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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Inner-Roden; Inneres Licht; Innerösterreich; Innerste; Innervation; Innichen; Innocente; Innocenz

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Inneres Licht - Innocenz.

i. M. seit 1840 an dem König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, und neuen Aufschwung erhielt sie durch die Erfahrungen des unruhigen Jahrs 1848, die auf dem ersten Kirchentag zu Wittenberg 1849 zur Begründung des Deutschen Zentralvereins für i. M. führten, der 1886 bereits seinen 24. Kongreß zu Breslau abgehalten hat. Außer den schon erwähnten Rettungshäusern für verwahrloste Kinder wie den Diakonissenhäusern für Armen-, Krankenpflege und Kleinkinderschulen umfaßt die i. M. noch Vereine und Anstalten für einzeln stehende Jünglinge und Mädchen (Jünglingsvereine, Mägdeherbergen, Herbergen zur Heimat, Marthastifter), Gefängnisvereine, besonders für entlassene Sträflinge, Arbeiterkolonien zur Rettung arbeitsloser Herumtreiber, Magdalenenhäuser zur Rettung gesunkener Frauen etc. In großen Städten, wie Berlin (vgl. "Die i. M. in Berlin", Übersicht der betreffenden Anstalten und Vereine, Berl. 1883), Hamburg, Breslau, sind neuerdings alle derartigen Bestrebungen in Gestalt sogen. Stadtmissionen einheitlich geordnet. Auch haben in fast allen größern Städten die Vereine für i. M. eigne Häuser (evangelische Vereinshäuser, meist mit Herbergen zur Heimat [jetzt 281 in Deutschland] verbunden) für ihre Versammlungen etc. erbaut. Vielfach berührt sich die i. M. mit allgemeinen staatlichen Interessen, vorzüglich auf dem Gebiet des Armenwesens (Arbeiterkolonien, s. Armenkolonien, und Verpflegstationen für landstreichende Bettler) und des Gefängniswesens, wie denn Wichern, der thatkräftigste Vertreter der innern Mission in Norddeutschland, seit 1852 in ein amtliches Verhältnis zum preußischen Gefängniswesen trat und 1858 als vortragender Rat in das Ministerium des Innern wie in den Oberkirchenrat zu Berlin berufen ward. Mit der sonstigen, nicht erklärt kirchlichen Vereinsthätigkeit wie auch mit dem adligen Johanniterorden (s. d.) u. a. ist die i. M. häufig in ein Verhältnis friedlichen Zusammenwirkens getreten und hat durch diese mannigfachen Berührungen mit der Außenwelt allmählich viel von dem engherzig pietistischen Anstrich verloren, der ihr oft mit unbilliger Einseitigkeit, aber nicht immer unverdient vorgeworfen worden ist. - Auf katholischer Seite herrscht ebenfalls ein reger Eifer für die Aufgaben der innern Mission, die dort, wenn auch nicht unter diesem Namen, mit Aufwendung großartiger Mittel von Vinzenzvereinen, Bonifaciusvereinen u. dgl. betrieben wird. Nur mischt sich dort, der katholischen Grundrichtung entsprechend, leicht die propagandistische Absicht in die übrigens durch Opferwilligkeit ausgezeichnete hilfreiche Liebe. Vgl. Busch, Die i. M. in Deutschland (Gotha 1877); Schäfer u. a., Die i. M. in Deutschland (Hamb. 1878-83, 6 Bde.); Derselbe, Leitfaden der innern Mission (das. 1887); Hase, Die i. M. und die Zeichen der Zeit (Leipz. 1877); "Monatsschrift für i. M." (hrsg. von Busch, Gütersl. 1880 ff.). Organ des Zentralvereins sind die von Wichern begründeten "Fliegenden Blätter des Rauhen Hauses" (Hamb., seit 1843); nach jedem Kongreß gibt der Vorstand amtliche "Verhandlungen" heraus.

Inneres Licht (Inneres Wort, Lumen s. Verbum internum), s. Inspirationsgemeinden.

Innerösterreich, im ältern Sprachgebrauch die zu Österreich gehörenden Länder Steiermark, Kärnten, Krain und das Küstenland, im Gegensatz zu Vorderösterreich (Breisgau) und Böhmen.

Inner-Roden, Kanton, s. Appenzell.

