muß auf den Wechsel selbst oder auf eine Kopie desselben oder auf ein ihm angehängtes Blatt, Allonge, mit Unterschrift des Indossanten gesetzt werden; Datierung desselben ist nicht erforderlich und nicht üblich. Es pflegt in der Form "Für mich an Herrn" (unter Benennung des Indossatars) oder "Für mich an die Order des Herrn N. N." ausgestellt zu werden; indessen genügt es, wenn der Indossant nur seinen Namen oder seine Firma auf die Rückseite des Wechsels oder der Kopie oder auf die Allonge setzt; jeder Inhaber des Wechsels ist dann berechtigt, ein solches Blankoindossament auszufüllen, aber auch ohne dies weiter zu indossieren. Zum I. ist zunächst der Remittent, dann aber auch der Indossatar berechtigt, so daß der Wechsel durch sehr viele Hände gehen kann. Indessen kann der Aussteller des Wechsels das I. durch die Worte "nicht an Order" oder einen gleichbedeutenden Ausdruck, den er dem Wechsel beifügt, untersagen, wodurch jedes Indossament wechselmäßig wirkungslos wird; ein gleiches Verbot seitens eines Indossanten (Rektaindossament) befreit nur diesen von der Regreßpflicht denjenigen gegenüber, an welche der Wechsel aus der Hand des Indossatars gelangt. Die Wirkung des Indossaments ist eine zweifache: Übertragung des Wechselrechts des Indossanten, als des bisherigen Wechselgläubigers, auf den Indossatar, als den neuen Wechselgläubiger (sogen. Transportfunktion des Indossaments), und Haftbarkeit des Indossanten, als nunmehrigen Wechselschuldners, für die Honorierung des Wechsels gleich dem Aussteller (sogen. Garantiefunktion des Indossaments). Diese Haftbarkeit kann der Indossant indessen vermeiden, wenn er dem Indossament die Worte "ohne Obligo", "ohne Gewährleistung" oder eine gleichbedeutende Erklärung beifügt. Neben diesem eigentlichen Indossament kommt noch ein solches behufs der Bevollmächtigung vor; ist demselben