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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Inkrustierender Stoff; Inkubation; Inkubus; Inkulpat; Inkumbenz; Inkunabeln; Inkurabel; Inkurat; Inkursion; Inkurvation

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Inkrustierender Stoff - Inkurvation.

Quellabsatz bilden, Kalkspat ganz allgemein verbreitet, Aragonit seltener, namentlich in den Karlsbader Quellen. - In der Architektur, in der Plastik und im Kunstgewerbe ist I. die Bekleidung von minderwertigen Flächen mit edlern Deckplatten. Sie erstreckt sich auf Wände, Bildhauerarbeiten und kunstgewerbliche Erzeugnisse jeglicher Art und hat den Zweck, eine farbige Wirkung hervorzubringen. Feine Marmorsorten, Glas, Elfenbein, Perlmutter, Schildpatt, Metalle, Glasflüsse etc. sind Mittel der I., die übrigens zum Teil mit Intarsia, Mosaik, Tauschierung, Niello, Email, Boulearbeit etc. identisch ist.

Inkrustierender Stoff, ein stofflicher Bestandteil der Membranen mancher Pflanzenzellen (s. Zelle).

Inkubation (lat., griech. Enkoimesis), das Liegen und Schlafen in den Tempeln und heiligen Bezirken (besonders des Äskulap, Apollon, Serapis), die älteste Art der Verbindung religiöser Vorstellungen mit der Heilwissenschaft bei den Ägyptern, Griechen und Römern. Den Griechen ward der Gebrauch durch die Priesterfamilie der Asklepiaden gebracht. Die Kranken wurden zu diesem Behuf in die Tempelbezirke eingelassen und hier verschiedenen Reinigungen und Zeremonien unterworfen, darauf feierlich in den Tempel gebracht und dort auf einer Lagerstätte, die mit dem Fell eines frisch geschlachteten Opfertiers bedeckt war, niedergelegt, um unter dem Einfluß von geheimen Prozeduren in einen Zustand des Schlafes zu verfallen, welchen unsre neuern Mesmeristen häufig mit dem Hellsehen verglichen haben. In diesem Zustand meinten sie durch unmittelbare göttliche Eingebung die Orakel der heilenden Götter zu erhalten und hingen, von der Krankheit befreit, eine kurze Nachricht über dieselbe als Opfergabe in den Heiligtümern auf (Votivtafeln). Die noch jetzt üblichen Wallfahrten Kranker nach heiligen Stätten samt den dort aufgehängten Krücken, Bildern und nachgeformten Gliedern sind auf jene antike Sitte zurückzuführen. Vgl. Ritter v. Rittershain, Der medizinische Wunderglaube und die I. im Altertum (Berl. 1878).

Inkubation (lat.), in der Zoologie die Bebrütung des Eies oder die Zeit der Entwickelung des Keims im Ei; in der modernen Medizin die Zeit zwischen erfolgter Ansteckung und dem Ausbruch der Krankheit. Im Stadium der I. weist durchaus nichts darauf hin, daß eine Krankheit im Anzug sei, daher dieses Stadium auch dasjenige der Latenz, des Verborgenseins, genannt wird. Das Stadium der I. dauert bei den einzelnen Ansteckungskrankheiten verschieden lange, z. B. bei der Cholera und dem Milzbrand höchstens 3, bei den Pocken etwa 9, bei den Masern 14 Tage und bei der Hundswut wochen, ja selbst monatelang. Eine Erklärung läßt sich heute nur beim Milzbrand geben, von dem wir wissen, daß die bei der Ansteckung in den Körper gelangenden Pilzkeime 1-3 Tage gebrauchen, ehe sie sich zu so großen Massen vermehrt haben, daß dadurch Krankheitserscheinungen ausgelöst werden. Vgl. Ansteckung und Mykosen.

Inkubus (auch Incubo, lat., "Beilieger"), volkstümlicher Name des Faunus oder Silvanus, weil man glaubte, daß er die Frauen nachts im Bett beschleiche und durch schreckliche Träume ängstige; dann auf eine Art Kobold oder Dämon übertragen und mit Nachtmahr und Alpdrücken (s. Alp) identifiziert; im mittelalterlichen Volksglauben auch ein mit einer Hexe buhlender böser Geist.

