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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Irland

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Irland (Geschichte: Mittelalter).

standen, welche ihre Kraft in unaufhörlichen innern Kämpfen verzehrten. Die Religion der alten Iren war ein Kultus der Sonne und des Feuers; dem Feuerdienst gehören die vielbesprochenen runden Türme an, cylindrische Gebäude bis zur Höhe von ca. 40 m, mit kegelförmigem Dach, meist aus hellbraunem Sandstein erbaut, deren sich über 60 in verschiedenen Teilen Irlands auf Bergen und in Thälern erhalten haben (clochach bei den Eingebornen, steeples bei den Anglo-Iren). Auch in I. wie in allen keltischen Ländern gab es einen eignen Priester oder Druidenstand; noch heute heißt im Irischen ein Zauberer Draoith. Eine andre erbliche Zunft war die der Barden oder Sänger, deren Lieder zur Harfe gesungen wurden, und deren Einfluß auch im Rat und Gericht der Stammhäuptlinge bedeutend war. Der erste Versuch, den Bewohnern von I. das Christentum zu bringen, wurde 431 vom Papst Cölestinus I. gemacht; Palladius, den dieser zum Bischof von Hibernien ernannte und dorthin absandte, starb aber bald darauf im Piktenland. Mit größerm Erfolg nahm das Werk der Schotte Succath oder Maun wieder auf, der vom Papst nach I. gesandt ward und bei der Bischofsweihe den Namen Patricius (St. Patrick) erhielt. Es gelang ihm, seinen Lehren williges Gehör zu verschaffen, zahlreiche Schüler heranzubilden, das Bistum Armagh und andre Kirchen zu gründen und das Christentum in I. feste Wurzel schlagen zu lassen. Als er in hohem Alter (man sagt von 120 Jahren) starb, wurde er als Heiliger verehrt; er ist noch jetzt Schutzpatron der Insel, eine Abkürzung seines Namens (Paddy) die populäre Bezeichnung ihrer Bewohner. Im folgenden (6.) Jahrhundert ist die christliche Kultur gerade in I. zu ganz besonderer Blüte gediehen; von irischen Klöstern aus zogen zahlreiche Apostel (so der heil. Columban, der Gründer von Bobbio, der heil. Gallus, der Gründer von St. Gallen, der heil. Livin, der heil. Fridolin u. a.) in alle Teile Europas, überall entstanden von irischen Mönchen besetzte sogen. Schottenklöster; das Mutterkloster auf Jona oder Hy, einer der kleinern Hebriden, war eine der berühmtesten und erfolgreichsten Kultusstätten des frühern Mittelalters. Die ruhige Blüte, deren sich I. erfreute, ward zu Ende des 8. Jahrh. durch die Einfälle der heidnischen Normannen gestört, die sich hier auf der westlichen Insel als Ostmannen bezeichneten, von den Eingebornen aber Lochlain genannt wurden. Im J. 795 überfielen sie zuerst eine an der nordöstlichen Küste Irlands gelegene kleine Insel, landeten darauf 798 in Ulster und wiederholten nun ihre Einfälle in immer kürzern Pausen. Besonders verhängnisvoll wurden ihre Angriffe 837, in welchem Jahr Dublin zuerst eine Beute der Eroberer wurde, und 849, wo sie die inzwischen wieder verlorne Hauptstadt aufs neue besetzten. Eine besonders bedeutende Rolle in der Geschichte der Eroberung spielten um die Mitte des 9. Jahrh. die drei Brüder Analav (Olav), Ivar und Sitherik, welche zu Dublin, Limerick und Waterford herrschten. Das Geschlecht des Olav, welches zu Dublin herrschte, galt als das vornehmste, seine Nachkommen als die Oberkönige des normännischen I. Später gingen Dublin und das Oberkönigtum auf die Nachkommen Ivars über, mit dessen Enkel Gottfried (920-933) eine unausgesetzte Reihe normännischer Herrscher beginnt, die zu Dublin residieren. Sie bekehrten sich um die Mitte des 10. Jahrh. zum Christentum, beharrten aber in ununterbrochenem Kampf mit den noch. unbezwungenen Einwohnern des Landes. Der glänzendste Heerführer der letztern war der tapfere Brian, Fürst von Thomond, seit 976 König von Cashel, der die Normannen wiederholt besiegte, aber 1014 im Kampf gegen sie bei Clontarf fiel. Im J. 1102 erschienen die Norweger unter Anführung ihres Königs Magnus und nahmen Dublin, Connaught und Ulster. Magnus war der letzte norwegische König, welcher über die irländischen Dänen gebot; fortan hatten sie wieder ihre eignen Herrscher. Die irische Kirche wurde auf der großen Kirchenversammlung zu Drogheda 1152 dem Papst unterworfen und das Erzbistum Armagh zum Primat erhoben.

