Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Irideen; Iridektomie; Irideremie; Iridium

1

I.

Das im laufenden Alphabet nicht Verzeichnete ist im Register des Schlußbandes aufzusuchen.

Irideen (Schwertliliengewächse), monokotyle Familie aus der Ordnung der Liliifloren, Stauden mit Zwiebeln oder Rhizomen, linealen, schwertförmigen, oft reitenden Blättern und regelmäßigen oder zygomorphen, dreizähligen Blüten, die aus zwei blumenblattartigen Perigonkreisen, einem einfachen, vor den äußern Perigonblättern stehenden, dreigliederigen Staubblattkreis und drei verwachsenen Karpiden bestehen. Oft sind die Narben blumenblattartig ausgebildet. Die Frucht öffnet sich fachspaltig mit drei Klappen u. enthält zahlreiche Samen mit hornigem oder fleischigem Endosperm. Vgl. Klatt, Revisio Iridearum ("Linnaea" 1863-66); J. ^[John Gilbert] Baker, Systema Iridacearum ("Journal of Linnean Society", Bd. 16). Man zählt etwa 65 Gattungen mit gegen 700 Arten, welche vornehmlich in den wärmern Strichen der gemäßigten Zonen einheimisch, in den eigentlichen Tropen minder reichlich vertreten sind; in der größten Anzahl von Arten und im wunderbarsten Formenreichtum finden sie sich am Kap, wo besonders Gladiolus T. und eine Anzahl eigentümlicher Gattungen vertreten sind. Die Wurzelstöcke und Knollen enthalten viel Stärkemehl nebst Schleim. Die Narben von Crocus liefern den Safran. Viele Arten, besonders aus den Gattungen Iris L., Gladiolus T., Crocus T., sind beliebte Zierpflanzen. Einige Arten von Iris L. und Iridium Heer kommen fossil in Tertiärschichten vor.

Iridektomie (griech., "Ausschneiden der Iris [Regenbogenhaut]"), eine Augenoperation, besteht darin, daß man durch einen 4-6 mm langen Einstich am Rande der Hornhaut mit einer Pinzette in die vordere Kammer eingeht, die Iris am Pupillarrand oder nächst ihrer Verwachsung mit der Hornhaut faßt, hervorzieht und außerhalb der Hornhaut mit einer Schere abschneidet. Man macht die I. bei Erkrankungen der Iris, Hornhauttrübungen und als Voroperation bei manchen Staroperationen, ganz besonders aber bei Glaukom (s. d.) oder dem grünen Star. Die I. vernichtet die Pupillenbewegungen, so daß ein solche Pupille dem Lichtreiz nicht mehr folgt und der Operierte allen Gefahren desselben ausgesetzt ist, falls er nicht versteht, mit dem Augenlid die Funktion jenes Muskels zu ersetzen. Um dem vorzubeugen, hat man eine Operation vorgeschlagen, durch welche die natürliche Pupille nur verlegt wird, nämlich die Iridodesis. Diese besteht darin, daß man einen 2 mm weiten Schnitt an dem Hornhautrand macht und, wenn das Kammerwasser abfließt und die Iris infolgedessen vorfällt, diesen Teil der Iris mit der Pinzette faßt und so weit herauszieht, daß die Pupille an jene Stelle zu liegen kommt, wo man sie haben will. Das vorgezogene Stück Iris wird mit einem Faden abgeschnürt. Vgl. Tafel "Augenkrankheiten", Fig. 15.

Irideremie (griech.), s. Aniridie.

Iridium, Ir, eins der sogen. Platinmetalle, findet sich als Osmiumiridium, bisweilen auch als Iridiumplatin in Begleitung des Platins und wird aus den Platinrückständen gewonnen. Ammoniumiridiumchlorid (Iridsalmiak) hinterläßt beim Glühen I. als schwammige Masse, welche, gepreßt und heftig geglüht, politurfähiges Metall liefert. I. ist rein weiß, stahlglänzend, nur bei Weißglut hämmerbar, läßt sich feilen, Atomgewicht 192,7, spez. Gew. 22,4, ist strengflüssiger als Platin, bleibt an der Luft bei jeder Temperatur unverändert und wird nach starkem Glühen von keiner Säure, auch nicht von Königswasser, angegriffen. Aus alkoholischer Lösung von schwefelsaurem Iridiumoxyd scheidet sich am Sonnenlicht fein verteiltes metallisches I. als schwarzes Pulver (Iridiumschwarz) ab, welches noch energischer oxydierend wirkt als Platin, in Königswasser sich löst und beim Erhitzen an der Luft sich in Iridiumsesquioxyd Ir2O3 ^[Ir<sub>2</sub>O<sub>3</sub>] verwandelt. Dies ist blauschwarz und dient als schwarze und, mit Zinkoxyd gemischt, als graue Farbe in der Porzellanmalerei. Eine Lösung von fein verteiltem I. in Königswasser enthält Iridiumchlorid IrC14 ^[IrCl<sub>4</sub>], welches eine dunkelrot durchscheinende Masse bildet und mit Chlorammonium dunkel kirschroten, schwer löslichen Iridiumsalmiak (NH4)2IrC16 ^[(NH<sub>4</sub>)<sub>2</sub>IrCl<sub>16</sub>] bildet, der beim Glühen schwammförmiges I. hinterläßt. Man benutzt I. hauptsächlich in Legierungen mit Platin. Eine solche Legierung aus 1 Teil I. und 9 Teilen Platin ist sehr hart, elastisch wie Stahl, schwerer schmelzbar als Platin, völlig unveränderlich an der Luft und dient zu Normalmaßstäben. Andre Platiniridiumlegierungen gebraucht man zu Gefäßen, die der Einwirkung des Königswassers widerstehen, wenn sie nach der ersten Einwirkung desselben ausgehämmert werden. Auch dienen I. und Osmiumiridium zu Goldfederspitzen.