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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Irland

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Irland (Schulen etc., Landwirtschaft).

675,036 Schülern (davon 7668 Nationalschulen mit 596,531 Schülern), 488 Sekundärschulen mit 20,405 und 16 Colleges mit 4315 Schülern. Im J. 1885 waren in den 7936 Nationalschulen 1,075,604 Kinder eingeschrieben, im Durchschnitt wurden sie aber nur von 502,454 Kindern besucht. Die Colleges sind: die 1591 gestiftete Dubliner Universität (Trinity College), jetzt allen ohne Unterschied des Glaubens zugänglich (1338 Studenten), die drei konfessionslosen Queen's Colleges in Belfast, Cork und Limerick (1043 Studenten), die katholische Universität von Dublin, mit 8 affiliierten Colleges (1068 Studenten), das katholische Priesterseminar Maynooth College (466 Studenten) und 3 protestantische Colleges (390 Studenten). Außerdem sind zu erwähnen: die technische Schule (School of science) in Dublin, die landwirtschaftliche Akademie zu Glasnevin, eine Kunstakademie, eine Akademie der Musik. An der Spitze der gelehrten Gesellschaften stehen die Royal Society von Dublin und die Royal Irish Academy. Daß der Unterricht gute Früchte trägt, beweist die Thatsache, daß 1881 nur 25,2 Proz. der über fünf Jahre alten Bewohner nicht lesen. konnten, während sich 1861: 38,7 Proz. in der gleichen Lage befanden. Daß dabei die Katholiken weit hinter den Protestanten zurückstehen, ist nachgewiesen. 1881 waren 30,1 Proz. der im angegebenen Alter stehenden Katholiken des Lesens unkundig, dagegen nur 5,5 Proz. Methodisten, 7,1 Proz. Presbyterianer und 10,9 Proz. Mitglieder der bischöflichprotestantischen Kirche. Mit fortschreitender Bildung und bei größerm Wohlstand hat die Zahl der Verbrechen abgenommen, doch war dabei wohl auch nicht ohne Einfluß, daß gerade viele der schlimmsten Elemente nach Groß-Britannien und Amerika auswanderten, wie die Gerichte dieser Länder erfahren haben. Es wurden während der letzten drei Jahrzehnte vor die Geschwornengerichte verwiesen:

Verbrecher Verbrecher auf 100000 Bewohner Freigesprochen Prozent

1851 24684 374 10288 42

1861 5586 104 2292 41

1871 4482 83 1911 42

1880 4716 88 2319 49

1881 5311 103 2698 51

1884 2925 59 1300 44

Dazu kommen aber noch die Vergehen, welche nach dem Gesetz vom Jahr 1882 (Crimes' Act) ohne Zuziehung von Geschwornen verfolgt werden, als Drohungen, Aufruhr, Agrarverbrechen etc. Von solchen kamen 1883: 841 zur Verhandlung, 1884: 701, 1885: nur 506. Die große Zahl der Freisprechungen darf man wohl großenteils dem Einfluß der Nationalliga und ehemaligen Landliga zuschreiben, deren Repressalien die Geschwornen zu befürchten haben. Wegen geringerer Vergehen und Übertretungen wurden 1875: 243,145, 1881: 208,193, 1884: 233,188 Personen zur Rechenschaft gezogen. Verurteilt wurden 1884: 198,214 Personen, unter ihnen 92,927 wegen Trunkenheit und 28,993 wegen Schlägereien.

Im J. 1881 hatten die Gefängnisse eine Bevölkerung von 3280 Seelen, in 10 Besserungsanstalten (Reformatories) befanden sich 1195 jugendliche Verbrecher, in 52 Industrieschulen 6160 verwahrloste Kinder, die ein Vergehen begangen hatten. Das Tragen von Waffen unterliegt namentlich in den proklamierten, d. h. in Belagerungszustand erklärten, Bezirken einer Einschränkung.

Landwirtschaft, Fischerei, Bergbau.

