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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: In genĕre; Ingelmünster; Ingelow; Ingemann; Ingena; Ingeneriert; Ingenieur

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Ingelmünster - Ingenieur.

Synagoge, eine Papierfabrik, vorzüglichen Weinbau (Rotwein), Reste einer alten Burg und (1885) 3162 meist evang. Einwohner. - Nieder-I., das Ruinen eines alten Palastes, ebenfalls Weinbau sowie Papierstoff-, Zement-, Schwärze- und Chemikalienfabrikation und (1885) 2756 meist evang. Einwohner hat, ist der Sage nach Geburtsort Kaiser Karls d. Gr., der hier 768-774 eine durch seltene Pracht ausgezeichnete Pfalz erbaute. Das Gebäude war mit 100 Marmorsäulen, Skulpturen und Mosaikzieraten aus Italien, meist Geschenken des Papstes Hadrian I., geschmückt und wiederholt der Schauplatz glänzender und wichtiger Reichsversammlungen. Friedrich I. ließ den Palast wiederherstellen; Karl IV. bewohnte ihn zuletzt und verpfändete ihn dann an Kurpfalz. Im Krieg des Pfalzgrafen Friedrich des Siegreichen gegen den Erzbischof Adolf von Mainz (1462) ward das Gebäude von den Mainzern in Brand gesteckt. Die Stätte des ehemaligen Palastes heißt bei den Einwohnern noch heute der "Saal". Von den Säulen sind einzelne nach Paris gekommen; eine derselben befindet sich im Museum zu Wiesbaden, eine andre am Brunnen auf dem Schillerplatz zu Mainz. Vgl. Hilß, Der Reichspalast zu I. (Mainz 1868); Loersch, Der Ingelheimer Oberhof (Bonn 1885).

Ingelmünster, Flecken in der belg. Provinz Westflandern, Arrondissement Rousselaere, Knotenpunkt an der Bahn Brügge-Courtrai, mit einem Schloß, Fabrikation von Gobelins und Spitzen und (1885) 5927 Einw. Hier 10. Mai 1794 Treffen zwischen den Franzosen und den unter Feldmarschall Freytag vereinigten Engländern und Hannoveranern.

Ingelow (spr. inng'loh), Jean, engl. Dichterin, geboren um 1830 zu Ipswich, debütierte mit einer Sammlung von Erzählungen: "Tales of Orris" (1860), und ließ zwei Jahre später einen Band Gedichte: "Round of days", folgen, der sehr günstige Aufnahme fand und 1884 in 23. Auflage erschien. Seitdem hat sie in Vers und Prosa viel für Zeitschriften geschrieben und weiter selbständig veröffentlicht die Dichtungen: "Home thoughts and home scenes" (1865), "A story of doom, and other poems" (1867), "Mopsa the fairy" (1869) und "Little wonder-horn" (1872); ferner die Romane: "Off the skelligs" (1873, 4 Bde.), "Fated to be free" (1875), "Don John" (1876), "Sarah de Berenger" (1880) u. a. Ein neuer Band Gedichte erschien 1885, eine Sammlung ihrer "Lyrical and other poems" 1886.

