Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

934

Induktionsapparate - Indus.

man einen Funkeninduktor; derjenige von Ruhmkorff ist in Fig. 4 dargestellt. Die Pole A und B sind mit den von Glassäulen isoliert getragenen Klemmen C und D verbunden, in welche die Poldrähte eingeschraubt werden können; nähert man die Enden der Poldrähte einander, so geht zwischen ihnen ein prasselnder Funkenstrom über, welcher demjenigen der Influenzmaschine vollkommen gleicht. Verbindet man die Pole mit den beiden Belegen einer Leidener Flasche, so erhält man, wie bei der Influenzmaschine, eine Reihe laut knallender Funken. Technisch hat der Funkeninduktor Anwendung gefunden zum gleichzeitigen Entzünden mehrerer hintereinander eingeschalteter Minen und zum Herbeiführen der Gasexplosionen in der Lenoirschen Gaskraftmaschine. Über die prachtvollen Lichterscheinungen, welche seine Entladung in verdünnten Gasen hervorbringt, s. Geißlersche Röhre.

Induktionsapparate, s. Induktion.

Induktionsglobus von Brandegger, s. Globus.

Induktionswage, ein von Hughes angegebenes Instrument zur Prüfung der Molekularkonstitution der Metalle, besteht aus vier Rollen von je 100 m Drahtlänge, welche paarweise auf zwei vertikal stehende Röhren aus Karton gewunden sind. Die beiden obern Rollen sind nebst einem auf dem Sockel einer Pendeluhr stehenden Mikrophon in den Schließungskreis einer galvanischen Batterie eingeschaltet, die beiden untern sind mit einem Telephon verbunden. Die Drähte der Rollen sind so gewunden, daß die Ströme der obern Rollen in den untern entgegengesetzt gerichtete Ströme induzieren, welche sich aufheben und demnach im Telephon keinen Schall erregen. Zwischen den beiden Kartonröhren, welche, um die gegenseitige Einwirkung der Rollenpaare auszuschließen, mindestens 1 m voneinander abstehen, befindet sich ein Umschalter, welcher es möglich macht, den Strom nach Belieben durch ein Sonometer oder durch die I. zu senden. Bringt man nun, nachdem der Apparat so reguliert ist, daß man im Telephon gar nichts hört, in die eine der leeren Kartonröhren eine Metallscheibe von der Große und Dicke eines Markstücks, so hört man das Ticken der Uhr im Telephon sehr stark, weil nun durch die in der Metallscheibe induzierten Ströme das Gleichgewicht der durch das Telephon in entgegengesetzter Richtung kreisenden Ströme gestört wird. Indem nun Hughes den Strom mittels des Umschalters nacheinander durch die I. und das Sonometer gehen ließ und letzteres so einstellte, daß der Schall in beiden Fällen gleich stark gehört wurde, fand er, daß für das nämliche Metall bei gleichen Dimensionen der abgelesene Sonometergrad konstant bleibt, und daß derselbe nur mit der chemischen und molekularen Beschaffenheit des Metalls sich ändert. Die I. ist demnach ein äußerst empfindliches Instrument zur Prüfung der Molekularkonstitution der Metalle. Hughes erhielt für Scheiben verschiedener Metalle, welche alle dieselbe Gestalt und Größe hatten und in derselben Lage in die Kartonröhre gebracht wurden, in Sonometergraden die folgenden Zahlen: chemisch reines Silber 125, Gold 117, Münzsilber 115, Kupfer 100, gewöhnliches Eisen 52, chemisch reines Eisen 45, Blei 38, Wismut 10, Retortenkohle 2. Die Empfindlichkeit des Apparats ist so groß, daß man eine bereits gebrauchte Münze von einer ganz neuen und sehr leicht eine falsche von einer echten unterscheiden kann. Bringt man nämlich die zu vergleichenden Stücke in die beiden Kartonröhren, so wird der geringste Unterschied in ihrer Beschaffenheit durch das Telephon gehört. Hughes wendet die I. auch ohne Einschaltung des Sonometers an, indem er in die eine Röhre den zu untersuchenden Körper bringt und dessen Wirkung durch einen in die andre Röhre einzuschiebenden keilförmigen Zinkstreifen, der mit einer Einteilung versehen ist, kompensiert.