Den Haupterwerbszweig bildet die Landwirtschaft, deren Entwickelung indes durch die Eigentumsverhältnisse wie infolge der Zerstückelung des Bodens gehemmt worden ist. Unter Elisabeth, Jakob I. und deren Nachfolgern kamen neun Zehntel des Landes durch Konfiskation in die Hände von Eigentümern, von denen viele bereits in England große Güter hatten. Die Bewirtschaftung ihrer neuen irischen Besitzungen überließen sie Mittelsmännern, die Einkünfte aber verzehrten sie im Ausland. Zwar sind in neuerer Zeit durch Vermittelung des Encumbered Estates Court viele verschuldete Güter zerstückelt und verkauft und auch ein Teil der Kirchengüter veräußert worden, im großen aber hat dies an den Besitzverhältnissen nur wenig geändert. Allerdings gab es 1875: 68,716 Grundeigentümer, von ihnen hatten aber 36,144 einen Besitz von unter 1 Acre (40 Ar), während fast die Hälfte des ganzen Landes sich im Besitz von 744 Eigentümern, nahezu zwei Drittel in dem von 1942 Eigentümern befanden. Von 19,547 größern Gutsbesitzern im J. 1870, welche eine Rente von 10 Mill. Pfd. Sterl. bezogen, lebten 5946 als Absentees außerhalb des Landes. Daß unter solchen Umständen der Wohlstand Irlands tief geschädigt wurde, liegt auf der Hand. Die Erkenntnis dieser Übelstände hatte Reformversuche zur Folge (darüber s. unten, Geschichte). Bei der früher rasch anwachsenden Bevölkerung und dem Mangel an anderweitigen Erwerbsquellen hat sich in I. eine Zwergwirtschaft herausgebildet, wie sie wohl in keinem andern Land zu finden ist. Hungersnot, Auswanderung und auch die früher recht zahlreiche Ausschließung der Pachter haben indes zusammengewirkt und etwas bessere Zustände geschaffen. Während noch 1841 die durchschnittliche Größe eines Pachtgutes 11,33 Hektar war, stieg diese Größe 1860 auf 13,76, 1881 auf 14,97 Hektar. 1841 gab es erst 40,625 Pachtgüter, die über 12 Hektar groß waren, 1881 aber 150,139, und in letzterm Jahr waren in allem 7,401,027 Hektar unter 499,109 Pachtgüter (holdings) verteilt. Welche Wandlungen die Landwirtschaft in I. seit 1851 durchgemacht hat, zeigt die folgende Tabelle:

Jahr Areal in Tausenden von Acres (1 Hektar = 2,47 Acres)

Ackerland Weiden Wald Gewässer Unbebaut

1841 5238 8226 374 681 6303

1851 6054 8749 305 631 5083

1861 5931 9534 317 627 4413

1871 5642 10069 325 626 4160

1881 5213 10092 329 625 4563

1885 4973 10246 333 625 4646

Also auch in I. zeigt sich wie in Großbritannien eine Zunahme der Weiden auf Kosten des Ackerlandes und der Anpflanzungen (plantations) von Wald, gleichzeitig aber seit 1871 eine bedauerliche Abnahme der gesamten landwirtschaftlich verwerteten Fläche. Daß aber große Strecken der Moorländer und Marschen (1881: 1,720,000 Acres) durch Drainierung der Kultur gewonnen werden können, das hat das Parlamentsmitglied Mitchel Henry praktisch bewiesen. Immerhin aber kamen 1851 auf 100 Acres Ackerland noch 108 Bewohner, dagegen 1885 nur 99, während gleichzeitig die Weiden um 17 Proz. zugenommen hatten. Hauptprodukte des Ackerbaues sind: Hafer, Kartoffeln, Rüben und Futterkräuter. Der Anbau von Weizen nimmt stetig ab, denn man sieht ein, daß I. schon seines feuchten Klimas halber nicht mit Amerika als