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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Intoxikation - Intussuszeption.

bei der Orgel noch kleine Veränderungen am Aufschnitt der Labialpfeifen oder der Zungen der Zungenpfeifen, beim Klavier die genaue Stellung der Hämmerchen, Revision der Belederung etc. Daher Intoniereisen, ein Instrument, dessen sich die Orgelbauer beim erstmaligen Einstimmen (Intonieren) der Pfeifen bedienen. Auch bei der menschlichen Stimme spricht man von I. und versteht darunter soviel wie Tongebung, besonders in Bezug auf Tonhöhe (reine, unreine I., letztere als sogen. Detonieren bekannt).

Intoxikation (lat.-griech.), Vergiftung.

Intra, Stadt in der ital. Provinz Novara, Kreis Pallanza, am Westufer des Lago Maggiore, zwischen den Mündungen der Flüsse San Giovanni und San Bernardo, über welche eine schöne Steinbrücke führt, gelegen, hat eine hübsche neue Kirche, hohe Häuser mit Arkaden, einen großen Marktplatz, einen geräumigen Hafen, eine technische Schule und (1881) 5745 Einw., welche ansehnliche Baumwollindustrie, Seidenspinnerei, Glasfabrikation, Holzhandel etc. betreiben.

Intra, Giambattista, ital. Schriftsteller, geb. 1832 zu Calvenzano in der Provinz Bergamo, wurde 1860 Direktor des Lyceums in Cremona und lebt seit 1868 ohne amtliche Stellung in Mantua seinen litterarischen Beschäftigungen. Von ihm erschien: "Manuale del contadino" (Mail. 1867) und eine Reihe von Romanen und Erzählungen, wie "Ai bagni di mare" (das. 1869), "Agnese Gonzaga" (1871), "In sacco di Mantova" (1872), "L'ultimo dei Bonaccolsi" (1874), "In villa" (1876), "Isabella Clara d'Austria" (1878) etc. In den Mailänder Zeitschriften "Perseveranza" und "Archivio storico Lombardo" hat er zahlreiche Monographien veröffentlicht.

Intradae jus (lat., "Recht des Eintritts"), alte Gerechtsame fürstlicher Personen, nach welcher sie von ihren Landesunterthanen einen feierlichen Empfang verlangen konnten, sobald sie das fragliche Gebiet zum erstenmal betraten, wie dies auch noch jetzt üblich ist.

Intrade (ital. Entrata, franz. Entrée), Einleitung, besonders prunkhaft auftretende Instrumentaleinleitung zu ältern Schaustücken (Opern, Festspielen). Als Tanzstück hatte die Entrée eine ähnliche Bedeutung wie unsre heutige Polonäse und findet sich besonders in der Serenade häufig als erster Teil. Intraden auch s. v. w. Einkünfte, insbesondere von Grundvermögen.

Intradós (span., oder franz., spr. ängtradoh, Untersicht), die innere, also konkave Seite (Leibung) eines Bogens oder Gewölbes (Gegensatz: Extrados); intradossiert, an der Leibung glatt bearbeitet oder verziert.

Intrafoliarstipeln, an der innern Basis des Blattgrundes stehende, nebenblattähnliche Blattbildungen, die unter anderm bei Pistia und manchen Najadaceen vorkommen. Bisweilen wachsen die I. stärker als das zugehörige Blatt und treten dann als kapuzenförmige Knospenhülle auf.

Intraitable (franz., spr. ängträtábl, intraktabel), nicht oder schwer zu behandeln, störrisch.

Intramuranhinrichtung (Hinrichtung intra muros), Bezeichnung für die der Öffentlichkeit entzogene Vollstreckung der Todesstrafe (s. d.). Während früher die Todesstrafe öffentlich vollstreckt wurde, geschieht dies heutzutage in einem umschlossenen Raum vor dem Gerichtspersonal und besonders zugezogenen oder zugelassenen Personen, so namentlich nach der deutschen Strafprozeßordnung (§ 486). In Frankreich und in Italien ist die I. nicht eingeführt.