Innerste, rechter Nebenfluß der Leine in der preuß. Provinz Hannover, entspringt auf dem Oberharz, südlich von Klausthal, durchfließt den Regierungsbezirk Hildesheim und mündet nach 75 km langem Lauf unterhalb Sarstedt. Nebenflüsse sind Nette u. Lamme.

Innervation (neulat.), der Einfluß der Nerven auf die Verrichtungen der Organe des Körpers.

Innichen, Marktflecken in Tirol, Bezirkshauptmannschaft Lienz, Station der Pusterthalbahn, liegt an der Drau und der Mündung des Sextenthals in das obere Pusterthal, 1166 m ü. M., an der Stelle des zu Anfang des 7. Jahrh. von den Wenden zerstörten römischen Aguntum, hat ein Kollegiatkapitel, ein Franziskanerkloster, eine romanische Kirche aus dem 13. Jahrh., eine gewerbliche Zeichenschule, einen Sauerbrunnen, ein Wildbad (2 km südlich im Sextenthal) mit drei Mineralquellen und (1880) 1085 Einw. - I. gehörte bis 1803 zum Hochstift Freising, kam dann an Österreich, 1805 an Bayern, 1811 an Illyrien und 1814 an Österreich zurück.

Innocente (ital., spr. innotschénte), unschuldig; als musikalische Vortragsbezeichnung: ungekünstelt, naiv.

Innocenz (lat. innocentius, "der Unschuldige"), Name von 13 Päpsten:

1) I. I., der Heilige, aus Albano, seit 402 Bischof zu Rom, war bemüht, die Herrschaft des römischen Bischofs über Illyrien auszudehnen, und hatte mit dem Patriarchen von Konstantinopel mehrmals Streit. Sein Bemühen, den Metropoliten von Antiochia zum Anschluß an Rom zu bewegen, indem er demselben die zweite Autorität nach seiner eignen einräumen wollte, war erfolglos. Als Friedensunterhändler 409 an Alarich abgesandt, suchte I. denselben von Rom abzuhalten; allein seine Unterhandlungen wurden durch den kaiserlichen Statthalter Jovius vereitelt, und Rom ward geplündert, während I. noch zu Ravenna verweilte. In einem Sendschreiben an die afrikanischen Bischöfe verdammte er die Lehre des Pelagius, verletzte aber jene durch seine anmaßende Sprache. Er starb 12. März 417 und wurde nachher heilig gesprochen.

2) I. II., vorher Gregor de Papis, aus einer röm. Adelsfamilie, war zuerst Abt des Benediktinerklosters St. Nikolai zu Rom, dann, seit 1118 Kardinaldiakon, einer der Unterhändler des Wormser Konkordats in Deutschland, ward nach dem Tode des Papstes Honorius II. 14. Febr. 1130 von einem Teil der Kardinäle auf den päpstlichen Stuhl erhoben, während die andern Petrus Leonis unter dem Namen Anaklet II. wählten. I. mußte vor diesem und den gegen ihn anstürmenden Normannen fliehen, ward aber sodann auf Verwendung Bernhards von Clairvaux vom König Ludwig VI. von Frankreich, bald darauf auch von dem englischen König Heinrich I. und dem deutschen König Lothar sowie endlich auch von Spanien als Papst anerkannt. Nach einer in Lüttich getroffenen Vereinbarung führte ihn Lothar 1133 nach Rom und setzte ihn mit bewaffneter Hand auf den päpstlichen Stuhl; I. krönte dafür Lothar 8. Juni 1133 zum Kaiser. Doch mußte I. bald nach Lothars Abzug nach Pisa fliehen. Zwar kehrte der Kaiser 1137 zurück und demütigte Anaklet wie seinen Protektor Roger, allein Anaklet II. gab seine Ansprüche nicht auf. Nach dessen Tod (1138) wählten die I. feindselig gesinnten Kardinäle den Kardinal Gregorius als Viktor III. zum Gegenpapst; indessen ließ sich dieser durch Bernhard von Clairvaux zur Nachgiebigkeit bewegen, und I.' Würde war fortan unbestritten. Dann hielt er eine große Lateransynode (1139) ab, auf welcher Peter von Bruys und Arnold von Brescia verdammt und die päpstlichen Erlasse Anaklets II. für ungültig erklärt wurden; auch wurde Roger von Sizilien in den Bann gethan. Letzterer rückte aber