Irland unter englischen Königen aus dem Haus Plantagenet.

Die Insel zerfiel um diese Zeit in fünf Königreiche: Leinster, Munster, Ulster, Connaught und Meath. Über den Königen stand, wenigstens in Kriegszeiten, ein Oberkönig. Die einzelnen Königreiche zerfielen in Stammgebiete, welche von teils erwählten, teils erblichen Häuptlingen regiert wurden. Der Boden war Gesamteigentum des Stammes, und jeder neu hinzukommende männliche Nachkomme erhielt seinen Anteil an dem gemeinsamen Besitz. Dieses ursprüngliche Verhältnis der Einwohner zu dem Boden hat durch die Engländer eine völlige Veränderung erlitten. Zu derselben wurde der Anfang gemacht, als sich. die englischen Normannen in die irischen Händel mischten. Der englische. König Heinrich II. hatte mit Zustimmung des Papstes Hadrian II., eines Engländers, bereits die Unterjochung Irlands beschlossen, als der Fürst von Leinster; Diarmait, welcher unter Beistand des Oberkönigs vertrieben worden war, 1168 zum König von England flüchtete und diesen um Hilfe bat. Auf Heinrichs II. Veranlassung gingen 1169 die anglonormännischen Barone Moritz. Fitz-Gerald und Robert Fitz-Stephen nach I. hinüber, setzten Diarmait wieder in seine Herrschaft ein und erhielten von ihm hierfür die Stadt Wexford. Diarmait verbündete sich sodann mit dem tapfern Richard Clare, Grafen Strigul, genannt Strongbow, zur Unterjochung von ganz I., und letzterer landete 1170 in I., nahm den Ostmannen Dublin und Waterford und trat, als Diarmait zu Anfang 1171 starb, in dessen Erbe ein. Aber schon im Oktober d. J., als der Oberkönig Roderik O'Connor die Normannen in I. hart bedrängte, landete Heinrich II. selbst mit einem starken Heer in I. Eine Bulle des Papstes vom Jahr 1156 hatte ihm die Insel zugesprochen, und der Klerus fiel ihm daher sofort zu. Auch die Fürsten von Munster und Leinster unterwarfen sich ihm ohne weiteres, während andre, vor allen Roderik O'Connor, tapfere Gegenwehr versuchten. Nachdem sich Heinrich II. in den Besitz Dublins und des ganzen Küstenstrichs gesetzt hatte, hob er die alte irische Verfassung auf, führte englisches Recht ein und gab das eroberte Land seinen Baronen zu Lehen. 1172 verließ er das Land wieder und übertrug Strongbow die Statthalterschaft. Gleich diese ersten Anfänge der englischen Herrschaft in I. haben zu dem Nationalhaß der beiden Bevölkerungen den Grund gelegt: Heinrich und seine Ritter setzten sich in den Besitz der irischen Güter, ohne ihren neuen Unterthanen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. So konnte es an Aufständen und Bestrebungen, dem Druck der Fremden zu entgehen, von vornherein nicht fehlen. O'Connor erhob sich 1174 gegen die Engländer und erwirkte im folgenden Jahr einen vorteilhaften Frieden, worin er sich zwar zur Tributzahlung verpflichtete, aber die Herrschaft über den Norden der Insel behauptete, so