Induktiv (lat.), s. Induktion (in der Logik).

Induktor (lat.), bei magnetelektrischen und dynamoelektrischen Maschinen der Teil, in welchem bei der Rotation desselben der elektrische Strom entsteht.

In dulci jubilo (lat., "in süßem Jubel"), Anfangsworte eines alten, halb deutsch, halb lateinisch geschriebenen Weihnachtsliedes, das früher dem Petrus Dresdensis (gest. 1440) zugeschrieben wurde, in der That aber aus einer das Leben des Mystikers Heinrich Suso (gest. 1365) enthaltenden Handschrift des 14. Jahrh. stammt (vgl. Hoffmann v. Fallersleben, In dulci jubilo, Hannov. 1854). Sprichwörtlich s. v. w. in Saus und Braus.

Indulgént (lat.), nachsichtig, gütig.

Indulgentia (lat., "Nachsicht, Gnade"), im römischen Rechtswesen Straferlaß, besonders bei feierlichen Anlässen im großen ausgeübt, entsprechend den Amnestieerlassen moderner Regenten; ferner eine auf Kaisermünzen vorkommende Personifikation der Gnade; in der katholischen Kirche ist Indulgenz s. v. w. Ablaß.

Indulin, s. Azofarbstoffe.

Indúlt (lat.), Nachsicht, Bewilligung; dann s. v. w. Ablaß; insbesondere Dispensation von Bestimmungen des gemeinen Kirchenrechts (s. Dispensation). Im Lehnrecht bedeutete I. (Gottesbrief, indultum feudale) Erweiterung der Frist, in der bei einem Lehnsfall um Empfang des Lehens nachgesucht werden mußte. I. ist auch s. v. w. Moratorium (s. d.). Weil endlich da, wo der Ablaß erteilt wurde, ein Zusammenströmen vieler Menschen stattfand, was zur Entstehung von Jahrmärkten oder Messen Anlaß gab, so ist hier und da (z. B. in Kiel, München) I. oder Dult s. v. w. Jahrmarkt oder Messe.

Induno, Girolamo, ital. Maler, geb. 1827 zu Mailand, war Schüler der dortigen Akademie, wurde 1848 als Kämpfer bei der Verteidigung Roms schwer verwundet und malte erst nach seiner Wiederherstellung 1855 mehrere Bilder aus diesem Kampf, aber auch heitere Szenen aus der Rokokozeit und historische Genrebilder, die von großer Wärme der Empfindung, Gewandtheit der Darstellung und anmutigem Vortrag zeugen. Die bedeutendsten derselben sind: der Abschied des Konskribierten von seiner Geliebten, der galante Hausfreund, ein Biwak der Garibaldiner bei Capua, Leonore von Este unterliegt dem Gram um Tasso, der erste Schnee, eine Militärambulanz in der Casa Borromeo zu Mailand, freudige Erwartung, ein Brief aus dem Lager, die Schlacht bei Magenta, der Einzug des Königs von Italien in Venedig, der Abgang der italienischen Truppen zur Armee, Antiquitätenliebhaber, die Savoyardin und Via Appia bei Rom.

In duplo (lat.), doppelt, in Doppelschrift oder doppelter Ausfertigung.

Induration (lat.), Verhärtung.

In durius (in pejus, lat.), im Rechtswesen s. v. w. auf eine härtere Strafe (erkennen).

Indus (im Sanskrit Sindhu, "Fluß"), der größte Strom Ostindiens hinsichtlich seiner Länge (3200 km), aber nicht seines Flußgebiets, das bei einem Umfang von 965,000 qkm (17,525 QM.) dem des Ganges gleichwohl wenig nachsteht. Er entspringt nahe den