Ingemann, Bernhard Severin, dän. Dichter, geb. 28. Mai 1789 zu Thorkildstrup auf der Insel Falster, studierte in Kopenhagen, ward 1822 Lektor an der Akademie zu Sorö; verwaltete von 1843 bis 1849 die Direktion dieser Anstalt und starb 24. Febr. 1862 in Sorö. Seine ersten poetischen Versuche, in denen, wie in all seinen spätern Dichterwerken, eine milde, humane Lebensanschauung zum Ausdruck kommt, waren: "Digte" (1811-12, 2 Bde.), denen 1813 die Sammlung "Procne" (mit der lyrisch-erotischen Novelle "Warners poetiske Vandringer") folgte. Nächstdem erschien eine Reihe dramatischer Werke, unter welchen das dramatisierte Märchen "Reinald Underbarnet" ("Reinald das Wunderkind") ohne Zweifel das bedeutendste war, während "Masaniello" und "Blanca" (1815) den größten Erfolg erzielten. Auch die dramatische Satire "Julespøg og Nytaarsløjer" ("Weihnachtsscherze und Neujahrsspäße") verdient Erwähnung. Zugleich veröffentlichte er eine Anzahl lyrisch-epischer Dichtungen, wie "Helias og Beatrice" (1816) und "De Unterjordiske" ("Die Unterirdischen", 1817, Hamb. 1822), sowie "Eventyr og Fortællinger" (1819), die später noch durch mehrere Bände erweitert wurden (3. Aufl. 1876-82, 8 Bde.). Das Ergebnis einer Reise nach dem Süden Europas (1818-19) war die Gedichtsammlung "Reiselyren" (1820, 2 Bde.; 2. Ausg. 1845), welcher die gleichfalls lyrischen "Julegave" (1826) folgten. Eine nationale Richtung schlug er ein in dem Epos "Valdemar den Store og hans Mænd" (1824), welchem sich ein Cyklus historischer Romane: "Valdemar Seier" (1826), "Erik Menveds Barndom" (1828), "Kong Erik og de Fredløse" (1833) und "Prinds Otto of Danmark" (1835), sowie das romantisch-historische Gedicht "Dronning Margrete" (1836) anschlossen. Verwandt mit diesen geschichtlichen Romanen, worin er Episoden aus der dänischen Geschichte des Mittelalters im Geist Walter Scotts poetisch darzustellen suchte, und die trotz der dürftigen historischen Forscherbasis, auf der dieselben beruhen, in Dänemark Volksbücher geworden sind, ist der Romanzencyklus "Holger Danske" (1837), eine seiner eigentümlichsten und ansprechendsten Dichtungen. Von Ingemanns übrigen Werken sind noch auszuzeichnen seine vortrefflichen geistlichen Gesänge: "Høimessepsalmer" (1825) u. a., die dem Leben der Grönländer entnommene Erzählung "Kunnuk og Naja" (1842), der in der Gegenwart spielende Roman "Landsbybørnene" ("Die Dorfkinder", 1852) und die Dichtung "Tankebreve fra en Afdød" ("Gedanken in Briefen von einem Verstorbenen", 1855), worin er die Resultate seiner religiösen Forschungen niederlegte. Die meisten der genannten Werke erleben noch fortwährend neue Auflagen und wurden auch ins Deutsche übersetzt. Seine "Samlede Skrifter" erschienen in vier Abteilungen, von denen die erste die dramatischen Werke (Kopenh. 1843, 6 Bde.; 2. Aufl. 1853), die zweite die historischen Dichtungen und Romane (1847-51, 12 Bde.), die dritte die Märchen und Erzählungen (1847-51, 12 Bde.), die vierte die Romanzen und Gedichte (1845-64, 9 Bde.) enthält. Nach Ingemanns Tod gab Galskjöt dessen Selbstbiographie "Min Levnetsbog" (Kopenh. 1862) und "Tilbageblik paa mit Liv og min Forfattervirksomhed" (das. 1863) heraus. Sein Briefwechsel mit Grundtvig erschien 1881. Vgl. Nörregård, "B. S. Ingemanns Digterstilling og Digterværd" (Kopenh. 1886); Schwanenflügel, Ingemanns Liv og Digtning (das. 1886).

Ingena, Stadt, s. Avranches.

In genĕre (lat., von genus, Geschlecht), s. v. w. generell, im allgemeinen; Gegensatz: in specie.

Ingeneriert (lat.), mit der Zeugung oder Geburt eingepflanzt, anerschaffen, angeboren.

Ingenieur (franz., v. span. ingenio, "Kriegsmaschine", deren Werkmeister ingenieros hießen), Techniker im Militär- wie im Zivildienst. Erstere bilden die Genietruppen, letztere, die Zivilingenieure, sind entweder Zivilingenieure im engern Sinn (s. Zivilingenieur) oder Bauingenieure. Die letztern, welche je nach ihrer Spezialbranche Ingenieure für Straßen- und Eisenbahnbau, Tunnelbau, Brücken- und Wasserbau, insbesondere See- und Hafenbau sowie Strombau, sind, stehen teils im Dienste des Staats, teils im Dienst von Privatgesellschaften oder Privaten und sind, wenn das Unternehmen einen größern Umfang erreicht, insbesondere bei ausgedehnten Eisenbahnlinien oder Eisenbahnnetzen, so organisiert, daß einem Oberingenieur die erforderliche Zahl von Ingenieuren (Sektions-, Abteilungs-, Bezirksingenieuren) unterstellt ist. Das erste Ingenieurkorps für Straßen- und Brückenbau wurde