Inkulpat (neulat.), früher übliche Bezeichnung für den Angeschuldigten, Angeklagten im Untersuchungsprozeß; inkulpieren, anschuldigen, bezichtigen; Inkulpation, An- oder Beschuldigung.

Inkumbenz (neulat.), Obliegenheit, Schuldigkeit.

Inkunabeln (v. lat. incunabula, Wiege, daher Wiegendrucke, auch Paläotypen, "alte Drucke", genannt), die Erzeugnisse der Buchdruckerkunst aus ihrer ersten Zeit. Einige rechnen nur die bis zum Jahr 1500, welche man auf 16,000 geschätzt hat, zu den I.; andre betrachten alles bis 1520, 1530, ja bis 1536 Erschienene als solche. Am meisten gesucht und als wertvolle I. geschätzt sind die frühsten Drucke aus der Zeit kurz nach der Erfindung der Buchdruckerkunst; die ersten Drucke eines Landes und einer Stadt; die Arbeiten von solchen Druckern, von denen man mit Bestimmtheit weiß, daß sie nur geringe Auflagen machten; Pergamentdrucke aus den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrh.; Werke mit besonders künstlichem oder ungewöhnlichem Druck; die ersten Ausgaben (editiones principes) der griechischen und römischen Klassiker überhaupt (von denen viele den Handschriften gleich geachtet werden); die Drucke berühmter Offizinen; erste Drucke mit Holzschnitten, Kupferstichen etc. Was zunächst das Material betrifft, so druckte man anfangs viel auf Pergament, später fast ausschließlich auf Papier. Das Papier für die J. ist durchgängig stark und weiß und läßt den kräftig schwarzen Druck angenehm in die Augen springen. Das Format der ersten Bücher war Folio. Die Lettern der ältesten Drucke sind die der Mönchsschrift ähnlichen gotischen; später werden die runden römischen Lettern gewöhnlich und besonders in Italien die herrschenden. Das erste mit gegossenen Lettern gedruckte griechische Buch ist Laskaris' "Grammatica graeca" (Mail. 1476). Die Initialen wurden gewöhnlich nicht mit eingedruckt, sondern in andern Farben, oft in Gold und kostbar verziert, eingeschrieben oder eingezeichnet. Die frühsten Drucke haben keine fortlaufenden Seitenzahlen; zuerst kamen Blattzahlen in Gebrauch, Seitenzahlen weit später. Dazu nahm man anfangs die römischen Zahlen; die arabischen kommen, jedoch in noch sehr unvollkommener Form, um 1470 und in der jetzigen Gestalt erst zu Ende des 15. Jahrh. vor. Titelblätter sucht man bei den ältesten I. vergebens; das erste Buch mit einem solchen soll 1485 von Jenson zu Venedig gedruckt worden sein. Gewöhnlich zeigt am Ende des Buches eine Schlußschrift den Namen des Druckers sowie den Ort und die Zeit des Druckes an. Die ersten Bücher mit Verzierungen, d. h. mit Kunstzugaben, finden sich in Deutschland und Italien. Genaue und thunlichst vollständige Verzeichnisse der I. sind enthalten in Panzers "Annales typographici ab artis inventae origine ad annum 1536" (Nürnb. 1793-1803, 4 Bde.) und Mittaires ^[richtig: Maittaires] "Annales typographici ab artis inventae origine ad annum 1557" (Haag 1719-41, 5 Bde.). Von neuern Werken sind zu nennen: Serna Santanders "Dictionnaire bibliographique" (Brüssel 1805-1807, 3 Bde.), namentlich für niederländische und spanische I.; für französische G. Brunets "La France littéraire" (Par. 1865); für englische Johnsons "Typographia" (Lond. 1824) und Blades' "Life and typography of Caxton" (2. Aufl., das. 1882). Vgl. auch Hain, Repertorium bibliographicum (Stuttg. 1826-38, 2 Bde.), und die verschiedenen Werke zur Geschichte der Buchdruckerkunst.

Inkurabel (neulat.), unheilbar.

Inkurat (neulat.), s. v. w. Kurat, Pfarrer.

Inkursion (lat.), Streifzug, Streiferei.

Inkurvation (lat.), Biegung, Krümmung.