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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Influenzmaschine

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Influenzmaschine.

ansteckende Krankheiten (Pferdestaupe, Brustseuche und Scalma) gerechnet worden sind. Nach historischen und vergleichend-pathologischen Gründen kann als I. eigentlich nur die Pferdestaupe (s. d.) gelten. Vgl. Haase, Die I. (Leipz. 1879).

Influenzmaschine (Elektromaschine), eine 1864 fast gleichzeitig von Holtz und von Töpler erfundene Vorrichtung zur Erzeugung größerer Elektrizitätsmengen durch Verteilung (Influenz). Die Holtzsche I. (Fig. 1) besteht aus zwei gefirnißten Glasscheiben, von denen die kleinere (B) mittels Kurbel und Schnurlauf S um ihre aus Hartkautschuk (Kammmasse) verfertigte wagerechte Achse x gedreht werden kann, deren Zapfenlager in den von vier Glassäulen 1, 2, 3, 4 getragenen, ebenfalls aus Hartkautschuk bestehenden Querbalken kk und hh angebracht sind; die größere feststehende Scheibe A, welche, von gläsernen Querstäben getragen, sehr nahe hinter der drehbaren Scheibe steht, ist an zwei gegenüberliegenden Stellen mit Ausschnitten a und b versehen, an deren Rändern Papierbelege (Armaturen) c und d angebracht sind, von welchen aus Papierspitzen in die freien Räume der Ausschnitte hineinragen. Vor der drehbaren Scheibe befinden sich, den Papierbelegen der hintern Scheibe gerade gegenüber, zwei messingene Kämme oder Rechen gg und ii, welche ihre Spitzen der Scheibe zukehren, und deren messingene Stiele, durch den Querbalken kk hindurchgesteckt, in den Kugeln f und e endigen. Durch diese Kugeln gehen dicke Messingdrähte, welche nach außen mit isolierenden Handgriffen aus Hartkautschuk, nach innen mit Knöpfen n und p versehen sind, verschiebbar hindurch. Hält man hinter den Papierbeleg c eine durch Reiben mit Katzenfell negativ elektrisch gemachte Hartkautschukplatte H (Fig. 2) und dreht die Scheibe B in der Richtung des Pfeils den Papierspitzen bei a und b entgegen, während die Knöpfe n und p miteinander in Berührung sind, so wird zunächst der Papierbeleg c negativ elektrisch, indem seine positive Elektrizität durch die Papierspitze gegen die Kautschukplatte ausströmt, während die negative zurückbleibt; sobald dies erreicht ist, wird die Kautschukplatte entfernt. Die negative Elektrizität des Belegs c wirkt nun verteilend sowohl auf die sich drehende Glasscheibe als auch auf den Messingkamm gg, indem sie in beiden die positive Elektrizität anzieht, die negative zurücktreibt; jene wird dadurch auf der hintern, dem Beleg zugekehrten Seite positiv (+), auf der vordern zunächst negativ (-); da aber in dem die Ekektrizität ^[richtig: Elektrizität] leitenden Messing die Verteilung viel rascher und vollkommener erfolgt als in dem nichtleitenden Glase, so reicht die aus den Spitzen des Kammes gegen die Scheibe strömende positive Elektrizität nicht nur hin, die negative Elektrizität ihrer Vorderseite auszugleichen, sondern auch noch, letztere mit positiver Elektrizität zu beladen. Der Teil der Scheibe, welcher an dem Kamm gg vorübergegangen ist (in der Figur ihre untere Hälfte), ist daher auf beiden Seiten positiv elektrisch. Diese positive Elektrizität, an der in den Ausschnitt b hineinragenden Papierspitze angekommen, zieht aus dieser die negative Elektrizität heraus, hebt sich gegen dieselbe auf und läßt den Papierbeleg d positiv elektrisch zurück; der Erfolg ist derselbe, als wäre die gesamte positive Elektrizität der untern Scheibenhälfte in diesen Beleg übergegangen. Indem nun die positive Elektrizität des Belegs d auf die drehbare Scheibe und den Messingkamm ii ganz wie vorhin verteilend wirkt und negative Elektrizität aus den Spitzen auf die Scheibe zu strömen nötigt, wird deren obere Hälfte beiderseits mit negativer Elektrizität (-) geladen, welche, an dem Ausschnitt a angelangt, in den Papierbeleg c übergeht und dessen negative Ladung und verteilende Wirkung vermehrt. Da sich dieses Spiel bei jeder Umdrehung wiederholt, so wird die Ladung beider Belege rasch bis zu einer gewissen Grenze gesteigert. Von den durch die verteilende Wirkung der Belege in die Kämme zurückgetriebenen Elektrizitäten geht die positive vom Kamm ii nach der Kugel p, die negative vom Kamm gg nach der Kugel n; zwischen diesen beiden Kugeln, welche man Elektroden nennt, gleichen sie sich aus. Damit dies bei der anfangs schwachen Ladung möglich sei, müssen die Kugeln beim Ingangsetzen der Maschine miteinander in Berührung sein. Man kann übrigens die Maschine und zwar mit sicherm Erfolg auch dadurch laden, daß man die Elektroden gleich anfangs voneinander entfernt und die eine mit der Erde, die andre mit dem Konduktor einer gewöhnlichen Elektrisiermaschine in Verbindung setzt; der Vorgang der Ladung ist jetzt gerade der umgekehrte wie vorhin. Sobald auf die eine oder die andre Weise eine genügende Ladung erreicht ist, was sich durch ein zischendes Geräusch verrät, geht zwischen den auseinander gerückten Kugeln ein prasselnder Funkenstrom über, welcher andauert, solange man die Scheibe dreht. Leitet man die eine Kugel nach der Erde ab, so kann man aus der andern Funken ziehen, wie aus dem Konduktor einer gewöhnlichen Elektrisiermaschine, deren Wirkung übrigens durch die I. bedeutend übertroffen wird. Eine Leidener Flasche (s. d.) oder Batterie, deren Belegungen man mit den geöffneten Elektroden in Verbindung setzt, wird in wenigen Sekunden geladen und entlädt sich wieder durch einen zwischen den Elektroden überspringenden Funken. Um statt des andauernden Funkenstroms einzelne stärkere Funken

^[Abb.: Fig. 1. Holtzsche Influenzmaschine. Fig. 2. Wirkungsweise der Influenzmaschine.]