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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Irland

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Irland (Fischerei, Bergbau, Industrie, Handel, Nationaleinkommen).

Getreidekammer konkurrieren kann, und daß es lohnender ist, die benachbarten großbritannischen Märkte mit Schlachtvieh, Butter und Speck zu versehen. Auch der Flachsbau hat bedeutend abgenommen trotz der von der Regierung bewilligten Unterstützungen. Im J. 1885 waren bebaut mit Getreide 642,200, mit Bohnen und Erbsen 2800, mit Kartoffeln 322,500, mit Rüben und Kohl 170,770, mit Flachs 43,705, mit Klee, Luzerne etc. 822,696 Hektar. 7689 Hektar lagen brach, 504,219 bestanden aus Weiden, 134,755 waren bewaldet.

Der Viehstand nahm seit 1851 bedeutend zu:

1851 1871 1881 1885

Pferde 543312 478124 489458 491000

Rinder 2967461 3973102 3954479 4229000

Schafe 2122128 4228721 3258583 3478000

Schweine 1084857 1616754 1088041 1269000

Dazu kommen (1885) 13,849,000 Stück Geflügel (1851 erst 7,470,694).

Die Fischerei ist für I. von Bedeutung und könnte es in noch höherm Grad werden, denn das umgebende Meer wimmelt von Fischen aller Art: Kabeljaus, Rotaugen (hakes), Lengs, Heringen, Makrelen etc., und in den größern Flüssen, namentlich im Bann, Foyle, Boyne und Shannon, wird die Lachsfischerei mit Erfolg betrieben. Die Austernzucht (an der Küste von South Wicklow) hat man zu heben gesucht, doch ohne wesentlichen Erfolg. Die Seefischerei wird 1886 von 27,300 Menschen mit 8972 Booten betrieben.

Es fehlt zwar I. nicht an nützlichen Metallen und Steinkohlen, aber der Bergbau ist nur wenig entwickelt. Im J. 1885 betrug der Wert der sämtlichen Produkte des Mineralreichs nur 388,283 Pfd. Sterl., wovon 285,624 auf Bausteine, Schiefer und Thon kommen. Am wertvollsten sind noch die Steinkohlen (Ertrag 1885: 109,035 Ton.), welche in sieben getrennten Feldern auftreten. Am ausgedehntesten ist das große Kohlenfeld von Munster in den Grafschaften Clare, Limerick, Cork und Kerry; ein kleineres Kohlenfeld liegt in Tipperary, ein andres in Leinster. Die in den erwähnten Revieren gefundenen Kohlen sind Anthracit, dagegen kommen in den drei kleinen Kohlenfeldern von Ulster und in demjenigen von Connaught (in der Nähe vom Lough Allen) bituminöse Kohlen vor und in letzterm außerdem Massen von Eisenerz. Auch in der Nähe von Waterford, im S. Irlands, will man jüngst gute Kohlen entdeckt haben. Braunkohlen finden sich am Lough Neagh. Torfmoore (bogs) kommen in großen Massen vor. Sie bedecken 6077 qkm (111 QM.) Flachland und 2486 qkm (45,1 QM.) Hügelland. Erstere sind selten über 2 m mächtig, letztere bis 10 m. Sie sind zum Teilrotbraun und mit Heidekraut bedeckt, zum Teil schwarz und fest, in der Tiefe aus fester, pech- oder kohlenartiger Substanz bestehend, dem gewöhnlichen Brennmaterial des Landvolkes. Manchmal enthalten sie Holzreste (bogwood), welche zur Anfertigung von Schmucksachen verwendet werden. Ein Teil der Torfmoore ist bereits entwässert worden und dient als Weide oder selbst als Ackerland. Eisenerze finden sich in Antrim (Ertrag 107,646 Ton.), Raseneisenstein in verschiedenen Teilen des Landes. Steinsalz kommt bei Carrickfergus vor (Ausbeute 23,211 T.). Außerdem werden in geringen Quantitäten gewonnen: Kupfer, Blei und Zink, Alaun, Baryt, Thon, Gips, Ocker und namentlich schöne Bausteine, einschließlich von Granit und Marmor.

Industrie, Handel, Nationaleinkommen.