Intra muros (lat.), innerhalb der Mauern, in geschlossenem Raum, nicht öffentlich.

Intransigenten (v. lat. transigere, "ausgleichen, versöhnen"), die "Unversöhnlichen", Bezeichnung für extreme politische Parteien, wie für die revolutionären Kommunisten 1873 in Spanien, die zum Kommunismus neigenden Radikalen in Frankreich unter der jetzigen Republik u. a.

Intransitivum (lat.), s. Verbum.

Intransportabel (lat.), nicht fortschaffbar.

Intreccio (ital., spr. -trettscho), s. v. w. Intrige; auch Bezeichnung für ein kleines Bühnenstück.

Intrige (franz. Intrigue), List- oder Truggewebe zur Erreichung eines Zwecks; auch Bezeichnung für Ränke, geheime Liebeshändel u. dgl.; insbesondere im Drama das Zusammentreffen oder die absichtliche Herbeiführung von Umständen, durch welche Personen des Stückes gehindert, geneckt, irre geführt oder in Verlegenheit gebracht werden. Stücke, worin die I. so überwiegt, daß sie zur Hauptsache wird und die Charaktere nur zu ihrer Schürzung und Lösung erfunden sind, heißen Intrigenstücke. Sie sind mehr belustigenden Inhalts als die Charakterstücke, worin die I. bloß zur schärfern Hervorhebung der Charaktere benutzt wird. Muster in jener Gattung sind die spanischen Mantel- und Degenstücke (comedias di capa y espada), z. B. Calderons "Dame Kobold". Intrigant, ränkesüchtig, substantivisch: Ränkeschmied; in der Theatersprache ein Charakter, welcher durch böse Anschläge in die Handlung eingreift (Intrigantenrolle).

In triplo (lat.), dreifach.

Introduktion (lat.), Einleitung, besonders bei Musikstücken das dem Hauptthema der Symphonien, Sonaten etc. vorangehende kurze Largo, Adagio, Andante od. dgl. Bei den Italienern ist Introduzione besonders s. v. w. Ouvertüre. Introduzieren, einführen, einleiten.

Introïte, nam et hic Dii sunt (lat.), "Tretet ein, denn auch hier sind die Götter", ein auf Worten des Heraklit beruhender Ausspruch, welchen Lessing seinem "Nathan" als Motto vorsetzte.

Introïtus (lat.), "Eingang", besonders zu Musikstücken; im katholischen Gottesdienst der Anfang der Messe (im Ambrosianischen Ritus Ingressa genannt), ursprünglich ein ganzer Psalm, der vom Sängerchor gesungen wurde, später aber gekürzt; an den Psalm schloß sich, wechselweise vom Geistlichen und vom Chor angestimmt, das "Gloria patri et filio", und danach folgte die Antiphonie. Jetzt betet der Priester den I. selbst in jeder Messe.

Intrórs (lat.), nach innen gewendet, Bezeichnung für Staubbeutel, die ihre Fächer nach innen kehren.

Intuition (lat., "Anschauung"), die Gabe, wie durch den äußern Sinn des Auges zur Anschauung eines Sinnlichen äußerlich, so durch Versenkung des Geistes in sich (innerer Sinn) zur anschaulichen Erkenntnis eines Übersinnlichen innerlich zu gelangen. Intuitiv, anschaulich, unmittelbar wahrnehmend.

Intumeszenz (Inturgeszenz, lat.), Anschwellung, Aufgetriebenheit, Geschwulst.

In turno (lat.), im Kreis, reihum.

Intus (lat.), inwendig, innen.

Intussuszeption (lat.), Aufnahme in das Innere. In der Botanik versteht man unter Wachstum durch I. jene Art des Wachstums, bei welcher neue kleinste Teile der betreffenden Substanz, sogen. Mizellen, zwischen bereits vorhandene aufgenommen werden und somit eine Volumvergrößerung herbeiführen. Der von Nägeli begründeten Intussuszeptionstheorie steht die in neuerer Zeit durch Straßburger vertretene Appositionstheorie gegenüber, welche