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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Innsbruck

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Innsbruck.

von den bayrischen Truppen 1703; am südlichen Ende dieser Straße die Triumphpforte (1765 zum Andenken an die Feier der Ankunft Maria Theresias und Franz' I. und der Vermählung ihres Sohns Leopold errichtet); vor dem Theater die eherne Reiterstatue des Erzherzogs Leopold V. (gest. 1632), in den Anlagen am Innufer das Standbild Walthers von der Vogelweide und auf dem Margaretenplatz der große marmorne Rudolfsbrunnen mit der Statue Rudolfs IV. Sehenswert ist ferner der neue Friedhof im W. der Stadt. Über den Inn führen drei große Brücken, eine eiserne, eine Kettenbrücke und eine steinerne für die Eisenbahn, außerdem ein eiserner Steg. I. zählt (1880) 20,537 Einw. (darunter 1384 Mann Militär), mit Einschluß von Wilten u. Hötting 28,790. Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von Maschinen, Glocken, Instrumenten, Schlosserwaren, Zementwaren und Kaffeesurrogaten, auf Baumwollspinnerei und -Weberei, Tuchfabrikation, Seidenweberei, Zwirn- und Bandfabrikation, Erzeugung von Leibwäsche und Strohhüten, Bierbrauerei u. a. Hervorragend ist die tirolische Glasmalereianstalt in Wilten. Der Transithandel ist sehr bedeutend. Während der Sommermonate hat I. auch sehr lebhaften Fremdenverkehr. I. ist Sitz der Statthalterei, des Oberlandesgerichts, eines Landesgerichts, der Finanzlandesdirektion, eines Hauptzollamtes, der Postdirektion, der Forst- und Domänendirektion, einer Handels- und Gewerbekammer, des 14. Korpskommandos sowie des Tiroler Landtags etc. Als Unterrichtsanstalten sind hervorzuheben: die Leopold Franzens-Universität (vom Kaiser Leopold I. 1677 gegründet, 1792 wiederhergestellt, 1810 von Bayern aufgehoben, 1826 restauriert, aber lange nur aus einer juristischen und philosophischen Fakultät und einer chirurgischen Lehranstalt bestehend, 1858 durch eine theologische, von Jesuiten besorgte Fakultät vermehrt, endlich 1869 durch die medizinische vervollständigt) mit 75 Lehrenden und 720 Studierenden, einer Bibliothek von mehr als 60,000 Bänden, einem anatomischen Museum, physikalischem und Naturalienkabinett, einem chemischen Laboratorium, einem wegen seiner Alpenflora bekannten botanischen Garten etc.; ein Obergymnasium, eine Oberrealschule, Bildungsanstalten für Lehrer und Lehrerinnen, eine Staatsgewerbeschule und eine Handelsschule. Klöster gibt es acht, darunter das älteste Kapuzinerkloster in Deutschland (von 1594) und ein Kloster der Ursulinerinnen mit höherer Töchterschule, hierzu müssen noch das Prämonstratenser- u. das Karmeliterinnenkloster in Wilten gezählt werden. Ferner besteht hier ein weltliches adliges Damenstift (seit 1765) und von andern öffentlichen Instituten eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, eine Sparkasse (13,8 Mill. Gulden Einlagen), eine städtische Pfandleihanstalt, ein Landwirtschaftlicher Verein, ein sehenswertes Landesmuseum (Ferdinandeum), ein städtisches Brüderhaus nebst andern Versorgungsanstalten u. gemeinnützigen Vereinen. Beliebte Punkte der Umgebung sind: Schloß Ambras, der Berg Isel, die Weiherburg, die Lanser Köpfe und der Patscher Kofel. Am linken Innufer liegt das Dorf Mühlau mit großer Badeanstalt.

Die Wichtigkeit der Lage von I., am nördlichen Ausgang der Brennerstraße, erkannten bereits die Römer, welche an der Stelle des heutigen Dorfs Wilten, südlich bei I., Veldidena, ihre Hauptniederlassung in Rätien, gründeten. Nachdem dieselbe in der Völkerwanderung zerstört worden, erhob sich später nach dem Einbruch der Bojoaren aus den Trümmern das 1128 gestiftete, noch heute prangende Prämonstratenserstift Wilten oder Wiltau und auf dem Schloßberg von Ambras (Omeras), wo vordem ein Römerkastell gestanden, die Burg der bojoarischen Gaugrafen vom Innthal, als welche uns die Grafen von Andechs im 12. Jahrh. entgegentreten. Zunächst gehörte I., zum erstenmal 1028 urkundlich genannt, zum Grundeigentum des Klosters Wilten, die Neugründung des Marktes I. am rechten Innufer begann unter den Andechs-Meranern, seit 1180. Unter dem Schutz dieses mächtigen Geschlechts bildete sich an der Fähre über den Inn auf dem engen Raum zwischen dem Höttinger Berg und dem linken Ufer eine Ansiedelung als Sammelplatz für Kaufleute. Aus der Innüberfahrt wurde eine Innbrücke, woraus Name und Wappen des Ortes entstand. Letzterer war bereits zur Regierungszeit Kaiser Friedrichs I. so sehr angewachsen, daß er auf dem breiten rechten Ufer sich auszudehnen begann. Von nun an entwickelte und vergrößerte sich I. bedeutend; 1239 wurde es von dem letzten Andechs-Meraner Herzog Otto, Pfalzgrafen von Burgund, als befestigter Ort zur Stadt erhoben. Schon sehr früh befand sich daselbst eine landesfürstliche Burg, die bereits zeitweise von

^[Abb.: Karte der Umgebung von Innsbruck.]