Daß I. kein Fabrikstaat geworden, erklärt sich hinreichend durch die geringen natürlichen Hilfsmittel des Landes im Vergleich mit denjenigen des benachbarten Großbritannien. Allerdings trat England 1698-1779 der natürlichen Entwickelung der irischen Wollindustrie durch Ausfuhrverbote entgegen, die es zu gunsten seiner eignen Fabrikanten erließ, anderseits aber ließ es kein Mittel unversucht, um jene Industrie durch die Leinweberei zu ersetzen, und noch bis 1830 erhielten die irischen Fabrikanten hohe Ausfuhrprämien. Gegenwärtig ist ebenjene Leinweberei der blühendste Industriezweig des Landes. Von den 981,594 Spindeln und 25,472 mechanischen Webstühlen mit 68,158 Arbeitern, welche sich 1881 in sämtlichen 230 Textilfabriken Irlands befanden, entfielen 862,276 Spindeln, 21,954 Stühle und 61,749 Arbeiter auf Leinwandfabriken. Nächst Leinwand ist die Fabrikation von wollenen und baumwollenen Waaren (einschließlich von Popelins) sowie die Spitzenklöppelei und Musselinstickerei von Bedeutung. Hauptsitz der gesamten Textilindustrie ist die Provinz Ulster und namentlich Belfast, aber auch in Dublin, Limerick und bei Cork sind Fabriken entstanden. Wichtig sind außerdem: die Maschinenbaustätten, Werften und Nagelschmieden von Belfast, die Tabaksfabriken von Dublin und Limerick, die Branntwein- (Whiskey-) Brennereien und die Bierbrauerei (in Dublin berühmter Stout). Vgl. Großbritannien, S. 769 f.

Der Handel Irlands ist wesentlich ein Handel mit der Nachbarinsel. Die Einfuhr vom Ausland betrug 1885 nur 8,982,887 Pfd. Sterl., und die direkte Ausfuhr ist ganz unbedeutend (1885: 750,871 Pfd. Sterl.), da die Ausfuhr irischer Produkte fast ausschließlich durch Liverpooler und Glasgower Häuser vermittelt wird. Zur Einfuhr gelangen namentlich Kolonialwaaren, Lebensmittel und Wein sowie verschiedene Manufakturen; ausgeführt werden Schlachtvieh, Pferde, Butter, Speck, Schmalz, Leinwandwaren, Whiskey und Bier. Neuere Angaben über den Betrag dieses Handels liegen nicht vor. Im J. 1801 wertete die gesamte Ausfuhr 3,8 Mill. Pfd. Sterl., 1825 bereits 9,1 Mill. Pfd. Sterl. (wovon 697,667 Pfd. Sterl. nach dem Ausland). Den Handel fördern Eisenbahnen in einer Länge von 4040 km und Kanäle (zusammen 560 km), wovon zwei, der Grand und der Royal Canal (s. d.), Dublin mit dem Shannon verbinden, während der Ulsterkanal von Belfast nach Lough Neagh führt. Seeschiffe besitzt I. (1886) 1427 mit einem Gehalt von 235,345 Ton., darunter 277 Dampfer. Im J. 1885 liefen 1394 Schiffe von 900,405 T. vom Ausland und 28,831 Schiffe von 5,819,590 T. im Küstenhandel ein. Die Post beförderte 1884-85: 89 Mill. Briefe, 8 Mill. Postkarten, 33 Mill. Kreuzbandsendungen und 1 Mill. Pakete, und es wurden Geldanweisungen im Betrag von 1,210,843 Pfd. Sterl. ausgestellt.

Nationaleinkommen. Im Vergleich mit England darf man wohl I. ein armes Land nennen, immerhin aber haben sich die Verhältnisse seit der Hungersnot in den 40er Jahren bedeutend gebessert. Das Kapital der Sparkassen ist 1851-84 von 1,359,103 auf 4,343,611 Pfd. Sterl. gestiegen; das steuerpflichtige Einkommen belief sich 1862 auf 23½ Mill. Pfd. Sterl., 1884 aber auf 30 Mill. Pfd. Sterl., obgleich in ersterm Jahr auf alle Einkommen über 100 Pfd. Sterl., in letzterm nur auf solche von über 150 Pfd. Sterl. Steuern gezahlt wurden und die Bevölkerung von 5,775,000 auf 4,962,000 Seelen gefallen war. Die Erbschafts-^[folgende Seite]